Der offiziell beste Film des Jahres: „Zack Snyder’s Justice League“

Eine revidierte Kritik

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Foto: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max
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Die Diskussionen um den meist erwarteten Film des Jahres reißen nicht ab. Die vielen Reaktionen zu „Zack Snyder’s Justice League“ beweisen: Besseres wird es 2021 nicht mehr zu sehen geben!

Die Kinos können geschlossen bleiben. Man möge die Türen verriegeln, die Plakate und drögen Werbebanner von den Wänden reißen, die Sitzreihen abschrauben, die nächtlichen Lichter zum Zeichen der Sichtbarkeit wieder ausschalten und die Stromkosten nicht länger unnötig in die Höhe treiben. Niemand braucht mehr ein Kino, um Filme sehen zu können, das Heimkino hat das Rennen endgültig gewonnen. Unterhaltung, die Filme nun einmal sind, kann in den heimischen vier Wänden genossen werden, für Diskussionen gibt es Twitter. Sichtbarkeit schaffen Netflix und Co. schon längst im Platzieren der wichtigen und interessanten Filme im bildschirmfüllenden Format ganz oben auf ihrer Seite.

Niemand braucht mehr ein Kino, schon gar nicht, nachdem das langersehnte Comic-Spektakel „Zack Snyder’s Justice League“ endlich zu Hause über die Fernsehbildschirme flimmern durfte, um sich auf ewig in die Netzhaut zu brennen und in die Seelen jener zu leuchten, die die Hoffnung gegenüber zeitgenössischen Blockbuster-Produktionen längst fahren ließen. Die schreckliche, durch und durch misslungene erste Schnittfassung des Films ist da schnell vergessen. Diese krankte vor allem an einer Tatsache: Sie war einfach viel zu kurz.

Wer auch nur ansatzweise in Hollywood glaubte, man könne in zwei Stunden eine solche Geschichte erzählen, ein solch episches Handlungsgeflecht ausbreiten und solch komplizierten Charakterdiagnosen genügend Raum geben, der hat in der Filmindustrie eigentlich gar nichts zu suchen. Leben oder Tod, Snyder oder Whedon, DC oder Marvel, es gibt nur diese beiden Optionen. Dazwischen ist nichts.

Voreilige Kritik!

Man war allzu schnell versucht, Zack Snyder’s verspätete, finale Vision der Erdenrettung durch das titelgebende Superheldenteam in eine Ecke zu drängen, sie übel zu kritisieren und als uninteressanten, ästhetisch scheußlichen Film zu bezeichnen. Ja, womöglich ihm noch vorzuwerfen, es handle sich um ein menschenfeindliches, unreflektiert apokalyptisches Werk, das das Kino von jeglicher produktiver Diskussion und Demokratie befreie, um es stattdessen in einen sinnentleerten Cyberspace zu verwandeln. Sich zu erdreisten, zu behaupten, es habe sich im Kern rein gar nichts im Vergleich zu der ersten Fassung des Films verändert!

Einige Teile der internationalen Kritik wagten solche Vorwürfe, womöglich noch ohne ein vorheriges Studium aller bisherigen DC-Filme und -Comicvorlagen, ohne deren Hintergrundwissen das ganze Ausmaß sowieso nicht erkannt werden kann. Kurzum: Sie alle hatten in ihrem trostlosen Kulturpessimismus gar nicht verstanden, was mit dieser cineastischen Vision verwirklicht werden sollte. Man muss das alles nachträglich revidieren, allein aus Respekt vor der vielen Arbeit und dem vielen Geld, das in den Film investiert wurde. Allein aufgrund der politischen Revolte, die es „denen da oben“ in Hollywood, den bösen Studiobossen einmal so richtig gezeigt hat! Das Publikum hat endlich das bekommen, was es verdient. Wer den Snydercut nicht liebt, hat das aufbegehrende Kino nie geliebt.

© 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO

8,2 auf IMDb!

Überhaupt ist solchen, rein der mahnenden Erziehung dienenden Kritiken in ihrer Minderheit keine Bedeutung beizumessen. Über 228.000 Zuschauer und ein Bewertungsdurchschnitt von 8,2 auf IMDb können nicht lügen. Ein Anschreiben gegen diese Tatsache würde bedeuten, die demokratische Funktionsweise der Kunst anzugreifen! „Zack Snyder’s Justice League“ ist in erster Linie ein vierstündiges Unterhaltungsprogramm, das dazu einlädt, einen Popcorn-Abend auf der Couch zu verbringen. Nicht mehr und nicht weniger.

Man konnte das leicht übersehen und den Kern in der Auseinandersetzung verfehlen. Wo krampfhaft nach Themen und Ideologien bohren, wo es doch offensichtlich nur um das Vergnügen geht? Wo doch alles nur ein Film ist? Ja, das mag hier und da einige Längen aufweisen, fünf bis zehn Minuten weniger hätten das Spektakel noch intensivieren können. Doch Fehler kann man verzeihen.

Ganz nebenbei handelt es sich um ein Werk, das wieder Licht in den trostlosen Pandemie-Alltag bringt, das beinahe ein sexuelles Gefühl auslösen kann. Es bringt uns die Helden zurück, die uns Mut zusprechen, dass die Menschheit doch noch erlöst werden kann. Die uns erklären, dass wir alles im Leben erreichen können, wenn wir nur fest daran glauben und hart genug arbeiten. Wir müssen uns nicht sorgen, die Helden werden den Rest für uns richten.

Dabei haben sie ja selbst mit ihren persönlichen Krisen zu hadern; das lässt sie uns nur noch nahbarer erscheinen. Persönliche Verluste, politisches Dilemma, all das lastet so schwer auf diesen Charakteren wie die Rüstungen, die sie tragen. Der Film bezieht sich dabei ein Stück weit auf Christopher Nolans ganz soliden Actionfilm „The Dark Knight“.

Die großen Themen des Lebens

Zack Snyder versteht es meisterhaft, dieses zerrissene Lebensgefühl seiner Figuren in angenehm düstere Ästhetik zu übertragen, die endlich einmal das Superheldenkino wieder ernsthaft betrachten lässt. Wer das nicht mag, für den bleibt ja „Thor 3“! Gepaart wird das mit Actionszenen, die wie ein geöltes Räderwerk ineinander übergehen und in der kunstvollen 4:3-Vision des Auteurs Zack Snyder in wunderschönen Zeitlupen erblühen.

Er stellt etwa kluge, gesellschaftskritische Beobachtungen zu gegenwärtigen Terrorängsten an, bis endlich Wonder Woman in letzter Sekunde eingreift, um den explosiven Koffer rettend gen Himmel zu schleudern. Es geht dabei um die ganz großen Themen: Familie, Verlust, Liebe, Angst, die Rettung der Welt. Solch Mammutaufgabe eventuell noch in unter vier Stunden abzuhandeln, bei Gott, es wäre Verrat am Medium!

Wir brauchen das Snyderverse!

Die Größe dieses Films erschließt sich erst nach einiger Zeit. In dreißig Jahren wird man noch einmal ganz anders über dieses Werk staunen können. Vom „Herrn der Ringe“ der Comic-Verfilmungen war die Rede. „Der Pate“ der Comic-Verfilmungen trifft auf dieses Charakterdrama besser zu! Es braucht seine Zeit, um in den Geist zu sickern. Eines bleibt aber unmittelbar nach dem Sehen: die Lust nach mehr!

Allein, welch unendliches Potential diese zahlreichen offenen Enden des Films ermöglichen! Wie gekonnt hier neue Puzzle-Teile auf dem Tisch ausgebreitet werden, die nur darauf warten, sich zu dem geplanten Snyderverse zusammenzufügen! Das Heimkino braucht mehr davon! Es ist dieses Gefühl von Überwältigung, das zurückbleibt. Diese hinreißende Melancholie, die sich in einem ausbreitet, wenn der Abspann nach diesem sakralen Superhelden-Drama in weißen Lettern einsetzt und auf dem Bildschirm endlich zu lesen ist: April, April.

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„Zack Snyder’s Justice League“ ist seit dem 18. März 2021 bei Sky zu sehen.

Bildquelle:

  • justiceleaguesnydercut: © 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO
  • justiceleague: Sky Deutschland

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