Groebel: "TV-Sender wie Faxgeräte" ist Blödsinn

12.05.2015, 12:18 Uhr, th

Netflix-CEO Reed Hastings poltert gern gegen das bisherige, lineare Fernsehangebot und sieht sogar die Primetime um 20.15 Uhr in Deutschland schon bald als Vergangenheit an. Prof. Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts, schätzt den deutschen Fernsehmarkt anders ein.


Erstmalig nach den Äußerungen von Netflix-CEO Reed Hastings meldet sich der Direktor des Deutschen Digital Insituts, Prof. Jo Groebel, gegenüber der DF-Schwesterpublikation DIGITAL INSIDER zu Wort und wird deutlich, wie er die jüngsten Äußerungen von Netflix einordnet, die das bisherige Fernsehangebot in Deutschland auf dem Rückzug sehen wollen.


"Natürlich muss ein Netflix-CEO so argumentieren. Ja, neue Schwerpunkte und teils neue Funktionen wird es geben. Aber als Gesamtszenario gilt noch lange: 'TV-Sender wie Faxgeräte' ist Blödsinn", so Groebel gegenüber dem DIGITAL INSIDER.
 
Es sei nicht mal für die USA zutreffend, geschweige denn in Europa, fährt Groebel fort: TV-Sender definierten sich immer noch als Hersteller und Verbreiter professionell und aufwändig gemachten Synchronfernsehens. Dazu gehörten die Profis, Gate-Keeper, Redaktionen. Das gelte für Nachrichten, Information und Dokumentation. Das gelte weiterhin für Großereignisse, zum Beispiel beim Sport. Das gelte auch für Parallelfernsehen, diskriminierend auch 'Bügel-TV' genannt.
 
Es gelte zudem für ritualisiertes Gemeinschaftsfernsehen, zum Beispiel beim "Tatort" mit Riesenquoten. Es gelte außerdem für Überraschungsfernsehen, zum Beispiel bei Magazinen, bei denen man die einzelnen Beiträge vorher gar nicht kennt. Es gelte schließlich für die Funktion des TV, öffentliche Themen zu setzen, die im Netz und in anderen Medien auch zeitgleich, Stichwort 'Second Screen', aufgegriffen würden.
 
Der Direktor des Deutschen Digital Instituts kommt vor diesem Hintergrund zu der Erkenntnis: "Sorry, Netflix, bei allem Respekt vor Euren Produktionen, all das schafft ihr noch (lange) nicht."
 
Allerdings sieht Groebel, dass sich noch mehr TV auch bei herkömmlichen Inhalten aufs Web verlagern wird. "Der Zuschauer wird halt flexibler in seinen Nutzungsgewohnheiten" resümmiert Prof. Groebel abschließend im Gespräch mit DIGITAL INSIDER.
 
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