Fernsehen im Wandel der Zeit: Von der Flimmerkiste bis zum Streaming, wo und wann man will

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Saba Fernseher 60er ; © Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham
© Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham
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Ältere Menschen, etwa ab Jahrgang 1950, erinnern sich vielleicht noch – die Anschaffung des ersten Fernsehgeräts war ein absolutes Großereignis in der Familie. Jetzt flimmern die Filme über das Handy.

Das Fernsehen ermöglichte damals einen Blick in die Welt. Drei Stunden täglich gab es Programm in Schwarz-Weiß von einem einzigen Sender. Der Fernsehapparat und das was zu sehen war, war so erfolgreich, dass schon bald fast jeder Haushalt mit der sogenannten „Glotze“ ausgestattet war. Im Lauf der Jahrzehnte entwickelten sich Technik und Programmangebot laufend weiter. Damit veränderten sich auch die Fernsehgewohnheiten – heute sieht man nicht nur „mit dem Zweiten besser“, wie es ein bekannter Werbeslogan des ZDF verspricht. Man sieht vor allem anders, denn modernes Fernsehen bietet ganz individuelle Möglichkeiten.

Die Fernsehgewohnheiten in den 1950er Jahren

Nachdem in den Anfangsjahren der Sendebetrieb auf drei Stunden pro Tag begrenzt war, steigerte sich die tägliche Sendezeit allmählich von fünf Stunden auf bis zu zwölf Stunden. Auch das Angebot wurde vielseitiger. Während in der Anfangszeit das Fernsehen überwiegend als Bildungsmedium galt, kamen weitere Formate dazu. Filme, Serien und Quizshows ergänzten die Programme. Die sogenannten „Dritten“ konzentrierten sich weiterhin auf Bildungs- und Kultursendungen sowie regionale Sendungen. Das ZDF wollte ein möglichst vielseitiges Programm bieten. Für Kinder gab es eigene Sendungen, allerdings beschränkt auf den späten Nachmittag und die Mittagszeit am Sonntag.

Rasante Verbreitung des Fernsehens

Trotz des vergleichsweisen geringen Angebots war die Faszination des Fernsehens ungebrochen. Fernsehen wurde zur Freizeitbeschäftigung Nummer Eins. Dementsprechend wuchs auch die Zahl der Fernsehgeräte. Bereits im Jahr 1975 besaßen 93 Prozent aller Haushalte in Deutschland ein TV-Gerät. Weil es aber zunächst noch keine Möglichkeit zum Speichern gab, mussten sich mehrere Nutzer in einer Familie Abend für Abend auf ein gemeinsames Programm einigen. Außerdem war meist gegen Mitternacht Schluss: Nach der Ausstrahlung des letzten Programmpunkts war nur noch das Testbild zu sehen.

Revolution VHS: Wie die Videokassette das Sehverhalten änderte

Die ersten Videorecorder kamen bereits in den 1960er Jahren auf den Markt, setzten sich aber erst ab 1975 richtig durch. Es gab zunächst neben der VHS zwei weitere Systeme: Sonys Betamax und VCR/Video 2000 von Grundig und Philips. Schließlich wurde jedoch die VHS-Kassette Anfang der 1980er zum allgemeinen Standard. Endlich waren die Zuschauer zeitlich unabhängig: Sie zeichneten die Lieblingssendungen einfach auf und sahen sich später die Aufzeichnungen an. Dadurch verlängerte sich die Zeit, die man vor dem Fernseher verbrachte, noch mehr. Videotheken waren beliebte Anlaufstellen, um sich zu Hause mit einem vielseitigen Unterhaltungsangebot zu versorgen.

Weiterentwicklung erst Ende der 1990er

Ein großer Fortschritt kam erst gegen Ende der 1990er Jahre. Auf den Video-Recorder folgten Technologien wie DVD-Recorder, Festplattenrecorder und Blu-Ray-Recorder. Noch mehr technische Veränderungen waren Satelliten- und Kabelfernsehen. Das analoge Fernsehen wurde nach und nach vom digitalen Fernsehen abgelöst. Die Röhrenfernseher im 4:3 Format machten zunehmend den 16:9 Panels Platz. Große Media-Anbieter schalteten sich ein und erleichtern zunehmend das Fernseherlebnis mit Set-Top-Boxen. Hier finden Zuschauer ein umfangreiches Angebot – der Fernseher ist mit dem Internet verbunden, die Multi-Media-Box eignet sich zum Aufnehmen und Speichern.

Zeitgemäßes Fernsehen

Als Informations- und Unterhaltungsmedium ist das Fernsehen immer noch aus den meisten Haushalten nicht mehr wegzudenken. Mehr als 100 verfügbare Sender bieten ein reichhaltiges Angebot. Sie können rund um die Uhr fernsehen. Viele Zuschauer sind deshalb sehr froh über die Möglichkeit, Sendungen aufzuzeichnen und zu einem späteren, selbst bestimmten Zeitpunkt anzusehen. Während des laufenden Programms können Sie die Sendung anhalten oder zurückspulen.

Mehrwert eines Smart-TVs

Viele Fernsehgeräte sind mit einem Internetanschluss ausgestattet. Video on Demand und Streaming-Dienste sind weitere Varianten, wie Sie Ihr eigenes Programm gestalten können. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, nicht nur das TV-Gerät zu nutzen, sondern auch Smartphone, Tablet und PC damit zu koppeln. Das ist einerseits praktisch, andererseits kann Fernsehen so zum echten Zeiträuber werden.

Tägliche Fernsehdauer unverändert

Im Jahr 2015 verbrachten die Menschen in Deutschland durchschnittlich fast vier Stunden täglich ferngesehen. Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung gibt an, dass sich die Dauer im Vergleich zu vor zehn Jahren nicht verändert hat. Der Hauptunterschied liegt im Alter der Fernsehnutzer. Ältere Zuschauer haben oft festgelegte Rituale, beginnend mit der Lieblingsserie am Nachmittag, die immer zum gleichen Zeitpunkt ausgestrahlt wird, oder der Fernsehabend startet klassisch mit der Tagesschau. Jüngere Menschen nutzen dagegen viel häufiger das digitale Angebot und sehen zeitlich flexibel fern. Mediatheken sind bei allen Altersgruppen beliebt, die meisten Sendeanstalten haben eine eigene Mediathek.

Das Fernsehen ist also nach wie vor aus dem Tagesablauf und der Freizeitgestaltung nicht mehr wegzudenken, auch wenn sich die Fernsehgewohnheiten aufgrund neuer Technologien stark verändert haben.

Meilensteine in der Geschichte des Fernsehens

  • Im Jahr 1952 startete das Fernsehen in der BRD, indem der Nordwestdeutsche Rundfunk am ersten Weihnachtsfeiertag den Sendebetrieb aufnahm.
  • Die DDR folgte am 3. Januar 1956.
  • Zunächst war die Sendezeit auf wenige Stunden pro Tag beschränkt.
  • Das Programm wurde in Schwarz-Weiß ausgestrahlt, es gab in beiden Staaten nur jeweils einen Sender.
  • Der überwiegende Bereich der ausgestrahlten Sendungen waren vorproduzierte Studiosendungen und Nachrichten.
  • In den folgenden Jahren kamen Live-Übertragungen dazu. Zahlreiche Zuschauer erlebten live die Krönung von Königin Elizabeths II. (1953) und die Fußballweltmeisterschaft (1954).
  • Am 1. April 1963 kam in Westdeutschland mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ein zweiter öffentlich-rechtlicher Sender dazu.
  • In den folgenden Jahren wurde das Sendeangebot durch mehrere Regionalsender erweitert.
  • Am 25. August 1967 wurde anlässlich der Funkausstellung in Berlin das Farbfernsehen eingeführt.
  • Noch mehr Programmauswahl gab es ab 1984. Mehrere kommerzielle Sender wie Sat.1 und RTL nahmen den Sendebetrieb auf.

Lesen Sie auch unsere Serie: Die Geschichte des Fernsehens: Wie alles begann

Bildquelle:

  • Geschichte-des-Fernsehens-Teil-2-10: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham

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