"Polizeiruf 110": von Meuffels kämpft mit eigenem Versagen

17.01.2016, 11:50 Uhr, Britta Schultejans/fs

Zerreißprobe für "Polizeiruf"-Kommissar von Meuffels: Der Mörder eines kleinen Mädchens sitzt seit Jahren in Haft, doch als er sich das Leben nimmt, kommt die Frage auf, ob er die Tat wirklich begangen hat. Hat Kommissar von Meuffels damals versagt?

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Baumann (Karl Markovics, rechts) will Meuffels (Matthias Brandt) von seiner Schuld überzeugen
Bild: BR/Wiedemann & Berg Television & Co. KG/Philipp Haberlandt


Es dürfte der Alptraum eines jeden Ermittlers sein: Der Mann, den man hinter Gittern gebracht hat, könnte unschuldig sein. Mit diesem wahrgewordenen Alptraum muss sich Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) im neuen Münchner "Polizeiruf 110" an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten auseinandersetzen. Die Episode "Und vergib uns unsere Schuld" dürfte einer der schwierigsten Fälle für den Ermittler überhaupt sein. Denn er stellt vor allem die Frage nach dem eigenen Versagen, der eigenen Schuld.
 
Zu Beginn des Filmes erhängt sich der junge Tim Haffling (Sebastian Griegel) in seiner Gefängniszelle zu den glockenhellen Klängen von Heintjes "Ich bau Dir ein Schloss", das danach für jeden Zuschauer seine Unschuld verloren haben dürfte. Haffling, ein dicklicher, etwas langsamer junger Mann, war vor Jahren in einem Indizienprozess für den Mord an dem jungen Mädchen Miriam Springer (Lola Dockhorn) verurteilt worden. Schließlich galt er als ihr Stalker. Von der Leiche des Mädchens fehlte jedoch jede Spur.


Direkt nach dem Selbstmord Hafflings taucht ein völlig aufgelöster Jens Baumann (Karl Markovics) in von Meuffels Büro auf und behauptet, er habe die 16-Jährige damals getötet - und nicht der dafür verurteilte Tim.
 
Von Meuffels glaubt ihm nicht - wohl auch, weil er den Gedanken, damals einen so schwerwiegenden Fehler gemacht zu haben, nicht zulassen kann - und schickt ihn davon. Doch Baumann lässt nicht locker und langsam aber sicher wachsen auch beim Kommissar die Zweifel, dass damals wirklich der wahre Täter ins Gefängnis ging.
 
Baumann lechzt nach Strafe, nach Sühne, nach Vergebung ("Und vergib uns unsere Schuld"). Er gibt an, zu wissen, wo die Leiche des Mädchens liegt und nennt Details zu dem Fall, die er nicht aus der Presse kennen kann. Von Meuffels entscheidet sich schließlich, den Fall neu aufzurollen - wohl wissend, dass auch ihm persönlich damit ein schmerzhafter Gang bevorsteht. "Schauen Sie in den Spiegel, Herr Meuffels", schreit die verzweifelte Mutter des mutmaßlichen Mörders Tim ihn an, die stets an die Unschuld ihres Sohnes geglaubt hat. Von Meuffels betrinkt sich und kotzt in ein Feld.
 
Der neue "Polizeiruf 110" ist weniger ein packender Krimi als viel mehr ein spannendes, psychologisches Kammerspiel, in dem nicht nur der Fall an sich, sondern auch die Frage, wie von Meuffels damit umgehen kann, im Mittelpunkt steht. Bis zuletzt bleiben Zweifel an der Schuld Baumanns - und damit auch an der Schuld von Meuffels. Dieser ungewöhnliche und stark gespielte Krimi macht es den Zuschauern - auch dank des unerwarteten Endes - nicht leicht.

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