Piratensender beoutQ sendet angeblich aus Saudi-Arabien

25.06.2018, 10:00 Uhr, dpa

Der Piratensender beoutQ zeigt die WM und die Formel 1, ohne Übertragungsrechte dafür zu besitzen. Angeblich hat er seinen Sitz in Saudi-Arabien. Das Wüsten-Königreich wettert nun jedoch unter anderem gegen die UEFA.


Im Streit um illegale Fußball-Übertragungen eines Piratensenders schaltet sich nun Saudi-Arabien selbst ein. Die Europäische Fußball-Union UEFA habe die "unbegründete Behauptung" erhoben, dass der Kanal beoutQ seinen Sitz in Saudi-Arabien habe, teilte das saudische Informationsministerium am Samstag mit. Dabei handele es sich jedoch um "unverantwortliche Anschuldigungen".


Der Piratensender beoutQ überträgt derzeit Medienberichten zufolge sämtliche Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, obwohl er keine Rechte besitzt. Die UEFA hatte in dieser Woche zudem erklärt, der in Saudi-Arabien ansässige Kanal habe auch die Champions League und die Europa League illegal ausgestrahlt. Der Verband drohte gleichzeitig die "notwendigen Schritte" an, um dagegen vorzugehen.

Hintergrund ist der heftige Streit zwischen Saudi-Arabien und dem benachbarten Golfemirat Katar. Die Übertragungsrechte für die Wettbewerbe besitzt der katarische Kanal beIN Sport. Saudi-Arabien und weitere Länder hatten im Juni vergangenen Jahres jedoch eine Blockade über das Emirat verhängt. Das islamisch-konservative Königreich untersagte auch die Ausstrahlung von beIN Sport im Land.

Als Reaktion darauf nahm beoutQ seine Tätigkeit auf. Das saudische Informationsministerium räumte ein, dass die Regierung Tausende Set-Top-Boxen des Kanals beschlagnahmt habe. Es wertete dies als Beleg dafür, dass das Land gegen die Aktivitäten von beoutQ vorgeht.

In dieser Woche hatte bereits der oberste saudische Sportfunktionär Turki Al Scheich gegen die UEFA gewettert. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin versuche derzeit, ihn zu treffen, erklärte der Chef des obersten Sportrates des Landes über Twitter: "Aber ich sage ihm, dass ich es nicht mag, Männer mit vielen Gesichtern zu treffen."

Auch Formel 1 will gegen Piratensender beoutQ vorgehen


Die Reaktion der UEFA ließ nicht lange auf sich warten. Der Verband sei von Turki Al Scheichs Äußerungen überrascht, erklärte die UEFA ebenfalls über Twitter: "Der UEFA-Präsident hat noch nie von dieser Person gehört und hätte deshalb auch keinen Grund, ihn zu treffen."

Der Piratensender soll neben der Fußball-WM auch TV-Bilder von der Formel 1 illegal übertragen haben. Die Führung der Rennserie kündigte daher am Samstag an, gegen den angeblich in Saudi-Arabien ansässigen TV-Kanal wegen des Verstoßes gegen Rechtevereinbarungen vorgehen zu wollen. Die Formel 1 nehme die Angelegenheit "extrem ernst", hieß es in der Mitteilung vor dem Grand Prix von Frankreich am Sonntag.

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