Pures Urlaubskino: „Mein Liebhaber, der Esel und ich“

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Eine bessere Alltagsflucht kann man sich wohl kaum vorstellen: Der diese Woche gestartete Kinofilm „Mein Liebhaber, der Esel & ich“ führt in den idyllischen Nationalpark der Cevennen. Viel mehr darf man allerdings nicht erwarten.

Antoinette ist Lehrerin und freut sich bereits auf die Ferien. Die will sie mit ihrem heimlichen Liebhaber Vladimir, dem Vater einer ihrer Schülerinnen, verbringen. Doch Vladimir erteilt ihr eine Abfuhr und reist stattdessen mit seiner Ehefrau und Familie in den Wanderurlaub. Das kann die enttäuschte Lehrerin natürlich nicht auf sich sitzen lassen und reist ihm hinterher. In den Cevennen begibt sie sich auf eine Trekking-Tour mit einem störrischen Esel. Wie es der Zufall will, dauert es natürlich nicht lange, bis sie ihrem Liebsten und dessen Familie begegnet.

Die Schönheit der Natur

Wo sich andere Menschen auf dem Jakobsweg Blasen an den Füßen laufen und an der frischen Luft ausdünsten, um ihre innere Mitte oder ihren Platz in der Welt zu finden, schickt Regisseurin und Autorin Caroline Vignal also ihre Hauptdarstellerin dafür durch die Cevennen. Sie zeigt in ihren sonnengefluteten Landschaftsaufnahmen eine Reise ins Innere ihrer Protagonistin, um, Ja, was eigentlich zu finden? Im Gepäck hat Antoinette Robert Louis Stevensons „Reise mit dem Esel durch die Cevennen“. Es wird selten ein Blick hineingeworfen.

„Es ging nicht mehr nur darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern der wunderschönen Landschaft kam gleichfalls ein besonderer Stellenwert zu. Ich wollte den Sommer filmen, diese Landschaften, die Natur und diesen Himmel“, sagt die Regisseurin über ihren Film. Nun, man möchte sie korrigieren! Denn schaut man sich das Endresultat an, erweckt es den Eindruck, es würde doch vorrangig um das Zurschaustellen idyllischer Landschaften gehen.

Verschenktes Potential

Das gibt einiges an eskapistischem Urlaubsfeeling für die graue Jahreszeit her und mag ein paar tolle Bilder abgeben, um den örtlichen Tourismus nach Corona wieder anzukurbeln. Doch im Kino darf es gern etwas mehr sein. Viel mehr als schmucke Kulisse im Hintergrund kommt der Cevennen-Landschaft nämlich nicht zu. Dabei hätte man diese Innenschau und die natürliche Umgebung doch bestens miteinander kurzschließen können.

Es gibt Filme, die das ganz hervorragend beherrschen, eindrucksvolle, vieldeutige und bewusst gesetzte Landschaftsaufnahmen zu inszenieren. Mit „Die Adern der Welt“ und dem grandiosen „Was geschah mit Bus 670?“ starten in diesem Jahr etwa noch zwei solcher Beispiele in den Kinos. „Mein Liebhaber, der Esel & ich“ gehört da leider nicht dazu.

Der arme Esel!

Es fehlt dieser seichten Komödie einfach an Dringlichkeit. Hier und da mag das dem Publikum ein paar Schmunzler abringen können, doch sonderlich interessant wird die Geschichte der frustrierten Lehrerin nie. „Der arme Esel“, möchte man beinahe zynisch rufen! Er ist in diesem Reisefilm doch die wahre Identifikationsfigur, die von der Lehrerin durch das Niemandsland getrieben wird und sich permanent die mäßig spannende Biographie seiner unfreiwilligen Weggefährtin anhören muss.

„Mein Liebhaber, der Esel & ich“ ist letztlich genau das geworden, was die Prämisse verspricht: ein Urlaubsfilm. Aber in der Filmgeschichte entstand eben selten große Kunst, wenn jemand seinem Publikum im Kinosaal einen Urlaub gönnen möchte. Der Film war Teil der Offiziellen Auswahl des abgesagten Cannes-Festivals in diesem Jahr. Eine Wahl, die überrascht, immerhin ist Caroline Vignals Film dann doch nicht wirklich mehr als ein nettes Rausschmeißer-Filmchen nach einem anstrengenden Festivaltag. „Nett“ ist generell das bleibende, wenig löbliche Wort für dieses Werk. Die Entwicklung der Protagonistin zu einem selbstbestimmten Leben ist gut gemeint, aber etwas mehr erzählerischen Stoff hätte diesem Wildnistrip gut zu Gesicht gestanden. Dafür ist selbst der amouröse Konflikt im Zentrum viel zu dünn und schnell erledigt, um wirklich die gesamte Laufzeit bei Laune halten zu können. Der Rest ist Wandern.

„Mein Liebhaber, der Esel und ich“ läuft seit dem 22. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos.

Bildquelle:

  • liebhabereselundich: Wild Bunch Germany

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