Bundeszentrale: TV-Format soll politikferne Zielgruppen erreichen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) entwickelt derzeit ein TV-Format, mit dem vor allem politik- und bildungsferne Jugendliche erreicht werden sollen. Im Gespräch mit DIGITAL FERNSEHEN erklärt Holger Ehmke, Leiter des Fachbereiches „Politikferne Zielgruppen“, warum das Format entwickelt wird.

Das gemeinsam mit der Produktionsfirma Grundy Light Entertainment (u.a. „Deutschland sucht den Superstar“) produzierte Format soll im Sinne einer Comedy gestaltet werden und Jugendliche mehr für ihr politisches Umfeld interessieren.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Die Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt derzeit ein Polit-Show-Format für Jugendliche. Welches Ziel verfolgt die bpb damit?
 
Holger Ehmke: Die bpb hat vor drei Jahren beschlossen, sich verstärkt um politikferne Zielgruppen zu bemühen, insbesondere um bildungsferne Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren und dafür einen neuen Fachbereich eingerichtet. Diese wurden bis dato von politischer Bildung so gut wie nicht erreicht, insbesondere weil es in den von diesen Jugendlichen besuchten Schulformen so gut wie keinen Politikunterricht gibt, aber auch sonst keine adäquaten Angebote auf dem Markt sind. Sie stützt sich bei ihrer Arbeit auf verschiedene Studien von Sinus Soziovision und beschäftigt sich vor allem mit den dort definierten Milieus der Hedonisten und Konsummaterialisten. Diese Gruppen, die zahlenmäßig je bei etwa sechs Millionen Menschen anzusetzen sind, werden ergänzt von Bürgern mit Migrationshintergrund (15,2 Mio.), wobei auch dort von der bpb vor allem Jugendliche mit politischer Bildung vertraut gemacht werden sollen. […] Zusammengefasst bedeutet dies, dass sich absehbar die Zielgruppen in der politischen Bildung verschieben, worauf die bpb reagieren will.

Ausweislich aller relevanten Erhebungen sind diese Gruppen mit dem klassischen Repertoire politischer Bildung – Bücher, Journale, Workshops, Seminare etc. -nicht erreichbar, weil ihnen entweder die Voraussetzungen fehlen oder – soweit in der außerschulischen Jugendbildung auf reine Freiwilligkeit gesetzt werden muss – auch das Interesse.
 
Zugleich sind jedoch die täglichen Zeitbudgets, die für TV-Konsum (214 Minuten), Computerspiele (204 Minuten bei Jungen) und „Einkaufen mit Freundinnen“ (fast ebenso hoch bei Mädchen) beeindruckend und haben zu der Überlegung geführt, hier Partner für die politische Bildung zu suchen. Dabei ist es Ziel, diese Jugendlichen im Rahmen der ihnen vertrauten Medien und Ästhetiken an politisch interessante Themen heranzuführen und ihnen spannende oder spaßmachende Einstiege in schwierige aber für ihre Zukunft wichtige Thematiken zu geben.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Seit wann wird an der Entwicklung des Konzeptes gearbeitet und wann denken Sie, ist das Format sendefertig entwickelt?

Holger Ehmke: An dem Konzept wird seit Anfang 2007 gearbeitet, Anfang 2009 soll es sendefertig entwickelt sein.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Wie genau soll die Show aufgebaut sein? Welche Elemente soll sie enthalten?
 
Holger Ehmke: Die genauen Elemente der Show befinden sich zur Zeit noch in der Diskussion und in der Erprobung.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Wo soll das Format gezeigt werden?
 
Holger Ehmke: Die Frage, wo das Format gezeigt werden soll, ist noch völlig offen und ist Sache von Grundy Light Entertainment. Die bpb beteiligt sich nur an der Entwicklung des Formats, nicht an seiner Vermarktung.

DIGITAL FERNSEHEN: Mit welchen Mitteln soll das Format finanziert werden?
 
Holger Ehmke: Die bpb beteiligt sich finanziell an der Entwicklung des Formats. Eine weitere Finanzierung wird es nicht geben, so dass das Format dann dem Markt ausgesetzt ist, d.h. verkauft werden muss.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Wie stehen Sie zu dem Vorwurf der Bundestagsfraktion der Linkspartei, das Format würde das verfassungsrechtliche Gebot der Staatsferne des Rundfunks verletzen?
 
Holger Ehmke: Da die bpb an der Ausstrahlung des Formats nicht beteiligt ist, d.h. auch in keiner Weise auf Redaktionsentscheidungen in den Sendern Einfluss nimmt, sondern lediglich eine sehr engagierte Initiative der Geschäftsführerin von Grundy Light Entertainment, Frau Ute Biernat, unterstützt, sehen wir das Gebot der Staatsferne des Rundfunks in keiner Weise verletzt.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Herr Ehmke, vielen Dank für das Gespräch. [mth]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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1 Kommentare im Forum

  1. AW: Bundeszentrale: TV-Format soll politikferne Zielgruppen erreichen ey krass - vielleicht bekommen erkan und stefan neuen auftrag, weißt du?
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