ZDF-Chef Schächter: "HD Plus ist Dreistigkeit"

12.10.2010, 08:53 Uhr, mw

Im Vorfeld zu den Münchener Medientagen, die am Mittwoch beginnen, hat ZDF-Intendant Markus Schächter schon mal seine Geschütze in Stellung gebracht. Die HD-Plus-Plattform bekommt dabei ebenso ihr Fett weg wie Apple, Google und Co.


Schächter sagte in einem Interview mit dem Branchendienst "DWDL", die ständigen Wehklagen der kommerziellen Medien, auf Veranstaltungen wie den Medientagen, gingen ihm auf die Nerven. Die Klage über angebliche Wettbewerbsverzerrungen durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stünden im diametralen Gegensatz zu den stolzen Gewinnmitteilungen der dahinter stehenden Konzerne.


Für den ZDF-Chef sind dagegen andere Themen wichtig: Die größte Bedrohung sieht Schächter im Internet und speziell bei Anbietern wie Google und Apple. "In den USA zeigen Google-TV und Apple-TV wohin die Reise geht. Suchmaschinen und Vertriebsplattformen saugen jeden Content auf, ganz egal von wem er stammt – Zeitungen, Verlage, Sender, Produzenten." Die heutigen Hersteller und Verbreiter publizistischer und kultureller Inhalte verlören die Hoheit über ihre Produkte, wenn sie nicht sehr genau aufpassten, warnt der TV-Manager.


Die Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern, immer mehr Geld zu verschlingen, lässt Schächter nicht gelten. "Die letzten Gebührenanpassungen lagen stets unter der allgemeinen Inflation. Neue Herausforderungen wie die Entwicklung der Digitalkanäle stemmen wir aus vorhandenen Mitteln", so Schächter. Sein Sender biete für knapp fünf Euro monatlich ein vielfältiges und hochwertiges Programm rund um die Uhr, dazu drei Digitalkanäle, Online, Teletext und nicht zu vergessen 3 Sat, Arte, Phoenix und den Kika.

Er wundere sich, dass sich "kein Mensch darüber aufregt, dass die Privatsender mal eben fünf Euro für das ganz normale Programm in HD-Qualität kassieren wollen." Es sei eine Dreistigkeit, dem Publikum dafür ein Abonnement aufzudrücken. Das Privatfernsehen werde vor allem durch Werbung finanziert. Die Zeche zahle also jeder, wenn er etwa Produkte des täglichen Lebens kaufe. "Mit der neuen Maut-Stelle wird die im europäischen Vergleich ohnehin rückständige Digitalisierung in Deutschland weiter abgebremst", ist sich Schächter sicher.

Eine Erfolgsgeschichte im digitalen Bereich sieht Schächter dagegen beim eigenen Angebot ZDF Neo. Hier sei mit überschaubarem Mitteleinsatz eine spürbare Akzeptanzsteigerung erfolgt. Das Problem des neuen Senders Das Problem liege eher in der noch begrenzten Reichweite von nur etwas mehr als 40 Prozent der Haushalte. Zum Vorwurf, interessante Serien wie "Mad Men" im Minderheitensender ZDF Neo auszustrahlen und nicht im ZDF Hauptprogramm sagte Schächer: "Warum soll ich ein exquisites Programm für ein kleines Publikum im Hauptprogramm abstürzen lassen, wenn ich eine geeignete Plattform dafür habe?"

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