Kieler „Tatort“ macht Frauen-Alpträume wahr

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Ein Fremder, der heimlich in Wohnungen eindringt und sich an den intimen Besitztümern der nichts ahnenden Bewohnerinnen labt. Was für die meisten Frauen ein wahrer Alptraum ist, wird im neuen Kieler „Tatort“ „Borowski und der stille Gast“ zur Realität. Denn die Kommissare bekommen es mit einem waschechten Psychopaten zu tun.

Der Kieler „Tatort“-Beitrag „Borowski und der stille Gast“ ist nichts für allein stehende Frauen mit schwachen Nerven. Denn ein Psychopath (Lars Eidinger) geht um in der Fördestadt – gelangt mit Nachschlüsseln in das Zuhause schwarzhaariger Schönheiten, weidet sich an ihrer Atmosphäre, schnuppert an ihrer Kleidung, putzt sich die Zähne mit ihrer Bürste. Spuren hinterlässt er keine.
 
Der einsame junge Mann schickt den Frauen Märchenbücher und will sie gar nicht umbringen – eigentlich. Und doch kommt es zu brutalen Morden, die das Team um Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ratlos machen. Dann gerät die Polizistin im ARD-Krimi „Borowski und der stille Gast“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ins Visier des Täters.
 
Der deutsche Hollywood-Regisseur Christian Alvart („Case 39“, „Borowski und der coole Hund“) hat einen Krimi der Extra-Klasse geschaffen – stark in Inszenierung und Darstellung, hochspannend und so verunsichernd, dass man schon mal seine Wohnungstür von innen verriegeln möchte. Autor Sascha Arango, zum vierten Mal am „Tatort“ („Borowski und die Frau am Fenster“) dabei, schrieb das Buch: wieder keinen klassischen „Whodunit“, sondern eine Geschichte, bei der die Zuschauer den Täter kennen. Intensiv begleitet man seine perversen Handlungen, erlebt seinen Charakter – und bangt darum, was der Gestörte als Nächstes tun wird. Das wirkt ungleich grauenvoller.

Zumal der Berliner Theaterstar Eidinger, der mit dem Film „Was bleibt“ aktuell im Kino ist, diesen unscheinbaren Postboten bei sparsamster Gestik und Mimik derart eindringlich und nuancenreich verkörpert. Alles beginnt mit einem nächtlichen Notruf bei der Polizei. „Er ist wieder in meiner Wohnung. Er kommt einfach durch die Wand“, flüstert eine angstverfüllte Stimme. Dann ein Schrei – und Carmen Kessler ist tot.
 
Als Nächste heimgesucht wird die Prostituierte Roswitha (Peri Baumeister), die mit ihrem kleinen Sohn im Plattenbau haust. Angesichts dieses Elends und seiner persönlichen ungelösten Konflikte kriegt Borowski die Krise: Als sich auch noch sein Chef Schladitz (Thomas Kügel) bei ihm einquartieren will, dreht er durch und knallt die Pfanne mit den Frühlingsrollen an die Wand.
 
Denn außer den Morden gibt es noch weitere existenzielle Probleme bei den Kielern, die „Borowski und der stille Gast“ zu einer Art „film noir“ geraten lassen. So stellt sich heraus, dass Sarah Brandt Epileptikerin ist. Die behauptet, ihre Krankheit im Griff zu haben, aber ihr Chef muss ihr die Leviten lesen. „Sie dürfen keine Waffe tragen. Sie sollten noch nicht einmal Auto fahren. Sie sind arbeitsunfähig“, legt Borowski der jungen Frau nahe, den Dienst zu quittieren, der doch ihr Lebensinhalt ist.
 
Fast wie eine Erlösung wirkt da der Gnadenschuss, den der gebeutelte Ermittler seinem alten braunen VW Passat geben darf. Als der auf einer Landstraße mal wieder muckt, knallt er ihn ab wie im Western. Beim Dreh hatte sich Milberg allerdings durch echtes Mündungsfeuer so am Auge verletzt, dass er ins Krankenhaus musste.

[Ulrike Cordes/fm]

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16 Kommentare im Forum

  1. AW: Kieler "Tatort" macht Frauen-Alpträume wahr Das hört sich ja endlich mal wieder richtig gut an ! Nach der Tatort Sommerpause gab es ja nur Schweizer die kein Deutsch sprechen und sich nicht synchronisieren können, dann durchgeknallte Soldaten als Mörder / Drogenschmugler schrecklich frankkl
  2. AW: Kieler "Tatort" macht Frauen-Alpträume wahr Axel Milberg als Klaus Borowski - ja das tue ich mir heute auch an.
  3. AW: Kieler "Tatort" macht Frauen-Alpträume wahr naja war ja zum Teil recht dick aufgetragen, der Böse legt eine "Sprengfalle" wie ich es mal nennen will, bricht mal so einfach ins Polizeipräsidium ein in dem es genau eine Zelle gibt, natürlich entwischt der Bösewicht auch noch spektakulär am Ende... also richtig gut war nix an diesem Tatort
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