Zeitung: 120 000 HDTV-Boxen in Österreich – Euphorie kühlt ab

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Salzburg – Experten beklagen bei Salzburger Medientag die schleppende Einführung von hoch auflösendem Fernsehen – Konsumenten sehen wenig Nutzen, Programmanbieter fürchten steigende Kosten.

„In Wahrheit ist das Ganze nur ein Rüstungswettlauf“, sagt Andreas Kunigk von der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR. Gemeint ist die Einführung hoch auflösender Fernsehbilder (High Definition Television, HDTV) mit bis zu zwei Millionen statt der bisherigen 400 000 Bildpunkte. Darüber schreibt der österreichische „Standard“ (Onlineausgabe). Nach Darstellung des Blattes befürchten Programmanbieter höhere Kosten, Konsumenten fragten sich nach dem Nutzen – die anfängliche Euphorie für HDTV ist mittlerweile stark abgekühlt, dies zeige sich auch am Salzburger Medientag am 12. September.
 
Schätzungen zufolge stünden in Österreichs Haushalten bereits etwa eine Million HD-fähige Fernseher, die Zahl der entsprechenden Receiver liegt deutlich niedriger: Beim Österreichischen Rundfunk (ORF) geht man von etwa 120 000 solcher Boxen aus, sagt Günter Pateisky von der technischen Direktion – Antennen-, Kabel- und Satellitenfernseh-Haushalte zusammengerechnet, dem Blatt.
 
Umfragen zufolge haben etwa 55 Prozent der Österreicher bereits von HDTV gehört, berichtet Kunigk – nur etwa die Hälfte dieser 55 Prozent wissen aber, dass sie auch einen Receiver brauchen, um hoch auflösende Bilder empfangen zu können. „Man muss sich beeilen, um die Konsumenten noch zu erreichen“, zitiert der Standard Kunigk. Die sähen nämlich kaum einen Nutzen in HD-Receivern, solange abseits des Bezahlfernsehens kaum Programm in High Definition ausgestrahlt werde.
 
Bei einem Großteil des heutigen Fernsehprogramms stelle sich ohnehin die Frage, was eine höhere Bildqualität bringen soll, sagt Kunigk: „Kerner, Karlich und Co. werden dadurch auch nicht schöner. Bei diesen Inhalten kommt es nicht wirklich auf ein Top-Bild an.“ Der Nutzen sei auch aus Sicht der Programmanbieter fragwürdig: „Die Werbewirtschaft wird für eine Spot-Ausstrahlung in HD keinen Cent mehr bezahlen.“
 
„Ins selbe Horn stößt Herbert Stranzinger vom Kabelnetzbetreiber Salzburg AG, der seit Juni auch HDTV via Kabel anbietet: ‚Die Kunden sind überfordert.‘ Es reiche eben nicht, nur einen HD-fähigen Fernseher und einen entsprechenden Receiver zu haben, es brauche auch ein spezielles Kabel – und am Ende komme dann doch fast ausschließlich herkömmliches Programm heraus, weil kaum in HD gesendet werde. Österreichs Kabelnetzbetreiber hätten zwischen drei und maximal fünf HD-Sender im Programmangebot, von denen mindestens zwei verschlüsselt seien. Bei den Kunden beschränke sich das Interesse an HDTV fast ausschließlich auf das Segment technikinteressierter Männer zwischen 45 und 65 Jahren“, schreibt der Standard.
 
Nach Angaben des Blattes will der ORF dennoch nach den Erfahrungen bei der Fußball-Europameisterschaft im Juni verstärkt auf HD setzen, sagt Günter Pateisky: Die Technik soll für ausgewählte Eigenproduktionen eingesetzt werden, und auch bei Übernahmen will man am Küniglberg nach Möglichkeit HD bevorzugen. Die Kosten seien durchaus verkraftbar, meint Pateisky: Die Tour de France habe etwa in HD pro Tag um 2000 Euro mehr gekostet, das sei „nicht die Welt“. [mg]

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20 Kommentare im Forum

  1. AW: Zeitung: 120 000 HDTV-Boxen in Österreich - Euphorie kühlt ab 120000 HD Receiver halte ich für Österreich schon relativ für viel für die kurze Zeit , seit es jetzt ORF1 HD gibt. Das Land ist halt fortschrittlich und die Macher beim ORF sollten sich nicht beirren lassen Bei uns bringen die ÖR außer ein bisschen Showcase nichts auf die Reihe!
  2. AW: Zeitung: 120 000 HDTV-Boxen in Österreich - Euphorie kühlt ab Zwischen arte HD und ORF1 HD is ja wohl ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht!
  3. AW: Zeitung: 120 000 HDTV-Boxen in Österreich - Euphorie kühlt ab Außerdem ist arte ein Deutsch-Französisches Gemeinschaftsprojekt. Von selbst wäre die ARD wohl nicht damit gekommen. Wenn ich mir das Programm von ORF1 und arte so anschaue brauch ich glaub ich nicht großartig rumzuraten, was die breite Masse wohl mehr interessiert.
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