Kabel Deutschland: ARD wird nicht auf analoge Einspeisung verzichten wollen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig -Die Abschaltung der analogen Satellitensignale soll Ende 2010/Anfang 2011 erfolgen. Was bisher als beschlossen galt, wird in der Branche derzeit wieder debattiert.

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In den letzten Wochen ist Bewegung in den Markt gekommen, da nicht alle Marktteilnehmer die technischen Voraussetzungen bis zu diesem Zeitpunkt schaffen. Derzeit beraten Marktteilnehmer nach DF vorliegenden Informationen mit ARD und ZDF über einen möglichen, gemeinsam koordinierten, Abschaltzeitpunkt für Analog-TV.
 
ARD und ZDF favorisieren im Gespräch mit uns weiter Ende 2010. Ein möglicher Kompromiss sei das erste bzw. zweite Quartal 2012.
 
DIGITAL FERNSEHEN unterhielt sich aus diesem Grund mit Marco Gassen, Leiter der externen Kommunikation bei Kabel Deutschland.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Warum können Sie nicht so schnell digitalisieren wie z.B. der Satellit? Welche technischen Hindernisse stehen einer schnellen Digitalisierung in Ihrem Kabelnetz entgegen?
 
Marco Gassen: Das Kabelnetz von Kabel Deutschland ist bereits komplett digitalisiert. Wir speisen analoges und digitales Fernsehen parallel ein (Simulcast) und der Kunde selbst entscheidet, ob er analog oder digital schauen möchte. Beide Signale liegen in der Multimediadose in der Wohnung des Kunden an.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Können Sie bestätigen, dass Sie für eine mögliche Reanalogisierung digitalisierter Programme eine Kostenbeteiligung seitens der Sender fordern?
 
Marco Gassen: Mit den Sendern wurden vertraglich bestimmte Einspeisemodelle vereinbart. Die anfallenden Kosten für einen Wechsel der Einspeisung sind von den Sendern zu tragen.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Welche Rolle spielen bei einer Digitalisierung die Gestattungsverträge mit der Wohnungswirtschaft?
 
Marco Gassen: Die Wohnungswirtschaft fordert und wünscht im Interesse ihrer Mieter ausdrücklich, dass das analoge Fernsehen so lange wie möglich aufrecht erhalten wird. Die Mieter der Wohnungswirtschaften schätzen das einfache Plug & Play des analogen Fernsehens. Zudem sind auch die Wohnungswirtschaften daran interessiert, dass sie ihren Mietern ein großes Multimedia-Angebot unterbreiten können. Dem tragen wir mit digitalem Fernsehen, Pay-TV, Pay-per-View, Internet und Telefonie Rechnung.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Welches Datum favorisieren Sie für die analoge Abschaltung in Ihrem Kabelnetz?
 
Marco Gassen: Kabel Deutschland wäre offen für jeden möglichen Termin, der die Zuführung der Signale zu unseren Kopfstellen regelt – Hauptsache wir bekommen eine 20- bis 24-monatige Vorlaufzeit. Was die Signalzuführung zu den Endkunden anbelangt, sehen wir derzeit keinen Termin. Die Kunden können heute schon entscheiden, ob sie analog oder digital fernsehschauen möchten. Insofern ist dies eine angebots- und marktorientierte Entscheidung, die der Markt bzw. der Kunde selbst trifft.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Sofern sich ARD und ZDF nicht an den Kosten einer Reanalogisierung beteiligen – wie wollen Sie eine analoge Versorgung überhaupt aufrecht erhalten?
 
Marco Gassen: Wir gehen nicht davon aus, dass ARD und ZDF im Rahmen ihres öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrags auf die analoge Reichweite verzichten möchten.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Wie genau erfolgt eine „Reanalogisierung“ der Programme, was geschieht (technisch betrachtet) an der Kopfstelle?
 
Marco Gassen: Von Re-Analogisierung spricht man, wenn die bisherige Verbreitung eines TV-Programms in analoger Form eingestellt wird, nur noch digital verbreitet wird, jedoch im Breitbandkabelnetz noch weiter analog verbreitet werden soll. Die betreffenden digitalen Signale werden empfangen, transcodiert, moduliert und im bisherigen analogen Format mit Hilfe eines so genannten Transcoders in das jeweilige Kabelnetz eingespeist.
 
Besagter Transcoder selektiert Bild und Ton sowie Begleitinformationen und bereitet sie als analoges TV-Signal auf. Kunden am Breitbandkabelnetz können somit reanalogisiertes Programm unverändert mit ihren vorhandenen analogen TV-Geräten weiter empfangen. Ein neues Empfangsgerät ist nicht erforderlich. Gerade das ist von erheblicher Bedeutung, da analoge Empfangsgeräte in großer Zahl vorhanden sind und nicht ersetzt werden müssen. Auch die vorhandene Reichweite für den betreffenden Programmanbieter bleibt erhalten.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Mit welchen Kosten ist die Reanalogisierung pro 1000 Haushalte verbunden? Welche Kosten entstehen bei einer vollständigen Digitalisierung dieser Haushalte?
 
Marco Gassen: Kosten fallen generell nur da an, wo wir das Signal noch analog einspeisen. Zudem hängt es von vielen Parametern ab, so z.B. von der an der Kopfstelle eingesetzten Technik, der Größe der Kopfstelle und wie koordiniert die einzelnen Sender kooperieren.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Vielen Dank für das Gespräch![mg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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7 Kommentare im Forum

  1. AW: Kabel Deutschland: ARD wird nicht auf analoge Einspeisung verzichten wollen Viel geschrieben und doch nichts gesagt.... Nur warme Luft! Warum fragt man denn nicht mal warum sie noch nicht angefangen mit den Vorbereitungen zur Umstellung. Sind sie etwa überrascht, dass analog abgeschaltet wird? Liest sich so als wäre das ein ganz neues Thema für die KDG. 20-24 Monate brauchen sie noch, na geht doch! 20 Monate macht Anfang 2011. Sendet man halt 2 Monate länger noch analog als Ende 2010. Irgendwo hier habe ich auch gelesen, dass der HR ja anscheinend eh schon gerne von Q1 2011 ausgeht. Dann aber nu endlich mal "Butter bei die Fische" und mal angefangen!
  2. AW: Kabel Deutschland: ARD wird nicht auf analoge Einspeisung verzichten wollen Das liegt evtl. an den unattraktiven Modellen, die diverse Kabelnetzanbieter als Digital-TV anbieten: lange Vertragslaufzeit, keine freie Endgerätewahl, Verschlüsselung von bisherigen Free-TV-Programmen etc. pp. Ferner werden die Haushalte nicht fair informiert, dass sie jederzeit die öffentlich-rechltichen auch als Digital-TV ohne Zusatzvertrag sehen können und dürfen. Das ist beim Digital-TV genauso einfach, sofern das Signal wie im analogen Bereich unverschlüsselt ausgestrahlt wird: Einfach TV-Gerät mit DVB-C-Tuner via Antennenkabel anschließen, Kanalsuche starten, evtl. Kanalbelegung sortieren, fertig. Genau dieselbe Prozedur wie beim Analog-TV.
  3. AW: Kabel Deutschland: ARD wird nicht auf analoge Einspeisung verzichten wollen Zitat: der Kunde selbst entscheidet, ob er analog oder digital schauen möchte. Beide Signale liegen in der Multimediadose in der Wohnung des Kunden an. Ja witzig, entscheidet er sich für digital dann bekommt er nur noch die öffentlich rechtlichen Sender zu sehen und zu hören. Die Free TV Sender sind weder zu sehen noch zu hören. Hoffentlich bleibt mir das analoge Kabel TV noch lange erhalten sofern die Kabelanbieter oder Sender nicht von ihrer Sinnlosverschlüsselung Abstand nehmen. Von mir gibt es jedenfalls nicht einen Cent für RTL und co.
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