RBB-Intendantin bringt Schließung von ARD-Digitalkanal ins Spiel

02.04.2012, 12:54 Uhr, ar/Esteban Engel

Sparkurs durch die Hintertür: Die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Dagmar Reim, hat sich überraschend für den Verzicht auf einen ARD-Digitalkanal ausgesprochen und unterstützt damit einen medienpolitischen Vorstoß des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck.


Während sich Eins Extra mit seinem künftig unter dem Label Tagesschau 24 laufenden Nachrichtenangebot gut positioniert habe, reichten die Mittel nicht aus, um Eins Festival und Eins Plus "sehr gut aufzustellen", erklärte Reim in einem Gespräch mit der Branchenzeitschrift "Promedia" (April-Ausgabe). "Also wäre es besser, nur einen weiteren Kanal zu profilieren", sagte die 60-Jährige.
 
Die ARD-Intendanten sollten möglichst bald festschreiben, "was wir mit unseren Digitalkanälen wollen, dort agieren, statt reagieren". Bei allen Diskussionen müsse der Senderverbund das Erste Programm als Hauptauftrag nicht aus den Augen verlieren. "Dort müssen wir geschickt Anknüpfungspunkte für ein jüngeres Publikum schaffen". Die Dritten Programme sollten dabei "Innovationsmotoren" sein. "Was im Dritten funktioniert, ist irgendwann exportfähig fürs Erste".


Neben SPD-Politiker Beck, der seit 1994 der Rundfunkkomission der Länder vorsitzt, hatten sich zuletzt auch Medienpolitiker der Union für einen Abbau der Digitalkanäle ausgesprochen. Der Versuch, die Spartensender ohne zusätzliche Kosten zu etablieren, sei offenbar fehlgeschlagen, hatte der sächsische Staatskanzlei-Chef, Johannes Beermann (CDU), erklärt. Sein rheinland-pfälzischer Kollege Martin Stadelmaier (SPD) hatte ein ARD-Jugendprogramm gefordert. Im Gegenzug sollten Eins Festival und Eins Extra aufgegeben werden.
 
Die ARD hatte bisher argumentiert, die laufenden Kosten der Digitalangebote würden durch interne Umschichtungen finanziert. Beim ZDF will man von entsprechenden Einschränkungen hingegen nichts wissen und zuletzt auch einen ähnlich lautenden Appell von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zurückgewiesen (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). 

  • Gefällt mir