Deutschlandradio: DAB Plus gehört die Zukunft

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Das Digitalradio im DAB Plus-Standard soll die klassische analoge UKW-Radioübertragung langfristig ablösen. Im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN sprach Dr. Chris Weck, Hauptabteilungsleiter für Technik und Infrastruktur beim Deutschlandradio, über die Zukunftsfähigkeit von DAB Plus, den Ausbau des Sendenetzes sowie den Bedarf nach mehr Empfangsgeräten.

Herr Weck, finden Sie, dass genug Werbung und Marketing gemacht wird, um die Begriffe Digitalradio und DAB Plus den deutschen Bundesbürgern näher zu bringen?
 
Chris Weck: Mehr Werbung und Marketing ist immer hilfreich und immer wichtig. Ich denke, dass es einfach seine Zeit braucht, bis alle Bundesbürger wissen, was sich hinter dem Begriff „Digitalradio“ verbirgt und welchen Nutzen sie davon haben. Da dürfen wir die Geduld auch nicht verlieren. Gemeinsam mit der ARD und den Privaten sowie anderen Geschäftspartnern haben wir bereits weitere intensive Marketingmaßnahmen geplant. Hier sind wir aber auch immer offen für neue Aktionen und weitere Partner.
 
Der Ausbau des DAB Plus-Sendernetzes in Deutschland geht gut voran. Wo sind dennoch wichtige Versorgungslücken, die es zu schließen gilt?
 
Weck: Wenn es nach uns, dem Deutschlandradio, ginge, würden wir den Senderausbau noch schneller voranbringen, aber wir müssen hier ein gemeinsam mit den Privaten finanzierbares Ausbaukonzept umsetzen. Genaugenommen trägt jeder Hörer, der ein Digitalradio kauft, indirekt zum beschleunigten Sendernetzausbau bei, weil das Privatradio durch Werbung finanziert wird. Es gibt aber derzeit noch Versorgungslücken, die es zu schließen gilt. Als erstes wollen wir den mobilen Empfang auf den Hauptverkehrsachsen sicherstellen. Dann werden weitere Gebiete dazukommen, so dass auch der Inhaus-Empfang verbessert werden wird. Man muss wissen, dass es sowohl bei den Empfangsgeräten als auch bei den Antennen unterschiedliche Qualitäten gibt, so dass die tatsächliche Versorgungsfläche  unterschiedlich ausfallen kann. Wir werden aber die Netze so ausbauen, dass neben dem geplanten portablen Empfang im Haus spätestens 2015 ein nahezu durchgängiger mobiler Empfang in der Fläche möglich sein wird.

Noch in diesem Jahr sollen weitere DAB Plus-Sender an den Start gehen. Handelt es sich hierbei nur um Regionalprogramme oder auch um bundesweit empfangbare Sender? Können Sie zudem schon konkrete Namen nennen?
 
Weck: Beim Senderausbau handelt es sich sowohl um  zusätzliche Sender für das bundesweite Ensemble als auch um zusätzliche Sender für Regionalprogramme. Gerade im regionalen Bereich vergrößert sich das Programmangebot kontinuierlich. Weitere bundesweite Programmangebote sind derzeit noch in der Planungsphase. Eine gute Übersicht über die derzeitigen Programmangebote und die Versorgung finden Sie auf der Internetseite www.digitalradio.de. Dort können Sie mit einem Postleitzahlen-Tool für jede Region in Deutschland die Digitalradioprogramme erfahren.
 
Langfristig gesehen soll die digitale Sendetechnik UKW ablösen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Welche Bedingungen müssen Ihrer Meinung nach erfüllt werden, damit Digitalradio in Deutschland endgültig angekommen ist?
 
Weck: Ja, Digitalradio soll die analoge Sendetechnik UKW langfristig ablösen. Dafür gibt es viele Gründe. Ein ganz wesentliches Argument ist die schon erwähnte höhere Frequenz- und Energieeffizienz. Zudem ist nur mit Digitaltechnik eine flächen­deckende mobile Hörfunkverbreitung möglich, weil es im UKW-Spektrum dafür keine Frequenzressourcen mehr gibt.
Eine der ganz wesentlichen Bedingungen für die erfolgreiche Einführung von Digitalradio in Deutschland ist die, dass heute alle Radio-Händler einschließlich der im Automobilsektor jedem Kunden Digitalradiogeräte anbieten. Wir empfehlen jedem Hörer, wenn er sich ein neues Radio kauft, gleich ein Digitalradio zu beschaffen, das ja ebenfalls in der Lage ist, konventionelle analoge UKW-Signale zu empfangen. Nur so sind die Hörer für die Zukunft gerüstet, und nur so gibt es in einigen Jahren eine ausreichende Anzahl von Digitalradiogeräten im Markt, damit nach und nach UKW-Sender abgeschaltet werden können, um Kosten und Energie zu sparen.
 
Vielen Dank für das Gespräch!
 
Im ersten Teil des DF-Interviews mit Dr. Chris Weck zog dieser eine Bilanz nach dem ersten Jahr des bundesweiten Digitalradios und sprach davon, wie die privaten Rundfunkanbieter langfristig von einer Umstellung auf DAB Plus profitieren können. [red]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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59 Kommentare im Forum

  1. AW: Deutschlandradio: DAB Plus gehört die Zukunft Das ist doch jetzt die dritte Meldung zum Thema, oder? Reicht's nicht irgendwann mal?`Wir wissen doch jetzt, dass das Deutsschlandradio für DAB+ ist.
  2. AW: Deutschlandradio: DAB Plus gehört die Zukunft uns würde es reichen, der lobby der elektronikhersteller und -händler nicht. erst wenn jedes ukw empfangsfähige gerät durch ein dab+ kastl ersetzt wurde. lasset die milliarden € über sie kommen... sonst ists essig mit dem aufschwung
  3. AW: Deutschlandradio: DAB Plus gehört die Zukunft Nicht ersetzt, sondern ergänzt. Ein reines Analogradio macht nur noch Sinn wenn es wirklich gaaaaanz billig sein soll.
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