Prof. Groebel: Monopolvermeidung ja, aber dem Pay-TV eine faire Chance

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN spricht der Direktor des Deutschen Digitalinsituts, Prof. Joe Groebel, über die marktbeherrschende Stellung von Unternehmen im deutschen Pay-TV-Markt und die daraus resultierenden Auswirkungen.

Prof. Joe Groebel ist ein kritischer Beobachter der Entwicklungen im der deutschen Fernseh- und Medienszene. Wer exklusive Inhalte konsumieren will, der müsse auch bereit sein, dafür zu bezahlen, ist Groebels feste Überzeugung. Auch prophezeit der Fachmann der Branche durch weitere technische Entwicklungen kräftige inhaltliche und strukturelle Umwälzungen.

DIGITAL FERNSEHEN: Wenn Sie den Pay-TV-Markt in Deutschland betrachten, wie sollte dieser gestaltet sein, damit alle Teilnehmer diskriminierungsfrei am Marktgeschehen teilnehmen können?
 
Prof. Joe Groebel: Pay TV in Deutschland ist ein sehr schwieriges Geschäft, daher ergibt sich die Frage erst mal nicht. Zum ersten ist Pay-TV in Deutschland ein kleiner Markt, der sich noch deutlich entwickeln muss, im Moment sogar kaum lebensfähig erscheint. Zudem gilt für das Pay-TV, dass es sich mit der rapiden Entwicklung des Nutzerverhaltens auseinandersetzen muss.
 
In der digitalen Welt gibt es einen automatischen Meinungspluralismus, wenn man das Ganze plattformübergreifend betrachtet. Pluralismus in den Medien ist natürlich ein zentrales Argument: Ein Anbieter darf kein Monopol aufbauen. Der Pay-TV-Markt in Deutschland aber ist ein sehr kleines, enges Segment und kann nicht ernsthaft als Teil der öffentlichen Meinungsbildung angesehen werden.
 
Zudem muss man den gesamten Fernsehmarkt im weitesten Sinne betrachten. Es kommt zwar noch nicht jeder in den Genuss von Breitband, aber identische oder ähnliche Pay-TV-Angebote wie sie heute von Premiere offeriert werden, gelangen schon längst auch über viele andere Kanäle, so zum Beispiel Breitband,zum Nutzer.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Deutschland ist ein Land mit einem umfangreichen Free-TV-Angebot, nehmen wir nur die Fußball-Bundesliga. Kann da Pay-TV der Durchbruch gelingen?
 
Prof. Joe Groebel: Selbst wenn man nur das Segment der Fußball-Bundesliga betrachtet,so hat es bisher noch kein Pay-TV-Anbieter geschafft, mit diesen Rechten langfristig großes Geld zu machen. Diese Rechte dienen mindestens so sehr dazu, das Gesamtangebot einer Plattform attraktiver zu gestalten.
 
Das zentrale Argument, Fußball müsse für jeden TV-Zuschauer kostenfrei verfügbar sein, betrachte ich als nicht haltbar, zumindest nicht in jeder noch so luxuriösen Variante.Monopolvermeidungdarf nicht soweit gehen, dass jede Facette des Zuganges definiert ist, bis hin zur digitalen „Luxusloge“, weil ansonsten keine Gleichheit hergestellt sei.
 
Wer investiert, muss Möglichkeit haben, die Investition zu refinanzieren. Das geht aber nicht, wenn das Produkt in allen Varianten für jeden kostenfrei verfügbar sein muss. Der freie Zugang zum Fußball ist ja in der Breite garantiert, das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sowohl in Bezug auf Kosten wie auch der zeitlichen Platzierung gerade wieder davon profitieren dürfen.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Wie sieht aus Ihrer Sicht die Realität im Pay-TV-Markt in Deutschland aus?
 
Prof. Joe Groebel: Der Markt wird sich in den nächsten Jahren grundsätzlich neu definieren.Das Pay-TV wie wir es kennen, das heißt herkömmliches TV und eine Zugangsbox für die Bezahlinhalte, wird ein Modell sein.Wir sollten aber die schnelle Technikentwicklung über Breitband/IPTV nicht vergessen. Das, was da u.a. bei der Telekom schon gegeben ist, definiert mittelfristig das Marktmodell völlig neu.
 
Nun wissen wir, dass der TV-Nutzer in Deutschland davon ausgeht, alle Inhalte frei zu erhalten zu müssen. Es gibt also wenig Bereitschaft, zusätzlich zu bezahlen, so wie das in anderen Ländern üblich ist.
 
Ich setze darauf, dass Pay-TV künftig über Inhalte nicht mehr über Plattformspezifität definiert wird. Zum einen wird es in der Zukunft das Fernsehen weiterhin so geben, wie wir es kennen, ein Vollprogramm mit einem bunten Strauß an Programmen – als Free-TV.
 
Daneben sehe ich „Hochaufmehrsamkeitsprogramme“ – das sind Sporthöhepunkte wie die Bundesliga, das ist der große Spielfilm, das sind exklusive Inhalte. Die werden den Nutzer Geld Kosten, also Pay-TV sein. Zudem sehe ich eine Verspartung in Abgrenzung zu den Vollprogrammen. Je nach Interessenslage baut sich der Kunde sein Programm zusammen – und zahlt dafür.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Welche positiven wie negativen Auswirkungen ergeben sich Ihrer Einschätzung nach durch die marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens im deutschen Pay-TV-Markt?
 
Prof. Joe Groebel: Wenn die Pay-TV-Plattform Premiere tatsächlich wirtschaftlich und inhaltlich stark aufgestellt wäre, was sie zumindest wirtschaftlich absolut nicht ist, und ihre Aufwendungen problemlos refinanzieren könnte, dann könnte man von einem funktionierenden Pay-TV- Markt reden. Dann wäre auch das Thema „marktbeherrschende Stellung“ eines, über das man diskutieren müsste. Doch so, wie es derzeit aussieht, sehe ich keinen Regulierungsbedarf.
 
Bei den TV-Rechten für die Fußball-Bundesliga könnte man das Vorhandensein eines zweiten Anbieters auf Augenhöhe allerdings als positiv betrachten.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Welche Schritte müssten durch wen getan werden, damit es erst gar nicht zu einem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung kommen kann?
 
Prof. Joe Groebel: Der Nutzer muss die Herrschaft über die von ihm gewünschten Services haben. Bei der höchstwahrscheinlich kommenden Adressierbarkeit von Programminhalten ist das ein ganz wichtiger Punkt. Die Diskussion über die proprietären Set-Top-Boxen halte ich für allerdings für übertrieben. Mit der weiteren Miniaturisierung wird das Problem zu umständlicher Geräte bald verschwunden sein.
 
Schon heute bauen einige Geräte-Hersteller die Set-Top-Boxen in den Fernseher gleich mit ein. Wenn ich als Nutzer mir zwei Pay-TV-Angebote ins Haus holen möchte, dann muss ich damit rechnen, dass ich mir zwei Boxen hinstellen muss, sorry, aber das sollte kein Problem sein.
 
Für die Zukunft allerdings sehe ich technisch so durchlässige TV-Plattformen, dass sich viele Fragen nicht mehr stellen werden. Vergessen wir eines nicht: Die eigentliche Konkurrenz zum heutigen – in Deutschland eh noch unterentwickelten -Pay-TV-Markt ist der Markt der Datenträger, also der Blu-ray-bzw. der DVD-Markt und ist natürlich schon längst das Web.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Herr Prof. Groebel, vielen Dank für das Gespräch![mg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

12 Kommentare im Forum

  1. AW: Prof. Groebel: Monopolvermeidung ja, aber dem Pay-TV eine faire Chance sorry, aber der Mann hat die Grundproblematik in keinster Weise verstanden. Nicht nur, dass diese Äußerung kundenfeindlich ist, sie ist auch wettbewerbs- und marktfeindlich und obendrein technologiefeindlich. Fakt ist, dass mittelständiche Firmen ein sehr wichtiger Träger unserer Wirtschaft sind und fakt ist, dass einige dieser Firmen - mit technologischen Neuigkeiten - den Markt, den Wettbewerb sowie Invention und Innovation vorwärts bringen. Wer so lapidar sagt, hat entweder schlicht und ergreifend keine Ahnung von den grundsätzlichen Prinzipien unserer Wirtschaft oder er ist ein Interessensvertreter.
  2. AW: Prof. Groebel: Monopolvermeidung ja, aber dem Pay-TV eine faire Chance Ja was erwartest Du von einem Professor, der sich in der Regel noch nicht einmal die Schuhe zubinden kann, weil es dafür keine Studie gibt!
  3. AW: Prof. Groebel: Monopolvermeidung ja, aber dem Pay-TV eine faire Chance Ein was hat der gute Mann aber richtig erkannt Zitat "Das zentrale Argument, Fußball müsse für jeden TV-Zuschauer kostenfrei verfügbar sein, betrachte ich als nicht haltbar" Das denken alles für lau haben zu wollen macht die Wirtschaft viel eher kaputt als die Boxenpolitik bei den Anbietern. Die "Geiz ist geil" Einstellung ist die eigentliche Bremse für viele Dinge in unserem Land.
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