DVB-T2: Deutschland wird mit HEVC zum technischen Vorreiter

04.06.2014, 09:27 Uhr, ps

Ab 2016 sollen auch in Deutschland die ersten TV-Sender terrestrisch über DVB-T2 senden. Dabei wollen alle Veranstalter auf den neuen, hocheffizienten Videokompressionsstandard HEVC setzen. Ein Novum, mit dem Deutschland zum Vorreiter werden könnte. Für die Zuschauer bedeutet dies allerdings: Augen auf beim Hardwarekauf.


Die Weichen sind gestellt: Die Einführung des neuen terrestrischen TV-Übertragungsstandards DVB-T2 soll in Deutschland Mitte 2016 starten. Darauf haben sich die führenden Sendergruppen ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 gemeinsam mit dem Privatsenderverband VPRT, dem Sendenetzbetreiber Media Broadcast und den Landesmedienanstalten am Montag bei einem Treffen in Berlin geeinigt. Wie Holger Meinzer, Leiter Business Unit TV bei Media Broadcast, gegenüber DIGITAL FERNSEHEN erklärte, wolle man dabei bereits zum Start einen breiten Programmmix anbieten. Noch sei allerdings nicht im Detail geklärt, wann die einzelnen Veranstalter ihrer Ausstrahlung starten wollen.


Auch die Mediengruppe RTL hatte dabei ihre Absicht bekundet, die terrestrische Fernsehverbreitung fortzuführen. Somit sind nun alle großen Sendergruppen in Deutschland an einer Fortführung der digitalen Terrestrik und an einem Umstieg auf DVB-T2 interessiert. Während ARD und ZDF dabei wie auch auf anderen Verbreitungswegen alle Sender unverschlüsselt ausstrahlen wollen, werden die Privatveranstalter zumindest bei der HD-Verbreitung auf eine verschlüsselte Programmausstrahlung setzen. 


 
Gemeinsam verständigten sich alle Beteiligten zudem darauf, dass eine Einführung von DVB-T2 in Deutschland nur gemeinsam mit dem neuen Videokompressionsstandard HEVC (H.265) erfolgen wird. Dieser komprimiert digitale Videodateien wesentlich effizienter als der aktuelle Standard MPEG4 (H.264) und soll so für eine deutliche Einsparung an benötigter Übertragungskapazität sorgen. Mit dem neuen Codec setzen die deutschen Broadcaster auf eine zukunftssichere und richtungsweisende Technologie und könnten auch europaweit zu Vorreitern werden. Durch die damit effizientere Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Frequenzen könnte sich spätestens ab 2020 der Wettstreit um die Übertragungskapazitäten von selbst lösen.
 
Der Einsatz von HEVC hat allerdings zur Folge, dass alle derzeit auf dem Markt erhältlichen Empfangsgeräte für DVB-T2 nicht für die zukünftige Ausstrahlung in Deutschland geeignet sein werden, da diese nur mit MPEG4 arbeiten. Empfangschips mit HEVC-Support sind aktuell noch nicht auf dem Endverbrauchermarkt verfügbar und dürften erst in den kommenden Jahren auf den Markt kommen.
 


Für die Programmveranstalter und auch für Media Broadcast wird eine Herausforderung deshalb darin bestehen, die Kunden über den erforderlichen Hardware-Wechsel aufzuklären. Auch die Hersteller von entsprechender Empfangstechnik müssen hierfür ins Boot geholt werden, soll die geplante DVB-T2-Plattform letztlich nicht ein ähnliches Schicksal ereilen, wie das Viseo-Plus-Experiment von RTL und Eutelsat, bei dem seit 2009 die Kanäle der Mediengruppe in den Großräumen Stuttgart und Leipzig nur verschlüsselt ausgestrahlt werden und nur mit sehr wenigen Empfangsgeräten überhaupt empfangbar sind.

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