Kommentar: Grundverschlüsselung ist anderes Wort für Pay-TV

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Die Privatsender meiden aus psychologischen und rechtlichen Gründen die Bezeichnung „Pay-TV“, wenn sie von eventuellen künftigen Verbreitungsmöglichkeiten sprechen.

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Seit gut zwei Jahren geistert das Unwort Grundverschlüsselung durch die deutsche TV-Landschaft. Denn grundsätzlich ist ein Rundfunksignal erst einmal unverschlüsselt. Das war schon immer so seit dem Beginn des Fernsehens im letzten Jahrhundert. Doch viele Privatsender suchen nach neuen Einnahmequellen, nachdem der Werbemarkt konjunkturanfällig geworden ist und sich die Sender durch die Digitalisierung die Zuschauer mit immer mehr Konkurrenz teilen müssen. Regelmäßige Einnahmen ähnlich der GEZ-Gebühr der öffentlich-rechtlichen Sender wären deshalb die Wunschvorstellung im Lager der Kommerzsender. Parallel dazu will man beim TV-Signal wieder mehr Kontrolle haben. Die Verschlüsselung des Signals erscheint deshalb aus Sendersicht der Königsweg zu sein – wenn es denn der Verbraucher akzeptieren würde. Dass dieser nicht alles mit sich machen lässt, hat er in der Vergangenheit schon mehrmals bewiesen. Sat.1 musste den Start des Abendprogramms wieder von 20 auf 20.15 Uhr zurückverlegen, die Ran-Bundesligasendungen in Sat.1 wurden aufgrund der Zuschauerproteste wieder auf vor 20 Uhr gelegt. Und nicht zuletzt sind sowohl die analoge Verschlüsselung des MTV-Signals in den 90er Jahren als auch das 2007 groß gestartete Entavio-Projekt gescheitert.

Doch warum sprechen die TV-Sender immer von Grundverschlüsselung, obwohl es eigentlich ehrlicherweise ein Schwenk in Richtung Pay-TV ist? Die psychologischen Auswirkungen beim Zuschauer wären natürlich verheerend. Warum sollte der Zuschauer auf einmal für Sender wie RTL monatliche Gebühren zahlen, wenn er das werbefinanzierte Programm seit 25 Jahren gratis sieht? Und durch die paar Euro Einnahmen pro Haushalt und Monat wird sich die Unterbrecherwerbung nicht merklich reduzieren – zumal die technische Reichweite im Falle einer Verschlüsselung verheerend sinkt. Es sollen ja Zusatzeinnahmen für den Sender werden. Auch wenn man die Einnahmen in einmalige Pauschalen für Freischaltung oder Smardcardtausch versteckt – unterm Strich sind es regelmäßige Mehrkosten für die Zuschauer.

Und es hat auch rechtliche Gründe, weshalb die TV-Sender von Grundverschlüsselung und nicht von Pay-TV sprechen: Hollywood unterscheidet bei seinen Sendelizenzen zwischen Free-TV und Pay-TV. Die deutschen Privatsender haben die aktuellen Ausstrahlungsrechte größtenteils nur für Free-TV erworben. Damit man die Serien und Spielfilme auch nach einer Einführung einer Verschlüsselung ausstrahlen könnte, nennt man das ganze Grundverschlüsslung und nicht Pay-TV. So einfach ist das.
 
Stefan Hofmeir[sh]

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129 Kommentare im Forum

  1. Wobei da ein Punkt zu Guter Letzt nicht angesprochen wird. M.E. kommt noch hinzu, daß die Programme auch über die deutsche Landesgrenze hinaus empfangbar sind und dementsprechend die FreeTV-Rechte teurer ausfallen, als wenn die techn. Reichweite auf ein bestimmtest Gebiet (nur mal als Beispiel: lediglich Deutschland) gewährleistet werden könnte. Soweit ich weiß zahlt der ORF bspw. bei weitem nicht soviel für die Rechte von Ausstrahlungen, da sie schlicht lediglich in Österreich (und einem eng begrenztem süddeutschen Raum) empfangen werden können und somit nicht 100 Millionen, sondern nur um die 10 oder 12 Millionen Menschen erreichen - eben u.a. durch ihre Grundverschlüsselung.
  2. AW: Grundverschlüsselung ist anderes Wort für Pay-TV Für diese Erkenntnis haben die aber lange gebraucht.
  3. AW: Grundverschlüsselung ist anderes Wort für Pay-TV Genau das Topic ist ja das was ich schon seit langem sage aber einige wollen das ja partout nicht einsehen.
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