Hintergrund • LCD-Technik: IPS vs. VA

Blickwinkelabhängigkeit bei LED-LCDs

 erstellt am 31.01.2013 von Christian Trozinski
Flachbildfernseher mit LCD-Technik oder sogenannte "LED-TVs" liefern ein überzeugendes Bild, aber längst nicht aus allen Blickwinkeln. Meist genießt nur eine einzige Person die beste Kontrast- und Farbdarstellung, während auf seitlichen Sitzplätzen der gute Bildeindruck schwindet. Sind LCD-Fernseher damit nur für Singlehaushalte die richtige Wahl?
 
 

Blickt man zurück auf die Weiterentwicklung der Fernsehertechnik im Wohnzimmer, stellt man einen großen Wandel fest. So waren Röhrenfernseher zwar weder praktisch noch energiesparend, doch sorgte die Bilderzeugung der Röhrentechnik dafür, dass auf allen Sitzplätzen ein vergleichbarer Bildeindruck entstand. Mit der Plasmatechnik, die ebenfalls für einen breiten Blickwinkel ausgelegt ist, sollte die HDTV-Ära im Wohnzimmer ausgelebt werden, doch stattdessen gaben die Konsumenten rund um den Globus vorrangig der LCD-Technik den Zuschlag. Diese feierte ihren Einstand im Computersegment. Hier trumpften LC-Displays durch hohe Auflösungen und besonders brillante, flimmerfreie Bilder auf und kauften der Röhrentechnik schnell den Schneid ab.
 
Nach dem Siegeszug im Büro eroberte die LCD-Technik auch das Wohnzimmer, doch ein Problem erkannten viele Konsumenten erst, wenn der Röhrenfernseher im Wohnzimmer ausgemustert wurde und an gleicher Stelle der LCD-Fernseher seinen Platz fand: Der Blickwinkel ist meist eingeschränkt und Farben, Helligkeit sowie Kontraste schwinden bei seitlicher Betrachtung. Was im Büro kein Problem darstellt, wird gerade im Wohnzimmer schnell zum Ärgernis, denn im Familienkreis erleben nur wenige Zuschauer den optimalen Bildeindruck. Doch warum ändert sich die Bildcharakteristik überhaupt zum Schlechteren, obwohl die Hersteller mit Blickwinkeln von 170 Grad und mehr werben?

Werbung kontra Praxis


Das Kriterium Blickwinkel wird von Herstellerseite oft nur stiefmütterlich behandelt, kein Wunder, unterschlägt die Werbung "Blickwinkel von 170 Grad und mehr" doch, dass die Angabe ein miserables Kontrastverhältnis zulässt, d. h. der Bildeindruck massiv schlechter ausfallen kann als bei einer frontalen Betrachtung. Eine verpflichtende Herstellerangabe, wonach die Bildqualität vergleichbar zur frontalen Betrachtung ausfallen muss, existiert nicht, was die Angabe letztendlich zum reinen Marketinginstrument werden lässt. Um die Unterschiede bei der Blickwinkelabhängigkeit zu verstehen, muss man ins Innere der LCD-Fernseher blicken.
 
Die namensgebenden Flüssigkristalle (Liquid Crystals) sind, wie der Name bereits andeutet, weder flüssig noch kristallin, sondern können eher als zähflüssige Masse mit kristallinen Eigenschaften angesehen werden. Einfallendes polarisiertes Licht wird je nach Drehung der Flüssigkristalle unterschiedlich geleitet und über eine angelegte Spannung kann deren Lage nahezu stufenlos manipuliert werden, um unterschiedliche Helligkeitsstufen zu erzeugen. Ein passiver RGB-Farbfilter sorgt anschließend dafür, dass die Bilder nicht farblos erscheinen. Licht wird bei LCDs immer durch eine separate Lichtquelle erzeugt, in aktuellen Modellen sind dies Leuchtdioden (LEDs), die meist indirekt von der Bildseite Richtung Bildmitte strahlen. Eine lichtverteilende Schicht (z. B. eine Folie) sorgt dafür, dass die Helligkeit über die gesamte Bildfläche möglichst homogen erscheint.

Lichtschleuse


Um einen Bildpunkt hell oder dunkel erscheinen zu lassen, benötigt ein LCD-Fernseher Lichtventile, die die Lichtwellen abblocken oder hindurchlassen. Möglich macht dies die Kombination aus Flüssigkristall- und Polarisationsschichten. Damit sich das Licht nicht ungerichtet in alle Richtungen verteilt, sorgt die erste Polarisationsschicht für eine einheitliche Abstrahlung. Wird eine LC-Zelle ausgeschaltet, verändern die Lichtwellen ihre Polarisation nicht. Da der zweite Polarisationsfilter allerdings um 90 Grad im Vergleich zum Ersten verdreht ist, werden die Lichtwellen am Austritt gehindert und der Bildpunkt erscheint Schwarz. Liegt Spannung an, richten sich die Flüssigkristalle neu aus und die Lichtwellen werden gedreht, weshalb der zweite Polarisationsfilter passiert werden kann - der Bildpunkt erscheint hell.
 
Damit unterscheidet sich die LCD-Technik maßgeblich von einem Röhren-, Plasma- oder OLED-Fernseher, die auf Basis selbstleuchtender Bildpunkte arbeiten. Flüssigkristalle in LCD-Fernsehern können als Lichtschleusen angesehen werden und jeder Bildpunkt ist ein Lichtkanal. Das Problem: Nur wenn Sie exakt senkrecht auf die Bildfl äche blicken, nehmen Sie das Optimum an Helligkeit, Kontrast und Farbdarstellung wahr. Sitzen Sie hingegen wenige Zentimeter seitlich der mittleren Sitzposition, verändert sich die Bildcharakteristik: Das Bild wird dunkler, Schwarz hellt sich meist auf und die Farben wirken kühler. Je nach verwendeter LCD-Technik ist dieses Problem mehr oder weniger deutlich erkennbar.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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