Der Anfang vom Ende? Continental kauft Kathrein-Filetstück

30.10.2018, 09:05 Uhr, dpa/bey

Der Reifenhersteller Continental übernimmt die Kathrein Automotive GmbH. Der Rosenheimer Antennenspezialist befindet sich seit geraumer Zeit in finanzieller Schieflage.


Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental übernimmt einen Spezialisten zur Herstellung von Fahrzeugantennen. Das Unternehmen trägt damit der Entwicklung hin zu einer zunehmenden Vernetzung von Autos Rechnung. Der Kaufvertrag für die Kathrein Automotive GmbH, eine Tochter der Kathrein SE, sei unterzeichnet, teilte Continental am Montag mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.


Voraussichtlich im ersten Quartal 2019 solle das Unternehmen Teil von Continental werden - nach der kartellrechtlichen Prüfung, hieß es. Kathrein Automotive beschäftigt den Angaben zufolge mehr als 1.000 Mitarbeiter in Brasilien, China, Deutschland, Mexiko, Portugal und den USA.

"Ohne Antennen keine Vernetzung", sagte Conti-Vorstand Helmut Matschi. Leistungsfähige und intelligente Antennen seien eine "Schlüsseltechnologie". Fahrzeuge seien heute bereits mit zahlreichen Antennen ausgestattet - über Funkschlüssel und Navigation bis hin zur drahtlosen Kommunikation. Im Zuge der Vernetzung und angesichts neuer Technologien wie des schnellen 5G-Mobilfunknetzes werde der Bedarf weiter steigen.

Die Branche steckt in einem tiefgreifenden Wandel hin zu E-Mobilität und Digitalisierung. Vernetzung gilt auch als eine Voraussetzung für das automatisierte Fahren. Vorstandschef Elmar Degenhart hatte unlängst angekündigt, dass der Konzern sein Geschäft jenseits der Autobranche stärken wolle. Ein besonderes Augenmerk liege auf Software und anderen interessanten Technologien. Der Dax-Konzern aus Hannover hatte Ende August zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate seine Geschäftsprognose für 2018 reduziert.

Um Kathrein steht es wahrscheinlich sogar noch etwas schlechter. Sonst würde man wahrscheinlich nicht ein Kernstück seines Portfolios veräußern. Im Frühjahr war erstmals über die finanzielle Schieflage beim Rosenheimer Antennenspezialisten berichtet worden (DF-Artikel vom Mai diesen Jahres).

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