TV-Rechte der Champions League weiterhin umstritten

27.03.2019, 10:56 Uhr, red

Der Wirbel um die TV-Rechte für die UEFA Champions League hat im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt. Nach der enttäuschenden ersten Pay-TV-Saison kommt daher nun die Debatte erneut ins Rollen. Es stehen viele Fragen rund um die Zukunft der Champions League und ihrer TV- Übertragungen im Raum.


Für all jene, die den Streit um die TV-Rechte im vergangenen Jahr nicht verfolgt haben, folgt hier ein kleiner Rückblick: Früher wurde die Champions League zumindest teilweise im Free-TV übertragen, doch nach und nach sicherte sich der Pay-TV-Anbieter Sky zahlreiche Rechte. Diese Mischung aus Übertragungen im Pay-TV und einzelnen Spielen der deutschen Mannschaften zusätzlich im ZDF, wurde über Jahre hinweg gut von den Zuschauern angenommen und lief somit erfolgreich. Bei den verhandlungen zu den TV-Rechten in der Saison 2018/2019 ging das ZDF angesichts der hohen Kosten jedoch leer aus. Stattdessen wurden sie an Sky sowie das Livestreaming-Portal DAZN vergeben. 
 
Sky und DAZN teilen sich die CL-Lizenzen
Die Lizenzvergabe schloss somit das Free-TV aus und brachte zudem einen weiteren Anbieter ins Spiel, weil sich der Pay-TV-Anbieter Sky nicht alle Rechte exklusiv sichern konnte. Stattdessen teilt er sich nun die Übertragung der Spiele mit DAZN über ein sogenanntes „Picking-System“. Die Online-Plattform DAZN war bis zu diesem Zeitpunkt noch weitestgehend unbekannt. Sie wurde im Jahr 2016 von der Perform Group gelauncht und gilt durch den Erwerb zahlreicher Rechte, wie eben jener für die Champions League, mittlerweile als der größte deutsche Sport-Streamingdienst. Der kostenpflichtige Dienst wird von den Abonnenten pro Monat bezahlt. Aktuell liegen die Kosten bei 9,99 Euro pro Monat.
 
Somit ist es hierzulande mittlerweile nicht mehr möglich, Champions League Spiele kostenlos im Free-TV zu sehen. Da sich die beiden Anbieter die Übertragungsrechte teilen, müssten Fans, die möglichst alle Spiel sehen möchten, also auch für beide Anbieter bezahlen. Genau dieser Umstand scheint nun der Grund für enttäuschende Zuschauerzahlen bei den vergangenen CL-Spielen zu sein. 
 
Champions League bleibt hinter Erwartungen zurück
Eigentlich war die Saison mit gleich vier deutschen Mannschaften im Rennen äußerst vielversprechend gestartet. Neben dem Traditionsverein FC Bayern München konnte sich auch die TSG Hoffenheim, der FC Schalke 04 sowie Borussia Dortmund sich für die Vorrunde qualifizieren, so dass sich Sky und DAZN auf hohe Zuschauerzahlen einstellten. Doch mit den ersten Spielen kam die Ernüchterung: Die Einschaltquoten stürzten um weit mehr als 80 Prozent gegenüber der Übertragung im Free-TV ab. Offenbar ließen sich viel weniger Fans dazu bewegen, für die internationalen Fußballspiele zu bezahlen, als angenommen.


In Zahlen bedeutet das über 6,7 Millionen weniger Zuschauer vor den Bildschirmen an den Spieltagen am Mittwoch. Auffallend war zudem ein erneuter Rückgang nach Ablauf der kostenfreien Testzeiträume der beiden Anbieter. Nur wenige Fans waren tatsächlich bereit, Geld für die CL-Spiele in die Hand zu nehmen. Angesichts der Kosten für die Lizenzen in Höhe von 600 Millionen Euro bis zum Ende der Saison 2020/21 bleibt die Frage offen, ob die Champions League für Sky und DAZN zum Minusgeschäft werden könnte.
 
Champions League büßt an Beliebtheit ein
Leidtragend sind im Endeffekt aber nicht nur Sky, DAZN und natürlich die Zuschauer, sondern auch die UEFA und ihre Champions League selbst. Das Image der „Königsklasse“ hat durch die aufgeteilten Übertragungsrechte stark gelitten. Die Fans sprechen von einer Entfremdung beziehungsweise zunehmenden Entfernung des Wettkampfes von der Zielgruppe. Der Verzicht auf die Abonnements und somit auch auf die Übertragungen der Spiele ist für viele Betroffene eine Art stiller Protest in der Hoffnung, dass die Situation bessert und die Champions League eines Tages wieder ins Free-TV zurückkehrt.
 
Sky feilt weiter am Übertragungsmodell 
Der Pay-TV-Anbieter Sky sieht die Problematik allerdings nicht nur in den Kosten oder der Verstimmung der Fans. Stattdessen sollen die enttäuschenden Zahlen durch einige Maßnahmen wie die Aufsplittung der Spiele auf zwei verschiedene Anstoßzeiten pro Tag gesteigert werden. Kleine Erfolge konnten so jedenfalls erzielt werden und Sky verzeichnete bei den vergangenen Dienstags- und Mittwochsspielen immerhin ein Reichweitenplus von 28 Prozent. 1,26 Millionen Zuschauer hätten zudem die Highlights der CL-Spiele ab Mitternacht im Free-TV-Ableger „Sky Sport News HD“ verfolgt, so die eigene Aussage. DAZN hält sich deutlich bedeckter, was die Zahlen sowie Einschaltquoten angeht. Auch hier dürfte die Realität aber weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein.
 
Die Frage nach dem Warum ist dabei eigentlich gar nicht so schwierig zu beantworten: Zwar mögen auch Faktoren wie die Übertragungszeiten eine Rolle spielen, doch in erster Linie machen sich die beiden Lizenznehmer gegenseitig Konkurrenz. Nicht nur, dass die Fans eine deutlich geringere Bereitschaft haben, für die Übertragung der Champions League zu bezahlen als erwartet – wenn überhaupt, bezahlen sie nur für einen der beiden Dienste. Die Fußballfans also zwingen zu wollen, nicht nur ein, sondern gleich zwei kostenpflichtige Abonnements abzuschließen, hat bislang nicht funktioniert.
 
Der gescheiterte Plan einer spannenden CL-Saison
Sowohl Sky und DAZN wollen weiter an ihren Konzepten feilen, um nach und nach wieder mehr Zuschauer zu gewinnen. Dabei hofften sie vor allem auf Spiele der deutschen Mannschaften in der spannenden KO-Phase als Zuschauermagneten, welche zunehmend auch für die Fans sowie wettfreudigen Zuschauer interessant gewesen wären. Das Aus aller deutscher Mannschaften vor dem Viertelfinale hat diesem Plan allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun liegt die Hoffnung spätestens auf der nächsten Saison und darauf, dass es eine deutsche Mannschaft bis ins Finale schafft. Denn je wichtiger das Spiel, desto mehr Fans werden es verfolgen – Kosten hin oder her. 
 
Champions League kehrt vorerst nicht ins Free-TV zurück
Ob auch diese Denkweise keinen erneuten Irrtum darstellen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso ist abzuwarten, ob und wann die Champions League ins Free-TV zurückkehrt. Erst im Februar hat Bayern-Vorstand Rummenigge öffentlich die Lizenzvergabe bemängelt und damit die Debatte erneut ins Rollen gebracht: Ziel sei es, die Champions League wieder ins Free-TV zu bringen, forderte er. Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, allen voran ARD und ZDF, halten das allerdings in absehbarer Zukunft nicht für realistisch. Zu teuer seien die Lizenzen, so die Begründung des Ausscheidens der Free-TV-Anbieter aus den Verhandlungen. Mithalten konnte lediglich der private Free-TV-Sender RTL, der sich zumindest die Rechte an 15 Spielen der Europa League sichern konnte.
 
Trotz der enttäuschenden Zahlen der CL-Übertragungen im Pay-TV ist nicht zu erwarten, dass die Kosten für die TV-Rechte erheblich sinken werden. Das Budget der Öffentlich-Rechtlichen ist aber begrenzt und das Nachjagen von Quoten widerspricht ihrem eigentlichen Bildungsauftrag. Somit wird es hier wohl vorerst keine Spiele der Champions League mehr zu sehen geben. Die Hoffnungen der Fans sowie Verfechter der CL im Free-TV liegen nun auf privaten Sendern wie RTL. Möglich wäre das aber frühestens ab der Saison 2021/2022. Bis dahin könnten sich die Quoten von Sky und DAZN noch erholen – und somit auch der Wert der Lizenzen wieder steigen.

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