Die Sache mit LG OLED TVs und VRR Gaming

1
10762
© LG
Anzeige

Das Internet ist dafür bekannt, dass eine Meldung oder Meinung erscheint und andere ohne Hintergrundwissen darauf aufbauend unqualifizierte Äußerungen tätigen, als wäre es das Ende der Welt. So nun auch beim scheinbar riesigen Problem, das alle aktuellen OLEDs von LG betrifft.

Die Ausgangslage vereinfacht dargestellt: Die Pixelansteuerung eines digitalen Displays folgt einem festgelegten optimierten Schema und je weniger Zeit für eine Displayansteuerung bleibt und je dynamischer die Signalverarbeitung erfolgt, desto problematischer ist es, die bestmögliche Qualität bei der Displayansteuerung beizubehalten. Nun unterliegen wir einem strengen Embargo und können noch nicht über die Xbox Series X und das Zusammenspiel mit LG OLEDs berichten, aber wir können zumindest garantieren, dass die Signalweiterleitung über das mitgelieferte HDMI-Kabel und die Signalverarbeitung in 4K 120 Hz HDR mit VRR problemlos klappt.

Was wir nach unseren Tests ebenfalls bestätigen können: Es gibt bislang keine echte Alternative zu LG OLEDs, wenn der bestmögliche HDR-Kontrast im Spielmodus, die bestmögliche Bewegtbildschärfe mit 4K 120 Hz HDMI Quellen und sämtliche neue HDMI 2.1 Features zum Start der neuen Konsolengeneration umgesetzt werden sollen – selbst im Computer-Display-Segment findet man nichts Gleichwertiges, wenn zusätzlich Bildgröße und Preis eine Rolle spielen.

Zur realistischen Einordnung: Sämtliche LED-LCD-TVs, die ebenfalls Variable Refresh Rate (VRR) unterstützen, zeigen im Spielmodus eine sichtbar schlechtere Bildqualität als beispielsweise im Filmmodus, da die LED-Backlight-Ansteuerung limitierter erfolgt (weil die Zeit im reaktionsschnellen Spielmodus für eine optimale Backlight-Ansteuerung nicht mehr vorhanden ist). Zudem zeigen diese LED-LCDs mit VRR-Verbindung größere Abweichungen im Verhältnis zum idealen Normwert als LG OLEDs. Stellt sich also die Frage, über was wir bei einem VRR-Problem mit LG OLEDs überhaupt sprechen? Das oftmals genannte Hauptproblem, dass sich der HDR-Helligkeitsverlauf mit VRR bei den aktuellen OLEDs ändert, ist in unseren Augen überhaupt kein Problem, und selbst wenn wir die Messwerte mit und ohne VRR gegenüberstellen, sehen wir darin kein Manko, das die Wiedergabequalität stark negativ beeinträchtigt.

Was passiert mit VRR (Variable Refresh Rate)?

Die ersten Stufen nahe Tiefschwarz werden bei einer VRR-Verbindung etwas heller dargestellt als ohne VRR, allerdings ist diese Aufhellung alles andere als groß. Zum Vergleich: Sie können mit HDR-Videospielsignalen die Schwarzstufen entweder manuell im Systemmenü der Konsole kalibrieren oder in vielen Spielen unabhängig von einer globalen Einstellung. Sobald Sie diese Regler auch nur um einen Punkt variieren, erzeugen Sie größere Abweichungen, als es ein aktueller LG OLED mit oder ohne VRR zeigt. Beispiel 2: Nutzen Sie den HGiG-Abgleich des TVs oder die dynamische HDR-Nachbearbeitung, erzeugen Sie ebenfalls größere Abweichungen im Vergleich zum „VRR-Problem“. Beispiel 3: Nutzen Sie Dolby Vision mit Filmen und Serien, erzeugt der Modus Dolby Vision hell oder der Lichtsensorabgleich (Dolby Vision IQ) größere Abweichungen, als ein Vergleich zwischen VRR und Nicht-VRR. Wir wagen an dieser Stelle zu bezweifeln, dass man Spiele im stockdunklen Raum spielen wird, sodass eine minimal stärkere Aufhellung nahe Tiefschwarz im normalen Wohnzimmer in unseren Augen sogar der bessere Kompromiss darstellt, um HDR-Details überhaupt noch erkennen zu können – selbst Dolby scheint diese Meinung zu vertreten, sonst würde es Dolby Vision IQ nicht geben.

Entwickler nutzen LG OLED TVs

Lange Rede, kurzer Sinn: Von einem VRR-Problem zu sprechen, ist in unseren Augen maßlos übertrieben. Doch was ist mit aufblitzenden dunklen Flächen, die einige Nutzer ebenfalls bei einer VRR-Verbindung ausmachen? Diese stehen in keinem exklusiven Zusammenhang mit einer VRR-Verbindung, denn wir können solche Effekte auch mit 24p-Filmquellen im Filmmodus provozieren, falls die OLED-Panelansteuerung nicht perfekt arbeitet.

Sind aktuelle LG OLEDs perfekt? Nein, kein TV-Gerät ist perfekt und es ist legitim, innerhalb eines Testberichts auf die Stärken und Schwächen hinzuweisen. Was uns aber unverhältnismäßig erscheint, ist die Art und Weise, wie aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Microsofts Entwickler nutzen aktuelle LG OLEDs für die Xbox Series X und dies nicht, weil die TVs perfekt sind, sondern weil es sich um die aktuell beste TV-Lösung handelt, um 4K 120 Hz HDR VRR Signale mit HDMI 2.1 Quellen im Spielmodus darzustellen.

Wird es 2021 noch bessere Lösungen geben? Aber sicher! Mindert dies die Qualität, den Spielspaß und die Möglichkeiten, die man mit aktuellen LG OLEDs und der neuen Konsolengeneration schon 2020 haben kann? Keinesfalls!

Christian Trozinski, Chefredakteur HDTV

Bildquelle:

  • lgoled: LG

0 Kommentare im Forum

Alle Kommentare 0 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum