„Tatort“: Was alles geschah – Bilanz der TV-Saison 2011/2012

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Wenn die Schweizer „Tatort“-Ermittler ihren Fall am Pfingstmontag gelöst haben, müssen Fans der ARD-Krimiserie tapfer sein, denn das Format verabschiedet sich in die Sommerpause. Erst im Herbst geht es mit neuen Folgen weiter. Die Pause haben sich die Kommissare aber auch redlich verdient, denn in der TV-Saison 2011/2012 haben sie wieder alles gegeben.

Die zu Ende gehende Saison bei Deutschlands beliebtester Krimireihe war ereignisreich. An 33 Abenden flimmerte in den vergangenen neun Monaten ein neuer „Tatort“ über Millionen Bildschirme. An diesem Montag (20.15 Uhr) läuft in der ARD der letzte neue Krimi vor der Sommerpause, die bis August geht. Es wird der zweite Fall des Luzerner Kommissars Reto Flückiger (Stefan Gubser). Der Schweizer „Tatort“ ist die Nummer 34 und der letzte vor der Sommerpause.

Die Spitzenquote holte – wie gehabt – ein „Tatort“ aus Münster. Den Film „Hinkebein“ vom 11. März sahen 11,84 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 30,7 Prozent entsprach. Als skurril und geradezu wahnsinnig nahmen viele den hessischen „Tatort: Das Dorf“ vom 4. Dezember wahr, in dem Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) halluzinierte und die Kessler-Zwillinge irre tanzten.

Mit mindestens 15 Toten war der Wiener „Tatort: Kein Entkommen“ (mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser) vom 5. Februar der „leichenreichste“ in der mehr als 41-jährigen Geschichte der Krimireihe. Das hat die Fanseite „tatort-fundus.de“ errechnet. Zuvor hielt der Bremer „Tatort: Abschaum“ von 2004 den Rekord (14 Tote).

Gesprächsthema bei Millionen Deutschen waren auch wieder einige Ereignisse rund um die Krimireihe. Ab 2013 soll es zum Beispiel 19 Ermittlerteams geben. So viele wie nie zuvor. Das freut Fans, betrübt aber auch einige, weil immer mehr Ermittler nur einmal im Jahr zum Zuge kommen.

In Thüringen geht ein neues Team für den MDR an den Start. Wer, wo, wie: noch unklar. Der Sender hat ein Experiment gewagt, indem er den neuen Krimi bis Mitte Mai öffentlich ausschrieb.

Ein weiteres neues Team dreht derzeit in Dortmund seinen ersten Fall. Oberkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) sowie die Kollegen Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) markieren nach der Duisburger Schimanski-Ära eine Rückkehr in den Ruhrpott und sind dann das dritte WDR-Team, neben Münster und Köln.

Ausgetauscht werden die Teams in Hamburg und Saarbrücken, weshalb es in dieser Saison mehrere Finale gab. Aufsehenerregend war in erster Linie Hamburg. Dort wurde der Antritt von Til Schweiger nach monatelangen Spekulationen offiziell am 3. Dezember verkündet. Ab September wird er seinen ersten Fall drehen. Einmal im Jahr soll es einen Krimi mit dem Kinostar geben. Innerhalb kurzer Zeit hat es Schweiger geschafft, viele (auch prominente) „Tatort“-Fans gegen sich aufzubringen, weil er Ende März bei einer Preisverleihung bekannte, den traditionsreichen Vorspann nicht zu mögen: „Dämlich“ und „outdated“ sei der.

Sozusagen für Schweiger gestorben ist in seinem sechsten Fall Kriminalhauptkommissar Cenk Batu (Mehmet Kurtulus). Ausgerechnet beim dramatischen Finale am 6. Mai gab es eine Tonpanne: Man sah den von Kugeln durchlöcherten Batu, hörte aber plötzlich die Stimme von ARD-Journalist Jörg Schönenborn aus dem Schleswig-Holstein-Wahlstudio („Ja, machste zwei 1:30, Lutz macht das immer“).

Ebenfalls suboptimal lief der Abschied von Hauptkommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Kommissar Stefan Deininger (Gregor Weber). Sie machten am 22. Januar nach sieben Fällen Schluss. Die Schauspieler schieden in Unfrieden vom Saarländischen Rundfunk (SR). Ihr Finale, den Psychothriller-Krimi „Verschleppt“, verfolgten immerhin gut 9,3 Millionen Menschen. Ob die Nachfolger – Devid Striesow und Elisabeth Brück – auch so hohe Quoten schaffen? Die Dreharbeiten zu ihrem ersten Fall sollen jedenfalls im Juli beginnen.

Gut angenommen wurden diese Saison mehrere Experimente bei der alten Reihe: Zu Ostern (Sonntag und Montag) lieferten MDR und WDR eine Doppelfolge mit den Leipziger und Kölner Ermittlern. Zurzeit dreht der NDR mit der Schauspielerin Maria Furtwängler (also seiner Hauptkommissarin Charlotte Lindholm aus Hannover) ebenfalls eine Doppelfolge, die im Herbst an zwei Sonntagen gezeigt werden soll.
 
Damit wird das Konzept des nach 90 Minuten abgeschlossenen Falls immer öfter gebrochen. Bei Ermittlerin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) rätselten Mitte Mai nach dem Krimi „Der Wald steht schwarz und schweiget“ noch Tausende Zuschauer bei einem Online-Spiel weiter.

Gut etabliert hat sich inzwischen das Frankfurter Team Nina Kunzendorf und Joachim Król, deren beiden letzten Fälle – „Es ist böse“ und „Der Tote im Nachtzug“ – auf authentischen Fällen aus dem Buch „Auf der Spur des Bösen“ des Profilers Axel Petermann beruhten. Auch der kommende hr-Krimi mit den beiden soll wieder eine solche Story schildern. [Gregor Tholl/fm]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: "Tatort": Was alles geschah - Bilanz der TV-Saison 2011/2012 ... Sommerpause für den Tatort?! Hab' ich wirklich so ein schlechtes Erinnerungsvermögen? ... wäre ja ein guter Zeitpunkt um die "experimentellen" Tatorte zu versenden ...
  2. AW: "Tatort": Was alles geschah - Bilanz der TV-Saison 2011/2012 Habe nur ich das Gefühl, die Sommerpause kommt von Jahr zu Jahr früher?Gerecht wäre ja für den GEZ Zahler, das er auch eine Sommer (Zahl) Pause einlegen kann.Das wäre doch wohl mehr als gerecht,oder?
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