Drei Atombomben für Borna: „MDR Zeitreise“ zeigt Geheimpapiere

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die Redaktion „MDR Zeitreise“ ist einer Spur nachgegangen, die sich mit Atomkriegsszenarien des Kalten Kriegs befasst – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Atombomben auf Borna, Bautzen, Leipzig, Dresden, Weimar, Erfurt und Magdeburg? Das klingt unglaublich. Der MDR präsentiert gemeinsam mit dem Historiker Matthias Uhl in seinem Reportage-Format „Zeitreise“ ein bisher geheimes amerikanisches Atomkriegs-Szenarium aus dem Jahr 1956.

258 DDR-Ortschaften sind im Visier der Amerikaner gewesen – die meisten Angriffsziele liegen in Mitteldeutschland. Allein drei Atombomben waren für eine Kleinstadt wie Borna vorgesehen – 48 für Magdeburg, 46 für Dresden. Hunderte Weitere für Erfurt, Leipzig, Weimar, Bautzen, Bitterfeld, Zeitz und Zittau.

So steht es im geheimen Planungspapier des Strategischen Luftkommandos der USA aus dem Jahre 1956. Mit ihm spielten die US-Militärstrategen den Ernstfall durch.

Nach über 60 Jahren unter Verschluss, hat jetzt der Historiker Matthias Uhl das Dokument für das Magazin „MDR Zeitreise“ ausgewertet. „Man muss davon ausgehen, dass über der DDR innerhalb kürzester Zeit 400 bis 500 Nuklearwaffen gezündet worden wären und vom DDR-Territorium im Prinzip nicht mehr viel übrig geblieben wäre, außer einer einzigen strahlenden Trümmerhalde“, so der Wissenschaftler. Die Top Secret Papiere belegen, wie gnadenlos die Planer ihren Job machten.

In „Atomschlachtfeld Deutschland“ nimmt Moderatorin Janett Eger am 28. April, um 22.25 Uhr, im MDR-Fernsehen, die Zuschauer mit auf eine „Zeitreise“ zurück in heiße Phasen des Kalten Krieges und den Atomkriegs-Szenarien der Zeit. [jk]

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14 Kommentare im Forum

  1. Es hätte mich auch sehr gewundert, wenn die Amis keine Raketen auf den Osten gerichtet hätten. Die Sowjets haben ja auch Ihre Raketen auf westdeutsche Städte ausgerichtet. Ergo : im Falle eines Falles wäre ganz Deutschland und nicht nur dieses nur noch ein strahlender Trümmerhaufen gewesen.
  2. Auf Westdeutschland waren aber mehr amerikanische Atombomben ausgerichtet, als russische. Es ging ja darum den Vormarsch der Ostblock-Panzer zu stoppen, und da musste jede Menge Infrastruktur zerstört werden, vor allem Brücken und Strassen. Es gab im ZDF mal eine Doku über den kalten Krieg, und da gab es eine Karte mit roten und blauen Punkten in Westdeutschland. Die blauen Punkte standen für Ziele nuklearer Sprengköpfe der Nato, und die roten standen für Ziele nuklearer Sprengköpfe der Sowjetunion, die blauen Punkte waren deutlich mehr! Ein ehemaliger russischer General brachte das Thema auf den Punkt. Russland wollte Europa erobern, aber natürlich die Arbeitskraft dieser wirtschaftlich hochinteressanten Region erhalten. Die Amerikaner hatten das Prinzip der verbrannten Erde, sie wollten sicherstellen, dass den Russen nichts brauchbares in die Hände fällt, falls sie sich zurückziehen müssen. Also im Zweifelsfalle alles zerstören. Da kann sich jetzt jeder selber überlegen was ihm lieber gewesen wäre, für die Russen zu arbeiten, oder für die Amerikaner zu verbrennen oder verstrahlt zu werden.
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