Branchenneuling Max Conze wird ProSiebenSat.1-Chef

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Ein Pharmamanager hat ProSiebenSat.1 mit frischen Ideen groß und profitabel gemacht. Sein frisch gekürter Nachfolger kümmerte sich bislang um Staubsauger. Der Aufsichtsrat hofft auf neue Erfolge.

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hat einen Branchenneuling zum neuen Chef gekürt. Der Aufsichtsrat ernannte den früheren Chef des britischen Staubsauger-Herstellers Dyson, Max Conze, am Mittwoch zum Nachfolger des vorzeitig abgelösten Thomas Ebeling.

Der 48-jährige Conze soll sein Amt in Unterföhring am 1. Juni antreten. Ebelings Vertrag wäre eigentlich noch ein Jahr gelaufen, wurde aber nach neun Jahren vorzeitig beendet. Er war wegen eines schwachen Fernsehgeschäfts und des schlechten Aktienkurses unter Druck geraten und hatte sich im November auch noch abfällig über die „ein bisschen fettleibigen und ein bisschen armen“ Zuschauer geäußert. Die Vorlage der Jahresbilanz 2017 am Donnerstag ist sein letzter Auftritt, danach verlässt er ProSiebenSat.1. Bis zu Conzes Amtsantritt leitet Vorstandsmitglied Conrad Albert das Unternehmen übergangsweise.
 
Wie schon sein Vorgänger ist auch der aus Bielefeld stammende Conze ein bislang unbeschriebenes Blatt in der Medienbranche. Allerdings hatte er zuletzt mit einem handfesten Streit mit seinem Arbeitgeber Dyson für Schlagzeilen gesorgt: Conze war Geheimnisverrat vorgeworfen worden, er wehrte sich vor Gericht, schließlich einigten sich beide Seiten außergerichtlich, ohne Details zu nennen.
 
ProSiebenSat.1-Aufsichtsratschef Werner Brandt sagte, Conze habe internationale Managementerfahrung und Dyson zu einem stark wachsenden globalen Technologie-Konzern ausgebaut. Mit Innovationsstärke und Marketingverständnis werde er ProSiebenSat.1 „zu neuen Erfolgen führen“.
 
Ebeling war 2009 vom Pharmakonzern Novartis zu ProSiebenSat.1 gekommen. Er hat das aus der Pleite gegangenen Kirch-Konzerns hervorgegangene Unternehmen wieder profitabel gemacht und neu aufgestellt. Er überließ Start-up-Unternehmen unverkaufte Werbezeiten und ließ sich dafür mit Umsatz- oder Formenanteilen bezahlen. Inzwischen erwirtschaftet der Medienkonzern die Hälfte seines Umsatzes außerhalb des Werbefernsehens, vor allem mit Internet-Portalen wie Parship und im Produktionsgeschäft. Als erster Medienkonzern überhaupt stieg ProSiebenSat.1 in den Aktienindex Dax auf.
 
Zwar wächst dieser Bereich nach wie vor – die Probleme im viel profitableren Kerngeschäft kann er allein aber nicht auffangen. Seit längerem kämpft ProSiebenSat.1 mit sinkenden Zuschaueranteilen und der Konkurrenz von Internet und Streamingdiensten wie Netflix. US-Serien wie „Empire“ oder „This is us“ floppten und zwangen zu Abschreibungen und der Korrektur der Gewinnprognose. ProSiebenSat.1 hat angekündigt, mehr in lokale Inhalte zu investieren. Für das wachsende Geschäft mit Internet-Portalen sucht der Konzern derzeit einen Partner, im Gespräch ist die US-Firma General Atlantic, mit der ProSiebensat.1 bereits kaeuferportal.de betreibt.

[dpa]

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1 Kommentare im Forum

  1. Die Frage ist, ob Herr Conze den Mut hat, zu erkennen, dass das "schwache Fernsehgeschäft" etwas damit zu tun hat, dass 70% der 46% der deutschen TV-Haushalte, die ihre Fernsehprogramme über Satellit empfangen, Sat.1 und Pro 7 nur in SD-Pixelmatsch-Qualität sehen können, während ARD, ZDF, One, ZDF Neo, alle Dritten, Amazon Prime, Netflix, Sky und verschiedene Auslandssender in High Definition ausgestrahlt und empfangen werden. Das "schwache Fernsehgeschäft" könnte auch damit zu tun haben, dass P7S1 ohne triftigen Grund auf 60% der bisherigen Antennen-Zuschauer verzichtet. Am 29.03.2017 hat P7S1 für alle bisherigen Antennen-Zuschauer einen Zwangsumstieg auf ein Bezahlmodell verordnet. Wir wissen, dass auf 60% der verkauften DVB-T2 Endgeräte Sat.1 und Pro 7 dunkel bleiben. Wenn Herr Conze diesen Tatsachen ins Auge blickt, könnte er der Sendergruppe einen Aufschwung geben, indem er die Verschlüsselung abschaltet und die Free-TV-Programme auch wirklich Free-to-Air ausstrahlen lässt.
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