Angst vor Premier League: FC Bayern fordert mehr TV-Geld

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Der FC Bayern gehört zu den reichsten Clubs der Bundesliga, doch das ist ihm nicht genug. Aus Angst vor der finanziellen Kaufkraft der Premier League fordert der Club die DFL nun dazu auf, künstlich mehr Wettbewerb zu erzeugen, um mehr Geld aus den TV-Rechten zu holen.

Die reichen Bayern rufen nach mehr Geld. Karl-Heinz Rummenigge schlüpfte auf der harmonischen Jahreshauptversammlung des deutschen Fußball-Rekordmeisters in die Rolle der Abteilung Attacke, die beim FC Bayern früher Uli Hoeneß als Frontmann ausfüllte. Der Vorstandsvorsitzende übermittelte aus München eine klare Botschaft des Branchenführers an die Führung der Bundesliga. „Ich gehe nah ans Mikrofon ran, damit es in Frankfurt auch gehört wird: Ich fordere die Deutsche Fußball Liga eindringlich auf, einen Wettbewerb auf dem Markt für die Übertragungsrechte von Livespielen der Fußball-Bundesliga zu kreieren“, rief Rummenigge in den Saal.

Auch wenn sich der national sowohl sportlich als auch finanziell übermächtige Rekordchampion bei der Versammlung am Freitagabend im Glanz eines Rekordgewinns von 23,8 Millionen Euro sonnen konnte und der Umsatz in der vergangenen Meistersaison erneut über einer halben Milliarde Euro lag (523,7 Millionen), gehen die Macher von der Säbener Straße beim Thema TV-Vermarktung in die Offensive.
 
„Wir erleben seit einigen Jahren die vielleicht beste Zeit des FC Bayern in seiner 115-jährigen Geschichte“, verkündete Rummenigge den Mitgliedern einerseits stolz. Die Zukunft aber malte der 60-Jährige düster, zumindest dann, wenn es der Bundesliga besonders im Wettbewerb mit der englischen Premier League nicht gelingen sollte, einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben.
 
„Ich sage voraus: Die Gehaltssteigerungen und die Ablösesummen, die auch in die Luft schießen, werden bis in die 3. Liga in Deutschland wahrgenommen werden“, mahnte Rummenigge. Seine Forderung vor der DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt ist unmissverständlich: „Wir brauchen mehr Geld, nicht nur Bayern München, die gesamte Bundesliga braucht mehr Geld!“
 
Der einflussreiche Liga-Krösus möchte die Solidargemeinschaft im deutschen Profifußball nicht aufkündigen, aber „nur unter einer Conditio“, wie der Bayern-Chef sagte: „Dass die DFL dafür Sorge trägt, dass die deutschen Topclubs in Europa wettbewerbsfähig sein können und vor allem bleiben. Wir haben uns in den letzten Jahren Großes aufgebaut. Und das werden wir nicht so einfach aufgeben!“
 
Über neun Milliarden Euro nähmen die englischen Clubs in den kommenden drei Spielzeiten ein, berichtete Rummenigge. Die Premier League profitiert dabei von einem wahnwitzigen Wettbewerb der Pay-TV-Anbieter auf der Insel, zudem ist sie weltweit als TV-Programm begehrt. Nur einen Bruchteil kassieren die deutschen Proficlubs.
 
„Unsere Spieler erhalten schon jetzt dramatisch gute Angebote“, berichtete Rummenigge über Lockrufe aus England. Angestrebte Vertragsverlängerungen mit Weltmeistern wie Thomas Müller, Manuel Neuer und Jérôme Boateng werden für den FC Bayern noch mal teurer. Auch Trainer Pep Guardiola, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, könnte in England bessere Zukunftsperspektiven für sich sehen.
 
Den umgarnten Trainer erwähnte Rummenigge in seiner Rede nicht explizit, sondern erst später auf Nachfrage der Reporter. „Wir wissen schon um den Wert von Pep Guardiola an dem großartigen Erfolg, den wir in den letzten Jahren haben feiern dürfen. Er trägt den Namen Pep Guardiola“, bemerkte der Bayern-Chef zu möglichen Irritationen.
 
„Die Mannschaft des FC Bayern hat ihren Preis, einen sehr hohen Preis“, berichtete Rummenigge den Mitgliedern. Mit 227,3 Millionen Euro wurde der Personalaufwand der FC Bayern München AG beziffert; die Trainer- und Spielergehälter machen den Löwenanteil aus.
 
Bei den Haupteinnahmequellen Spielbetrieb (137,6 Millionen), Sponsoring (113,9 Millionen) und Merchandising (101,7 Millionen) stößt der Verein an Grenzen. In der TV-Vermarktung (58,3 Millionen) sehen die Bayern-Bosse Reserven. In naher Zukunft werde Deutschlands Nummer 1 in einem Ranking der TV-Einnahmen auf Platz 26 in Europa abstürzen, mahnte Rummenigge und drohte: „Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren!“[Klaus Bergmann/fs]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

9 Kommentare im Forum

  1. Er nun wieder. Der Kerl geht mir auf den Sack. Wo soll das Geld denn herkommen? Gibt es bald einen Bundesliga-Soli für bedürftige Bundesliga Klubs?
  2. Das traurige an der Sache ist, die TV Sender zahlen das auch noch. Letztendlich ist das Geld doch nicht für die Spieler. Der großteil der Mehreinahmen sacken die höheren Personen im Team nur ein. Ich seh schon, wenn Sky noch teurer wird nur weil die Bundesliga mehr kostet. Die Leute sind doch jetzt schon nicht bereit das volle Angebot zu bezahlen und Sky muss über alle Pakete die Bundesliga querfinanzieren.
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