Trauer um Dr. Hans-Ullrich Wenge, Ex-CEO der Kabel Deutschland

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die Branche trauert um Dr. Hans-Ullrich Wenge (*10.05.1952, †24.05.2019). Bereits am 24. Mai 2019 verstarb der langjährige DIGITAL INSIDER-Kolumnist, Branchenexperte und frühere CEO der Kabel Deutschland, Dr. Hans-Ullrich Wenge, im Alter von 67 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.

„Gruß aus der Hitze“ war eine der häufigsten lockeren Formulierungen, die Hans-Ullrich Wenge in E-Mails aus seinem selbst gewählten Domizil in Südfrankreich oder auf seinen vielen Reisen in den letzten Jahren verfasste. Auch der Abschluss „Ihr Infrastrukturexperte“ kennzeichnete seine Selbstironie beim Schreiben, u.a. in einer regelmäßigen Kolumne der im Auerbach Verlag (Leipzig) erscheinenden Branchenpublikation DIGITAL INSIDER sowie in Statements für digitalfernsehen.de, dem führenden Portal für Digital-TV, Entertainment und Heimkino.
 
Für viele Branchenkenner war er nach zahlreichen erfolgreichen Stationen, u.a. bei der Deutschen Bahn und zu guter Letzt bei der Deutschen Telekom in Bonn als CEO der damaligen Kabel Deutschland in guter Erinnerung geblieben. Eine Zeit, in der das Kabelnetz an private Investoren zum Verkauf gestellt wurde und erste Digitalisierungsweichen von ihm zweifellos in die richtige Richtung gestellt werden konnten. Noch heute profitieren Unternehmen und große Marken wie Vodafone, Unitymedia oder Pyur von seiner damaligen visionären Weitsicht und der Paketierung von DigiKabel.
 
Auch in den letzten Jahren haute er noch gern höchstpersönlich in die Tasten, wenn es darum ging, Marktbeobachtungen gedanklich zu erfassen, neue Business Cases zu skizzieren und mögliche Fehlentwicklungen aufzuzeigen. „Das hatten wir schon mal, das funktioniert so nicht“, war stets der Auftakt zu Ideen seiner Kolumnen, die wir vorab teils leidenschaftlich, teils heftig diskutierten, gerade wenn es um erneut drohende Monopole ging. Da kannte er sich bestens aus und zeigte sich bis zum Schluss interessiert. Zitierte man ihn aus vorangegangenen Gesprächen, merkte er es sofort und schlussfolgerte: „Sie sind schnell und Sie haben mir tatsächlich zugehört“.

Es war ihm wichtig, mit seiner Erfahrung immer noch Gehör zu finden und mit seinen Prognosen öffentlich wahrgenommen zu werden. Dabei ging es ihm schon längst nicht mehr um seine Person, sondern darum, Fehler speziell in der politischen Regulierung nicht ein zweites oder ein drittes Mal unkommentiert geschehen zu lassen. Über neumodische Marketingansätze regte er sich gern künstlich auf, ebenso mir gegenüber mit einem Lächeln auf den Lippen über „blumiges Journalisten-Gequatsche“. Wir sind stets freundschaftlich auseinandergegangen. Ich empfand ihn als große Bereicherung, gerade weil wir nicht immer einer Meinung sein mussten.
 
Hans-Ullrich Wenge war ein echtes Urgestein der Kabelbranche; ein tapferer Mitstreiter in Monopol- und Regulierungsfragen, der eigene Meinungsäußerung aus seiner Expertise heraus generierte; und ein ausschließlich für sich selbst sprechender, echter „Typ“, wie man ihn heute leider nur noch selten in unserer Branche antrifft.
 
Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, denen wir auch weiterhin viel Kraft wünschen! Er wird uns fehlen, aber er bleibt in bester Erinnerung.
 
Auswahl aus Kolumnen von Dr. Hans-Ullrich Wenge:
Kabel-Experte Wenge: „Ultra HD Chaos im Handel“ 
„Ende des Sat-Empfangs?“ 
„Digitalisierung macht Fernsehen günstiger“ 
„Große Player haben Zenit überschritten“ 
„Digitalisierung ist alternativlos“ 
Experte zur Bundesliga: „Müssen wir alle Anbieter abonnieren?“
„Es guckt keiner Netflix, weil der Name so toll ist“
„Alle ‚zufrieden‘ mit neuem Antennenfernsehen“[Ein Nachruf von digitalfernsehen.de-Herausgeber Torsten Herres]

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3 Kommentare im Forum

  1. Jetzt wo ich es hier lese, ging es mir durch den Kopf, dass man schon eine Weile von Herrn Dr. Wenge nichts mehr gelesen hatte. Also hier bei DF. Danke für manchen Artikel hier. 67 Jahre... kein Alter. Ruhen sie in Frieden. Mein Beileid an seine Angehörigen.
  2. Ich hab seine Experten-Statements immer gern gelesen. Er war nicht so angepasst und folgte nicht zwingend der Argumentation von Netzbetreibern, Verbänden oder Industrie zu irgendwelchen angeblichen Trends und Hypes. Gegen medienpolitisch motivierte Konzernmeinungen und Monopole äußert sich heute doch kaum noch einer öffentlich. Schade, er wurde nicht alt. Da geht einer der ganz Großen von der Bühne. R.I.P.
  3. Meine Trauer für einen Kabel-Boss hält sich sehr in Grenzen. Zum Geschäftsmodell der KNB gehört, dass Menschen mit Migrationshintergrund für FTA-Satellitenprogramme ein monatliches Entgelt zahlen müssen. Das ist eindeutig als Diskriminierung und Abzocke einzuordnen. Wer in der Vorstands-Etage sitzt, trägt für solches unethisches Verhalten eine erhebliche Mitverantwortung. Das kann man nicht schön reden. Die KNB betreiben in Deutschland in Kooperation mit der Wohnungswirtschaft ein korruptes und zuschauer-feindliches System. Wenn in Italien ein Mafioso stirbt, dann bin ich auch nicht traurig.
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