Die Philips TVs 2014: Android, Ultra HD und Direct LED

19.03.2014, 16:07 Uhr, Christian Trozinski/ Dennis Schirrmacher

Nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Philips will die eigenständig operierende TV-Sparte TP Vision unter der Obhut von TPV mit mehr als 50 TV-Modellen zur unangefochtenen Nummer zwei im Flachbildfernsehermarkt aufsteigen. Die Redaktionen von HDTV und DIGITAL TESTED waren in Hamburg vor Ort, um sich von der Qualität der neuen Fernseher zu überzeugen.


TP Vision setzt wie in den Vorjahren auf die TV-Klassen namens 4000 bis 9000. Bereits innerhalb der Typenbezeichnungen sind Ausstattungsmerkmale erkennbar: F steht für Full HD, U für Ultra HD, K gibt Hinweise auf die DVB-T-/-C- und S-Tuner, der Namenszusatz S deutet wiederum auf den neuen Twin-Triple-Tuner hin. Sonderfunktionen wie 3D sind ab der Serie 6400 verbaut, Ambilight wiederum ab der Serie 6500. Ab der Serie 7500 setzt TP Vision auf 3-seitiges Ambilight und einen beiliegenden Subwoofer, der nach dem Einschalten die Tonsignale drahtlos empfängt und den Tieftonbereich vehement verbessert.


Sämtliche TV-Modelle bis zur Serie 7500 setzen auf eine Direct-LED-Beleuchtung. Bildvorteile sind allerdings nicht zu erwarten, da einzelne Zonen nicht dimmbar sind und die LED-Anzahl keinesfalls höher als bei Edge-LED-LCDs ausfällt. Für eine Kontrastverstärkung setzt Philips bei allen Modellen auf ein globales Dimming, d.h. die LED-Helligkeit wird für das gesamte Bild justiert und einzelne Bildbereiche per Signalanpassung optimiert. Mit Micro-Dimming-Pro kombiniert Philips die Kontraststeigerung mit dem Helligkeitsabgleich durch den Lichtsensor.

Ambilight-Innovationen:


Die neue Serie 8000 wird vergleichbar zum letztjährigen Elevation-Modell vierseitiges Ambilight aufweisen. Hierbei wird die Lichtaura über rückseitige LEDs erzeugt, die nicht mehr im Rahmenbereich, sondern mittig angeordnet sind. TP Vision verspricht eine verbesserte Helligkeit und damit mehr Ambilight-Dynamik als im Vorjahr. Mehr Dynamik ist auch das Stichwort für die erweiterten Voreinstellungen, denn mit dem neuen Gaming-Modus passt sich Ambilight noch schneller und mit höherer Intensität dem Bildinhalt an.
 
Sollte die Lichtaura des Fernsehers nicht den ganzen Raum erhellen, schafft die eingebaute Unterstützung für Hue-Lampen- und LED-Sets Abhilfe: Ganz ohne Smartphones und Tablets steuern Ambilight-TVs ab sofort die kompatiblen Lichtspots im Haus, sodass das Ambilight-Erlebnis nahezu grenzenlos erweitert werden kann – maximal 50 Lampen werden von einem TV unterstützt. Für Fußballfans hat TP Vision ebenfalls das richtige Ambilight-Feature parat: Mit der bald erscheinenden App projiziert der Ambilight-Fernseher auf Tastendruck oder bei Torjubel die Farben der Landesflagge der jeweiligen Mannschaft als Lichtaura.

Ambilight erstrahlt im Fußball-WM-Jahr auch in den Farben der jeweiligen Landesflaggen.

Bild: TP Vision

UHD-Modelle erweitert:


Preislich aggressiv und mit Bildgrößen ab 42 Zoll wird TP Vision neue Ultra-HD-Fernseher am Markt einführen. Die Serie 7800 stellt dabei das Einstiegssegment dar, denn die Fernseher müssen mit 50-Hertz-LCD-Panels und HDMI-1.4-Schnittstellen auskommen (Kopierschutz nach HDCP 2.2 wird aber unterstützt). Dennoch verspricht TP Vision eine Bildqualität, die weit über gängiges Monitorniveau hinausgeht, da sämtliche Bildverbesserer an Bord sind. Ab der Serie 8800 stellt Philips den UHD-TVs HDMI-2.0-Anschlüsse (mit HDCP 2.2), 100-Hertz-Technik und die Zwischenbildberechnung Digital Natural Motion zur Seite. Die Decodierung von UHD-Videoquellen nach neuem HEVC-Standard beherrschen die neuen TVs ab Werk noch nicht, hier plant TP Vision ein Softwareupdate.
 
Bei den Bildgrößen zeigt sich TP Vision noch zurückhaltend: Eine Bilddiagonale von maximal 55 Zoll werden die meisten Fernseher im ersten Halbjahr aufweisen, lediglich der 65PFK6609 und 65PFS7559 kommen in 65 Zoll auf den Markt. Bei letzterem ist zu beachten, dass dieser über aktives Shutter-3D-Verfahren verfügt, während die kleineren 7500er-Modelle mit passivem Polfilter-3D arbeiten. Echte 200-Hertz-Paneltechnik, wie sie im Vorjahr bei der Serie 8000 eingesetzt wurde, findet sich in diesem Jahr nicht mehr im Produktaufgebot: Sowohl die Full-HD- als auch die UHD-Modelle der neuen Serie 8000 arbeiten mit nativer 100-Hertz-Technik.
 
Nur als Prototyp und als wagen Ausblick auf das zweite Halbjahr präsentierte TP Vision einen Direct-LED-Fernseher, der die vollflächige LED-Beleuchtung mit lokal dimmbaren Segmenten zur Kontraststeigerung nutzt und somit beste Helligkeit und Schwarzwerte garantiert. Hinter dem Prototypen dürfte sich die neue 9000er-Serie verbergen, die im Rahmen der IFA präsentiert werden könnte. Chefentwickler Danny Tack sieht im Direct-LED-LCD-Modell den derzeit stärksten Konkurrenten für kontraststarke OLED-Fernseher und gibt sich zuversichtlich, dass TP Vision die Konkurrenz bei der Bildqualität übertrumpfen kann.

Heruntergeladene Videospiele können nun mit einem Gamecontroller gespielt werden; dabei werden auch kabellose Modelle unterstützt.
Bild: TP Vision

Doppelter Empfang:


Erstmals setzt TP Vision auf den Einsatz von Doppeltunern (ab der Serie 8000), sodass die gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe von Programminhalten nicht länger ein Hindernis darstellen. Mit zwei CI-Plus-Slots lassen sich das aufgenommene Programm und das parallel laufende decodieren, allerdings ist weder bei den Tunern noch bei den Smartcards ein Mix möglich: DVB-C- und DVB-S-Tuner lassen sich ebenso wenig gleichzeitig betreiben wie zwei Smartcards für unterschiedliche Pay-TV-Anbieter. Dafür gestatten die neuen Fernseher die Aufnahme von kopiergeschütztem Material (innerhalb eines Zeitfensters) und das Streaming von Inhalten (z.B. Sky-Programme) im Netzwerk über die Serverfunktion an andere Fernseher ohne TV-Anschluss. Passend zum neuen Tunerkonzept führt TP Vision die Bild-in-Bild-Darstellung ein, bei der zwei Quellen bzw. Programminhalte gleichzeitig wiedergegeben werden können.

Die neue Fernbedienung verfügt nun über ein Mikrofon und der Fernseher kann auch über Sprache gesteuert werden; rückseitig findet sich wie gewohnt die Tastatur wieder.

Bild: Auerbach Verlag

Android-Premiere:


Erstmals kommt in Flachbildfernsehern das Betriebssystem Android zum Einsatz, wenngleich nur ab den Oberklassemodellen der neuen 8000er-Serie. TP Vision rechtfertigt diesen Schritt mit der komplexen Integration in die bestehende TV-Infrastruktur: Neben der bereits etablierten Smart-TV-Plattform läuft Android parallel und das Betriebssystem greift auf eigene Quad-Core-Chipsätze zurück, um eine schnelle und ruckelfreie Darstellung zu garantieren. Das Gezeigte macht bereits Lust auf mehr: Wie von Tablets und Smartphones gewohnt, springen Sie in Windeseile zwischen Anwendungen hin und her oder starten Spiele des Google-Stores, die auch bei aufwändigerer 3D-Grafik flüssig dargestellt werden. Alle Apps des Google-Stores sind nach dem Herunterladen im Offlinemodus verfügbar, allerdings ist der interne Speicherplatz der 8000er-TVs auf knapp 2,7 Gigabyte begrenzt und dieser Speicher kann aus Kopierschutzgründen nicht erweitertet werden.
 
Zum Start der neuen 8000er-Serie will TP Vision bereits mit vorab installierten Spielen punkten. Diese werden neben der Zeigerfunktion der Fernbedienung und der neuen Gestensteuerung am besten mit einem Gamepad gesteuert. Um Verwirrung beim Einsatz der Apps zu vermeiden, wird TP Vision bestehende Apps, wie die Videotelefonie Skype, nur im eigenen Smart-TV-Menü und nicht im Goolge-Android-Menü zum Herunterladen anbieten, zugleich sorgt Google für eine Vorabselektion, sodass nur TV-optimierte Apps heruntergeladen werden können. Als Android-Betriebssystem kommt die Version 4.4.2 ("Jelly Bean") zum Einsatz, ob die Android-Software wie bei Smartphones kontinuierlich auf den neuesten Stand gebracht werden kann, konnte TP Vision noch nicht endgültig zusichern.

Philips TVs 2014

Die 7500er Serie kommt mit einem kabellosen Subwoofer daher. Allen 3D-Fernsehern liegen jetzt übrigens Brillen bei.
Bild: Auerbach Verlag
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