Krakenarme der Stasi griffen auch nach dem NDR

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Hamburg – Eine jetzt vorgestellte Studie zeigt, dass der Norddeutsche Rundfunk (NDR) für die DDR-Staatssicherheit zwar ein Objekt der Begierde gewesen ist, gegenüber anderen westdeutschen Medien jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Diese Erkenntnisse sind in einer knapp 500-seitigen Studie mit dem Titel „Giftspinne im Äther“ zu lesen, die in vierjähriger Arbeit die über den Zeitraum von 1950 bis 1989 gegen den Sender gerichteten geheimdienstlichen Tätigkeiten untersuchte. Der NDR habe als Ost-West-Sender ein besonderes Interesse an der Aufarbeitung dieses Teils der Geschichte, sagte NDR-Intendant Jobst Plog.
 
Eine systematische Bearbeitung oder gar Beeinflussung des NDR und seiner Sendungen durch die Stasi hat es nicht gegeben, wohl aber punktuelle Erfolge des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS). Die Stasi stufte den NDR zwar als so genanntes „Feindobjekt“ ein; die tatsächlich entfalteten Aktivitäten
entsprachen jedoch nicht der hohen Priorität dieser Klassifizierung. Gleiches gilt für die Zahl der Anwerbungsversuche: Es waren weit weniger, als man bei einem Feindobjekt hätte erwarten können. Die Stasi hat weder Leitungsgremien noch Journalisten oder Produktions-/Technikmitarbeiter systematisch bearbeitet, sie hat die Sendungen des NDR nicht systematisch beobachtet und ausgewertet. Es gelang ihr weder eine dauerhafte Einflussnahme auf das Programm noch eine Reglementierung DDR-kritischer Journalisten im NDR.
 
In einzelnen Redaktionen konnte die Stasi punktuelle Erfolge erzielen. So brachten die Ostagenten Ende der 80er-Jahre einen gefälschten Barschel-Brief im Politmagazin „Panorama“ unter, der den damaligen Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg schwer belastete. Weitere Zielbereiche der Stasi waren die niederdeutschen Hörfunkredaktionen und die Gesprächssendung „Talk op platt“. Eine Instrumentalisierung für Propagandazwecke gelang dem MfS allenfalls bei Reisekorrespondenten – die ständig akkreditierten NDR Korrespondenten waren dafür nicht zu gewinnen.
 
Die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Marianne Birthler, deren Behörde das Projekt umfangreich unterstützte, bemängelte in diesem Zusammenhang die bislang geringe Beschäftigung deutscher Medien mit ihrer eigenen Vergangenheit. Der NDR habe als erste Anstalt Aufarbeitung in eigener Sache betrieben.
 [mg]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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