Heute Champions League-Reform: mehr Spiele fürs TV, mehr Langeweile für Fans

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Champions League
© UEFA
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Dieser Montag, der 19. April, könnte ein einschneidendes Datum in der Geschichte des europäischen Vereinsfußballs werden. Die UEFA will aus Angst vor einer Super Liga in Händen weniger Topklubs ihr Kronjuwel, die Champions League, reformieren. Eins scheint aber jetzt schon klar: Der geneigte Fußball-Fan wird der Verlierer dabei sein.

Schon im Vorhinein so gut wie sicher gestellt ist auf der anderen Seite, dass die großen Klubs die Gewinner sein werden – zumindest finanziell. Perspektivisch läuft alles ohnehin darauf hinaus, dass die Platzhirsche, ob sie nun Real, Inter oder welches den Anspruch von Tradition vorgaukelnde Kürzel auch immer in ihrem Namen tragen, mehr Entscheidungsgewalt in ihre Hände bekommen wollen und werden. So geht es imgrunde bei jedem Zyklus der Vergabe der TV-Rechte an Europas Königsklasse des Fußballs.

CL-Reform nach Schweizer Modell oder Super Liga

Rainer Koch und Lothar Matthäus
Vertritt heute den DFB: Rainer Koch (l., hier mit verhindertem Allianz Arena-Greenkeeper Lothar M.) Foto: BFV/Fabian Fruehwirth/www.faf-presse

Den mit einem nur geringfügig weniger schlechten Ruf als ihre FIFA-Pendants ausgestattenen Exekutiv-Mitgliedern bei der UEFA, die sich diesen Montag in Nyon zur Reform der Champions League zusammenfinden, bleibt scheinbar nur noch die Wahl zwischen Not und Elend.

Sicherheitshalber wurde bereits am Sonntagnachmittag der Teufel schon einmal an die Wand gemalt. Vorab verschickte die UEFA eine eilig wirkende und im Tonfall äußerst harsche Pressemitteilung. Im Kurzen steht darin, dass es zwölf Vereine gibt, die das Super-Liga-Modell forcieren. Der spezielle Dank an deutsche und französische Klubs für ihr Bekenntnis zur UEFA legt nahe, dass aus Bundesliga und Ligue 1 kein Klub an der Super Liga interessiert ist.

Das systematische Verhindern von Überraschungen (führt zu Langeweile)

Nach dem Brandmarken der „Verräter“ können die Vertreter sich nun sogar geradezu ritterlich inszenieren. Der Verdacht liegt nah, dass der Anschein erweckt werden soll, man hätte soeben den Untergang des Abendlandes abgewendet, wenn sich diesen Montag schiedlich friedlich auf das sogenannte „Schweizer Modell“ geeinigt wird und damit in den Augen vieler Vereinsfunktionäre ein „Supergau“ abgewendet werden kann.

Dieses Champions League-Modell sieht lauter sportliche Absurditäten vor, wie zum Beispiel folgende. Es wird mindestens zwei Freilose für große Vereine geben, die sich nicht tabellarisch in ihrer jeweiligen Liga qualifizieren konnten. Doch damit nicht genug. Darüber hinaus soll in einer! Liga anstatt bisher in acht Gruppen gespielt werden. Na, klingelt es vielleicht jetzt schon bei einigen?

Um den ganzen aber noch die Krone aufzusetzen, spielen alle Mannschaften in diesem Wettbewerb nur zehn Spiele. Obwohl man sage und schreibe 26 Teams vor der mit Achtelfinale beginnenden K.O.-Phase gar nicht begegnet ist, findet sich Verein X, nennen wir ihn Royal Mailand (egal Hauptsache Spanien), in einer Endtabelle wieder. Die ersten acht kommen direkt weiter und der Rest spielt um die goldene Ananas, abgekürzt. Es dürfte deutlich werden, dass dieses Modell wenig bis kaum etwas mit sportlichem Wettbewerb zu tun hat. Es hat lediglich das Ziel ein Plus an Spielen zu erwirken, die ans TV vermarktet werden können und gleichzeitig nicht die Spieler völlig kaputt macht.

Update: Super Liga bisher immer eine Ente, nun Realität

Die angesprochenen Super-Liga-Drohungen leuchten nicht von ungefähr immer dann als Nebelkerzen am Horizont auf, wenn ein Rechte-Zyklus in der Champions League sich dem Ende nähert. Nun konkretisieren sich diese Pläne. Niemand außer den Klub-Bossen ist wirklich daran interessiert. Denen ist aber offensichtlich egal, dass ein Spiel um den 14. Platz in einer Retorten-Liga der Großklubs kaum jemanden begeistern kann. Zu den Gründungsmitgliedern des Konkurrenzprodukts gehören offiziell der FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, FC Barcelona, Inter und AC Mailand sowie Real und Atletico Madrid. Drei weitere nicht genannte Vereine sollen vor der ersten Austragung, die so bald wie möglich starten soll, noch hinzu kommen.

Die Strategie ist relativ einfach zu durchschauen. Die Super-Liga-Keule wird immer dann geschwungen, wenn sich dadurch in der Champions League etwas zugunsten der großen Vereine verändern lässt. Dass die Drohgebärden nun offensichtlich durchgesetzt werden, verdeutlicht nur umso mehr die Schwäche der internationalen Fußballverbände.

Doch was macht man sich vor? Es geht schon lange nicht mehr um Fußball.

Bildquelle:

  • Rainer Koch: BFV
  • UEFA-Champions-League: © UEFA

31 Kommentare im Forum

  1. "Untergang des Abendlands", "Verräter", "Supergau" > Herr Beyer, zu viele Untergangs-Serien übers Wochenende angesehen? "Royal Mailand (egal Hauptsache Spanien)" > eieiei, Finger weg von ... und bevor es noch schlimmer wird, Paris ist nicht die Hauptstadt von Island, auch Los Angeles als Vorort von Lissabon ist ungültig.
  2. [USER=220169]@nordfreak[/USER] Wenn man keine Wörter aus dem Kontext reisst, so wie du es tust, dann spiegelt der Beitrag eher das wider, was er beschreibt - nämlich zukünftig Langeweile in der CL. Oder anders gesagt, ich stimme dem Beitrag zu.
  3. Habe keine Probleme damit wenn die CL nicht mehr interessant wird. Über Streamingmist möchte ich mir das nicht so gerne antun.
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