Mohren-Affäre: MDR verlangt von Techem Schadenersatz

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig/Frankfurt/Main – Der MDR verlangt Schadenersatz von dem Energiedienstleister Techem, der in die Korruptionsaffäre um den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren verwickelt ist.

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Bein Landgericht Frankfurt/Main sind nach Angaben des evangelischen Pressedienstes (epd) zwei Zivilklagen gegen Techem und frühere leitende Mitarbeiter der Unternehmensgruppe anhängig, wie MDR-Sprecher Stefan Mugrauer am 20. Februar dem epd bestätigte. Techem ist auch im Sport-Sponsoring aktiv. Die Firma soll zwischen 1997 und 2005 Schmiergelder an Mohren gezahlt haben, um eine günstige Darstellung in Sportsendungen des MDR zu bewirken.
 
Der MDR macht bei Techem den Ersatz von Kosten geltend, die 2005 durch die Einschaltung einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angefallen waren. Diese sollte die Korruptionsvorwürfe aufklären. Persönlich nimmt der MDR neben Mohren nun den ehemaligen Techem-Aufsichtsratschef Hans-Ludwig Grüschow sowie den früheren Kommunikationschef des Unternehmens in Regress. Wie hoch die Forderung in den Frankfurter Verfahren ist, wollte MDR-Sprecher Mugrauer nicht sagen. Der Sender verlangt von dem fristlos entlassenen Mohren 170 000 Euro.
 
Bei der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt am 19. Februar fiel in der Zivilklage gegen Grüschow noch keine Entscheidung. Die Streitparteien lehnten eine gütliche Einigung ab. Die Rechtsvertreter des MDR führten aus, zwischen 1997 und 2005 habe es 161 von Mohren verantwortete Sendeminuten gegeben, in denen Techem eine Rolle gespielt habe. Grüschows Rechtsanwalt wies die Bestechungsvorwürfe zurück.
 
Grüschow gehört nach epd-Angaben wie Mohren und dessen Ehefrau zu den Beschuldigten, gegen die im parallel laufenden Strafverfahren beim Landgericht Leipzig Anklage erhoben wurde. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Dresden hat Mohren insgesamt 81 000 Euro Schmiergeld von der in Eschborn bei Frankfurt ansässigen Techem-Gruppe erhalten.
 
Die Zahlungen sollen zur Tarnung als Moderationshonorare abgerechnet worden sein. Als Gegenleistung soll Mohren auch das unbedeutende Hallenfußball-Turnier „Techem-Cup“ ins MDR-Fernsehen gebracht haben.
 
Die Anklage, die kürzlich vom Landgericht Leipzig zugelassen wurde, wirft Mohren Bestechlichkeit, Vorteilsnahme, Betrug und Steuerhinterziehung vor (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 
Insgesamt soll er 350 000 Euro erhalten haben, um von den Geldgebern gesponserte oder organisierte Veranstaltungen „werbewirksam im MDR zu zeigen“. Grüschow, der 2005 im Zuge der Affäre als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe zurücktrat, muss sich wegen Bestechung verantworten. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. [mg]

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