Tele Columbus führt Gespräche zu weiteren Übernahmen

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Während der FRK-Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Labonte auf seinem Kabelkongress in der letzten Woche kleinere Kabelbetreiber beschwor, nicht zu verkaufen, soll er Gerüchten zufolge für die von ihm vermarkteten 50000 Wohneinheiten seit Wochen bereits Verkaufsgespräche mit dem drittgrößten Netzbetreiber Tele Columbus geführt haben.

Das alles klingt schon sehr schizophren. Heinz-Peter Labonte, ein nicht immer unumstrittener Kabelpionier aus Klein-Winternheim in der Nähe von Mainz und gleichzeitig Vorsitzender des FRK-Kabelverbands, hat erst in der letzten Woche auf seinem Kabelkongress in Leipzig dafür geworben, als kleiner Kabelnetzbetreiber nicht an die drei großen Netzbetreiber zu verkaufen.
 
Wie Insider berichten, soll Labonte aber bereits seit Wochen mit Tele Columbus über den Verkauf seiner eigenen Bestände verhandeln. Eine Anfrage der DF-Schwesterpublikation DIGITAL INSIDER beantwortete Labonte im Sommer noch, dass es solche Gerüchte seit Jahren gegeben habe und diese von interessierter Seite gestreut würden. Er bedauere, an dieser Stelle enttäuschen zu müssen. Seine Aussagen wirkten damit auch auf dem FRK-Kabelkongress glaubhaft – so, als habe sich in seiner Haltung zu dem Thema nichts verändert.

Stattdessen sollen Mitarbeiter in den letzten Tagen hinter vorgehaltener Hand gesagt haben, dass Labonte in Gesprächen mit ihnen schon konkrete Verkaufsabsichten und Verkaufsverhandlungen in den letzten Wochen geäußert habe. Verkaufsgespräche sollen demnach mit Tele Columbus unter anderem in den letzten Monaten in Berlin geführt worden sein. Wie viel für die rund 50000 Wohneinheiten in der aktuellen Marktlage gezahlt wird, sei bislang noch offen, heißt es aus Expertenkreisen zu den Gerüchten.

Nicht alle haben mitbekommen, was Heinz-Peter Labonte auf dem Kabelkongress forderte und wie krass der Widerspruch sein muss, dann zuvor schon selbst mit dem drittgrößten Netzbetreiber verhandelt zu haben, wenn die Gerüchte denn stimmen sollten, da diese Veranstaltung jenseits der öffentlichen Wahrnehmung stattfand. Es war schlicht kaum einer aus der Kabelbranche vor Ort. Von über 350 Plätzen waren in manchem Saal nicht mal 50 Plätze belegt. Eine Pleite auf der ganzen Linie für Heinz-Peter Labonte und seine PR-Agentur Fuchs Consult.
 
Ob unter diesen Voraussetzungen Tele Columbus einen weiteren FRK-Kongress 2016 noch durch Präsenz und Geld unterstützen wird, bleibt vor diesem Hintergrund nun mehr als fraglich. „Tele Columbus und Primacom sind Mitglied im FRK und an Kooperationen im Kabelmarkt interessiert. Über die Form der Beteiligung am Kongress werden wir – wie auch in der Vergangenheit – von Jahr zu Jahr entscheiden“, so ein Tele Columbus Sprecher gegenüber diesem Dienst.

DI fragte beim Netzbetreiber in Berlin nach, ob die Gerüchte zu Verhandlungen mit Labonte über 50000 Wohneinheiten stimmen könnten. Tele Columbus gibt sich jedoch noch zurückhaltend zu möglichen Übernahmen: „Wir haben schon in den vergangenen zwei Jahren klar geäußert, dass Tele Columbus als starke Nummer drei im deutschen Kabelmarkt der natürliche Treiber der Konsolidierung ist. Dementsprechend hat Tele Columbus in den vergangenen Monaten mehrere Netzbestände übernommen und führt laufend Gespräche über mögliche Erweiterungen“, gibt der Tele-Columbus-Sprecher gegenüber DI weiter Auskunft. Spekulationen über mögliche Gesprächspartner oder Netzbestände könnte man grundsätzlich nicht kommentieren, bat er jedoch um Verständnis.
 
Unterdessen geht die Integration der erworbenen Unternehmen bei Tele Columbus weiter und damit wohl auch personelle Veränderungen: „Nach dem erfolgreichen Zusammenschluss arbeitet das Management von Tele Columbus und Primacom derzeit an der Integration der Unternehmen und in diesem Zug auch an der künftigen Organisationsstruktur. Konkrete Ergebnisse aus diesem Prozess werden wir selbstverständlich aktiv bekannt geben, sobald diese feststehen“, äußert der Sprecher von Tele Columbus vorsichtig auf die Frage der DF-Schwesterpublikation DIGITAL INSIDER, warum denn noch nicht bekannt geben wurde, dass Primacom-Geschäftsführungsmitglied Joachim Grendel die Tele-Columbus-Gruppe verlassen wird. Auch das besagten Gerüchte von Insidern in den letzten Tagen.
 
Fest steht, dass die Konsolidierung im Kabel weiter geht und auch Veränderungen personeller Art mit sich bringen wird. Zu welchem Preis dann wer wen wann übernimmt, wird für die Kabelkunden gar nicht mehr so interessant sein. Interessanter wird hingegen für die Kunden sein, welche technischen Möglichkeiten, welche Preisstruktur und welches Angebot der dann übrig gebliebene Netzbetreiber ihnen künftig anbieten kann. Das jedoch können Experten heute für die nahe Zukunft auch nur mutmaßen. [th]

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3 Kommentare im Forum

  1. Wettbewerb gibt es so oder so nicht im Kabel. Der Kunde muss das System akzeptieren, das der Netzbetreiber ihm bietet. Wird dieser verkauft, müssen neue Gegebenheiten akzeptiert werden. Alternative wäre nur (wer von Mieterseite her darf oder kann) auf IPTV, auf SAT oder demnächst DVB-T 2 zu wechseln.
  2. TC soll lieber mal die noch 3 fehlenden HD Öffis im Kabel für die lieben zahlenden Künden freischalten als nur auf Heuschrecken-Kurs zu gehen !
  3. AW: Tele Columbus führt Gespräche zu weiteren Übernahmen Mit 50 000 WE von Labonte kann TC aber wieder ein paar Pünktchen für die Stabilität der Aktie einholen. Eine Meldung, das nun endlich flächenwirksam die drei fehlenden öffentlich rechtlichen Sender in HD eingespeist werden bringt für die Aktie nichts und Kundenfreundlichkeit hat heutzutage nur einen kleinen Stellenwert.
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