Wie Big Data das Fernsehen verändert

12.08.2016, 20:03 Uhr, kw

Vor fast 49 Jahren, am 25. August 1967, erlebte das Fernsehen eine Revolution: Das TV-Signal wurde in Deutschland fortan in Farbe übertragen. Seither hat sich einiges getan: Wie kaum ein zweites Medium geht das Fernsehen mit der Zeit. Dank zahlreicher Innovationen wird es auch in Zukunft wichtig bleiben – trotz oder gerade wegen des Siegeszuges des Internets.


Analog ist tot
 
Längst passé sind die Zeiten, als Konsumenten auf das Fernsehprogramm angewiesen waren, das die Sender zu bestimmten Uhrzeiten ausstrahlten. Das Zeitalter unabhängiger Zuschauer begann Ende der 1970er-Jahre mit dem Videorekorder, dessen Epoche nun jedoch engültig vorüber ist. Neben digitalen Bildträgern wie DVD und Blu-ray wird das Internet für die Verfügbarkeit von TV-Inhalten immer wichtiger. Zum einen ist es das Konzept der Mediatheken, in denen ausgestrahlte Sendungen noch für einen begrenzten Zeitraum verfügbar sind, zum anderen sind es Streamingdienste, die ein großes Sortiment an Filmen und TV-Produktionen aller Genres gegen eine Gebühr bereitstellen, entweder im Abonnement oder als Einzelkauf.


Erfolgsrezept mit Beigeschmack
 
An dieser Stelle wird der Begriff Big Data relevant. Schließlich fallen beim Streaming von Videoinhalten riesige Datenmengen an: Branchenprimus Netflix ist allein für ein Drittel des gesamten Internetdatenverkehrs in den USA verantwortlich. Neben dem reinen Datenvolumen hat Big Data weitere Implikationen, die sich auf die Art und Weise auswirken, wie Nutzer fernsehen. Eine der vielen Dimensionen von Big Data ist nämlich die Analyse des Nutzungsverhaltens einer Vielzahl von Konsumenten. Die Dienste verwenden die Analyseergebnisse nicht nur dazu, individuelle Filmempfehlungen zu geben. Sie entscheiden vielmehr darüber, welche Inhalte überhaupt in das Portfolio eines Anbieters aufgenommen bzw. produziert werden.
 
So ist der Erfolg von House of Cards keinesfalls ein glücklicher Zufall. Netflix orderte die Serie anhand von Daten, die verrieten, was bei den Zuschauern ankommt – nämlich: Produktionen, bei denen David Fincher Regie führte (Fight Club, The Social Network, Sieben) und in denen Kevin Spacey mitspielte, sowie allgemein Polit-Thriller. Die Zuschauer bekamen gewissermaßen genau das, was sie schon immer sehen wollten. Dass Netflix sich die Rechte für eine neue Star-Trek-Serie gesichert hat, wird angesichts der zweifellos teuren Lizenz ebenso wohlüberlegt kalkuliert sein.
 
Die Analyse von Nutzerdaten ist ein Erfolgsrezept, auf das Netflix schon setzte, als das Kerngeschäft noch in der Ausleihe von DVDs per Postversand bestand. Das Streaming über das Internet eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Datenerhebung. Der Big-Data-Ansatz von Netflix liefert beispielsweise ganz konkrete Antworten auf die folgenden Fragen: Nutzer welchen Alters und Geschlechts schauen zu welcher Uhrzeit welche Sendungen auf welchen Geräten? Und wie bewerten sie das Gesehene?
 
Was nach einem Albtraum für Datenschützer klingt, ermöglicht es den Streaminganbietern, ihren Kunden die bestmöglichen Inhalte anzubieten. Big Data ähnelt einem Fluss, der entweder verbindende Wasserstraße oder trennende Grenze ist. Es lässt sich durchaus auch für weniger ehrenhafte Zwecke verwenden. Es liegt an jenen, die Big Data aktiv einsetzen, ob das Konzept datenschutzrechtlich tragbar bleibt.

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