Unitymedia schaltet NDR analog ab - NDR reagiert dünnhäutig

27.08.2013, 11:25 Uhr, ps

Interessante Entwicklung im Kabelstreit: Nachdem der Netzbetreiber Unitymedia angekündigt hat, den NDR nicht mehr länger analog in seinen Kabelnetze in NRW zu verbreiten, reagiert die Rundfunkanstalt überraschend dünnhäutig. Dabei hatte die ARD in der Vergangenheit stets betont, keinen Wert mehr auf eine analoge Kabelverbreitung zu legen.


Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) soll ab dem kommenden Montag (2. September) nicht mehr länger analog in den Netzen des Kabelnetzbetreibers Unitymedia in Nordrhein-Westfalen verbreitet werden. Wie der NDR am Dienstag bekannt gab, sei dieser von der Unitymedia NRW GmbH über diese Entscheidung informiert worden. Hintergrund für die Einstellung der analogen Kabelverbreitung soll dabei der Streit um die Zahlung der Einspeise-Entgelte sein.


So haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter ARD und ZDF zum Jahresbeginn 2013 die Zahlung von Einspeiseentgelten für die Verbreitung ihrer Programme in die Netze der großen Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW und Kabel Deutschland eingestellt. Beide Netzbetreiber fordern jedoch weiterhin Entgelte für die Kabelverbreitung der öffentlich-rechtlichen Programme. In NRW kommt nun hinzu, dass die dortige Landeszentrale für Medien (LfM) die Must-Carry-Regelungen für den NDR als analogen Kanal eingestellt hatte, weshalb die Netzbetreiber nicht mehr verpflichtet sind, den Sender auch analog zu verbreiten. Erst durch diese Regelung ist es Unitymedia Kabel BW möglich, eine analoge Abschaltung des NDR überhaupt vorzunehmen.
 
Reagierten die ARD-Anstalten in der Vergangenheit stets mit demonstrativer Gelassenheit auf Drohungen der Kabelnetzbetreiber, einzelne Programme, die nicht von den Must-Carry-Regelungen gedeckt sind, im Zuge des Kabelstreits aus ihren Netzen zu werfen, so erscheint die Reaktion des NDR im aktuellen Falle eher dünnhäutig. Der Stellvertretender NDR Intendant Arno Beyer kündigte an, die Entscheidung der LfM zur Aufhebung der Must-Carry-Bestimmungen für den NDR in NRW nicht ohne weiteres hinnehmen zu wollen: "Diese Entscheidung lassen wir gerichtlich überprüfen."
 
Auch betonte Beyer, dass viele Zuschauer nicht mit einer analogen Abschaltung des NDR einverstanden seien. "Die angekündigte Ausspeisung des NDR Fernsehens aus dem analogen Kabel geht vielen Zuschauerinnen und Zuschauern in NRW gegen den Strich. Das NDR Fernsehen ist in diesem Bundesland nach dem WDR Fernsehen das beliebteste dritte Programm", so der stellvertretenden Intendant. Unitymedia sollte deshalb im Interesse der eigenen Kunden handeln und den NDR weiter analog verbreiten. Betroffen von der analogen Abschaltung sollen etwa 30 Prozent der Kabelhaushalte in NRW sein.
 
Die Reaktion des NDR überrascht vor allem insofern, als dass die ARD in der Vergangenheit stets betont hatte, keinen großen Wert mehr auf eine weitere analoge Verbreitung ihrer Programme zu legen. Auch im Kabelstreit spielte dies bislang durchaus eine Rolle (DF berichtete). So argumentierte die ARD, dass seit dem Auslaufen der Einspeiseverträge zum 31. Dezember 2012 für eine Reanalogisierung der Programme durch die Netzbetreiber gegenüber den Veranstaltern keinerlei Verpflichtung mehr bestünde. Dieser Argumentation folgend, würden die Netzbetreiber die Reanalogisierung ganz allein im Sinne der eigenen Kunden weiterbetreiben - wodurch wiederum erwiesen sei, dass die ARD-Programme erheblich zur Attraktivität des Kabelangebots bei der Vermarktung an den Endkunden beitragen. Vor diesem Hintergrund sei eine Forderung nach der Zahlung von Einspeiseentgelten nicht haltbar.
 
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