Hintergrund • Werbefrei, nein danke?

Kirchhof-Gutachten: Werbeverbot bei ARD und ZDF

 erstellt am 07.06.2010 von Marc Hankmann
Das Kirchhof-Gutachten ist nicht nur ein 85 Seiten starkes Plädoyer für die Aufgabe der gerätebezogenen Rundfunkgebühr, es ebnet auch den Weg für ein Werbeverbot bei ARD und ZDF. Doch was wäre eine Regelung in Deutschland ohne Ausnahmen? So sieht auch das Kirchhof- Gutachten eine vor: den Sport im öffentlich- rechtlichen Rundfunk. Dabei geht es weniger um Werbung als vielmehr um das Sponsoring.

Hintergrund ist, dass gerade viele der sogenannten A-Rechte, also Rechte an der Übertragung solcher Großereignisse wie den Olympischen Spielen oder Fußballwelt- und -europameisterschaften, an bestimmte Sponsoring-Vorgaben gekoppelt sind. ARD und ZDF befürchten nun, bei einem Werbe- und Sponsoring-Verbot für solche Rechte nicht mehr bieten zu können.

Streitpunkt Sponsoring

Sollte es zu einem Werbe- und Sponsoring-Verbot für Übertragungen von Großereignissen kommen, könnten weitreichende Folgen für ARD und ZDF resultieren
Bild: Auerbach Verlag

Auf dem Sports Media Summit Anfang Mai in Düsseldorf erklärte Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), dass nicht die Trikot- oder Bandenwerbung im Mittelpunkt stünde.
 
"Es geht uns um das Sponsoring, das ARD und ZDF rund um die Sportübertragungen verkauft", sagte Doetz auf der Veranstaltung. Er bezifferte die Sponsoring-Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender auf rund 60 Millionen Euro, kritisierte aber auch gleichzeitig, dass es hierzu keine klaren Zahlen gäbe.
 
Carl-Eugen Eberle, Justiziar des ZDF und auf dem Summit der Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, ließ sich auch nicht dazu hinreißen, die Summe von 60 Millionen Euro zu kommentieren. Er sprach lediglich von Werbeeinnahmen in Höhe von 450 Millionen Euro. "Wir werden Probleme bekommen, attraktive Sportrechte zu erhalten, wenn wir kein Sponsoring mehr anbieten dürfen", vertrat Eberle die Position der Öffentlich- Rechtlichen.
 
Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), gab zu bedenken, dass das Werbeverbot in Frankreich nicht dazu geführt habe, dass die Ausgaben der Werbetreibenden ins Privatfernsehen abgewandert seien, worauf die deutschen Privatsender allem Anschein nach hoffen würden. Vesper fürchtet, dass sich ARD und ZDF noch mehr auf die TV-attraktiven Sportarten konzentrieren, wenn keine Werbung mehr gezeigt werden dürfe. Er wünschte sich mehr Sport auf den Digitalkanälen von ARD und ZDF.

Sportkanäle


Doetz hingegen kritisierte das Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen, die ihre digitalen Zusatzkanäle während der Olympischen Spiele in Sportkanäle umwandeln würden. "Sie verschieben den Sport auf die Digitalkanäle, um den Privaten den Sport vorzuenthalten", sagte Doetz auf dem Sports Media Summit.
 
Die Entscheidung pro oder kontra Werbung bzw. Sponsoring liegt allerdings bei den Ministerpräsidenten, die das Thema für ihre Konferenz am 9. Juni 2010 auf der Agenda stehen haben. Eine Entscheidung muss bis spätestens 2013 fallen, denn dann soll es einen neuen Rundfunkgebührenstaatsvertrag geben.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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