Kölner Übergriffe: ZDF räumt Fehler bei Berichterstattung ein

06.01.2016, 10:23 Uhr, kw

Das ZDF entschuldigt sich für seine späte Berichterstattung über die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht und bezeichnet sein Vorgehen als "klare Fehleinschätzung".


Es waren dramatische Ereignisse, die sich in der Silvesternacht am Hauptbahnhof von Köln abgespielt haben. Doch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurden die Zuschauer erst relativ spät über die Ereignisse informiert. Nach den massenhaften Übergriffen auf dem Kölner Hauptbahnhof räumt nun das ZDF Fehler bei der Berichterstattung ein.


So waren die Ereignisse in der "Heute"-Ausgabe am Montag noch kein Thema. Das ZDF hatte sich gegen die Berichterstattung entschieden - und damit einen Fehler begangen, wie Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, am Dienstag via Twitter und Facebook erklärte. In anderen Medien stand das Thema am Montag dagegen zu diesem Zeitpunkt schon auf der Agenda, das ZDF verschob jedoch einen für Montag geplanten Bericht auf Dienstag.
 
"Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-'Heute'-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat", so Theveßen in seiner Erklärung. "Die 'Heute'-Redaktion entschied sich jedoch, den geplanten Beitrag auf den heutigen Tag des Krisentreffens zu verschieben, um Zeit für ergänzende Interviews zu gewinnen. Dies war jedoch eine klare Fehleinschätzung."
 
Die Übergriffe selbst hatten sich bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ereignet, waren allerdings in ihrem erschütternden Ausmaß erst deutlich später bekannt geworden. So hatte die Polizei ihren Einsatz in der Silvesternacht zunächst als "entspannte Einsatzlage" bezeichnet, dies inzwischen aber wieder revidiert.
 
In den sozialen Medien entbrannte im Anschluss an die Entschuldigung vom stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Theveßen eine Diskussion über das Vorgehen des öffentlich-rechtlichen TV-Senders. Der Vorwurf vieler User lautete, das ZDF habe die Vorfälle verheimlichen wollen. Die Fernsehanstalt reagierte auf diese Vorwürfe mit dem Verweis auf ihre aktuelle Berichterstattung. So erklärte der Sender über seinen Twitter-Account, seit Dienstag intensiv über die Vorfälle zu berichten.
 
Kritik an der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse hatte es auch nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden gegeben. In diesem Fall unterbrach das ZDF aufgrund der Nachrichtenlage nicht sein aktuelles Programm, sondern zeigte vorerst weiter die regulären Sendungen. ZDF-Indendant Thomas Bellut hatte erst vor Kurzem angekündigt, sich stärker auf die Nachrichtenberichterstattung konzentrieren zu wollen.

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