ARD-Produktionstochter Degeto wirft Geschäftsführer Jurgan raus

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die kommerzielle ARD-Produktionstochter Degeto hat die Konsequenzen aus der undurchsichtigen Situation bei der Vergabe externen Produktionsaufträge und der Überziehung von Budgets gezogen und Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan mit sofortiger Wirkung abberufen.

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Die Prüfung der Geschäftsabläufe durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die WDR-Revision habe gravierende organisatorische Mängel ergeben, die in der Verantwortung von Jurgan gelegen hätten, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Außerdem sei man zu dem Ergebnis gelangt, dass der Manager seine Berichts- und Informationspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat verletzt habe.
 
Für den Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung sei deshalb „das notwendige Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben“, hieß es in der Mitteilung. Neben der sofortigen Abberufung habe die Gesellschafterversammlung auch arbeitsrechtliche Prüfungen beschlossen. Die KPMG soll nach ihrem jetzigen Zwischenbericht ihre Prüfungen fortsetzen.
 
Zur neuen Vorsitzenden des Degeto-Aufsichtsrats wurde am Dienstag RBB-Intendantin Dagmar Reim gewählt. Das Gremium hat unter ihrer Leitung eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Strukturen der Degeto überprüfen soll.

Bei der Produktionstochter Degeto waren die Budgets offenbar bis ins Jahr 2013 vergeben worden, wodurch das Unternehmen nahezu handlungsunfähig wurde (DIGITAL FERNSEHEN berichtete). Die ARD muss bis zum Jahresende mit einem Darlehen in Höhe von kolportierten 24 Millionen Euro finanzielle Lücken schließen. Eine Kommission unter dem Vorsitz des HR-Intendanten Helmut Reitze hatte in den letzten Wochen unter anderem geprüft, wie viele Alleingänge Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan verantwortete. 
 
Auffällig oft wurden laut Medienberichten von Jurgan Produktionsfirmen wie Ziegler Film, aber auch die zu Karl Spiehs österreichischem Firmenimperium zählenden Mona, Lisa und Tivoli Film beauftragt. Jurgan und der nebenamtliche Degeto-Geschäftsführer Volker Herres wollten sich vor Abschluss des Prüfverfahrens nicht zu den Verdachtsmomenten äußern. 
 
Die Degeto, an der die ARD-Landesrundfunkanstalten und ihre Werbetöchter beteiligt sind, gibt nicht nur Produktionen in Auftrag, sie finanziert auch Kino-Koproduktionen und kauft Spielfilme aus dem Ausland ein. Dem TV-Publikum ist die Degeto, die 1928 als Deutsche Gesellschaft für Ton und Film gegründet wurde, über ihre Filme ein Begriff: Dazu gehören die Wallander-, die Pfarrer-Braun- und die Donna-Leon-Krimis. Gerügt wird die Firma häufiger für die vielen ARD-Freitagabendproduktionen, die aus der Sicht mancher Kritiker zu seicht sind.
 
Update 14.44 Uhr: Korrektur zur Funktion von Dagmar Reim

[ar]

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