Raue: „Es gibt zu viele Messen für Unterhaltungselektronik“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Über die Auswirkungen des jährlichen Turnus der IFA auf die CeBIT, Erwartungen und Entwicklungen in Sachen CeBIT sprach DIGITAL FERNSEHEN mit Ernst Raue, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, die u.a. Ausrichter der CeBIT ist.

DF: Ab 2006 wird die Unterhaltungselektronikmesse IFA jährlich stattfinden. Welche Auswirkungen hat dies auf die CeBIT?

Raue: Die konzeptionellen Ausrichtungen beider Messen unterscheiden sich voneinander. Während die IFA überwiegend den Privatanwender aus begrenztem Umkreis anspricht, ist die CeBIT die Messe für nationale und internationale Geschäftsleute. Langfristig gesehen kann der IFA-Jahresturnus jedoch bei den ausstellenden Unternehmen, die traditionell auf beiden Messen vertreten sind, zu einer Doppelbelastung führen – vor allem in Zeiten knapper Marketingbudgets. Umso wichtiger ist eine klare Positionierung der Messe. Hier steht die CeBIT als internationale Leitmesse der Branche unangefochten an erster Stelle.
 
DF: Welche Erwartungen haben Sie an die CeBIT 2006?
 
Raue: Wir haben positive Erwartungen und sind sicher, dass von der CeBIT wie in den vergangenen Jahren Impulse ausgehen, die der nationalen und internationalen ITK-Industrie neuen Schwung verleihen. Und dazu bietet die CeBIT 2006 beste Voraussetzungen. Nach Einschätzung des EITO (European Information Technology Observatory) wird vor allem in den Bereichen Software und IT-Dienstleistungen ein kräftiges Umsatzplus erwartet – Segmente, die auf der CeBIT umfassend präsentiert werden.

DF: Wie wichtig ist der Unterhaltungsbereich auf einer IT-Technologie-Messe wie der CeBIT?
 
Raue: Die CeBIT ist nicht nur die bekannteste Messe für IT-Technologie, sondern die einzige Messe weltweit, welche die gesamte digitale Welt darstellt. Unterhaltungselektronik ist ein Teil dieser digitalen Welt und spielt deshalb eine wichtige Rolle im Angebotsprogramm der CeBIT. Auf der CeBIT werden aber nicht nur UE-Produkte gezeigt, sondern auch Technologien und Lösungen, die sich durch das Zusammenwachsen der Unterhaltungselektronik mit Informations- und Kommunikationstechnik sowie mit Verkehrstelematik und Logistik ergeben.
 
DF: Einige große Firmen wollen in den nächsten Jahren nur noch eine Großmesse besuchen, z. B. Sony. Begründung: Zu hohe Kosten. Das gleiche gilt für zahlreiche kleinere Firmen. Wie berechnen sich die Standkosten auf der CeBIT?
 
Raue: Wenn man die Kosten in Relation zu den Besucherzahlen setzt – zur vergangenen CeBIT kamen beispielsweise 480 000 Gäste, davon rund 86 Prozent Fachbesucher – dann liegt die CeBIT im Vergleich zu anderen ITK-Messen mit deutlichem Abstand an erster Stelle. Nach einer Studie des Magazins Impulse vom Januar 2005 ist die CeBIT demnach die pro Lead/Geschäftskunden günstigste Veranstaltung im Reigen der ITK-Messen.
 
DF: IFA, Photokina „lifestyle media“, HighEnd und auch CeBIT – Gibt es zu viele Messen mit einem Schwerpunkt Unterhaltungselektronik?
 
Rauen: Eindeutig ja. Und das geht sicherlich zu Lasten der Internationalität. Gerade Unternehmen aus dem Ausland – sowohl potenzielle Aussteller als auch Besucher – sehen sich einer steigenden Zahl von regionlen UE-Messen in Deutschland gegenüber. In der Regel entscheiden sie sich dann für die internationale Leitmesse der Branche, die ihnen den größten Nutzen – sprich die meisten und qualifiziertesten Besucher, die meisten Anbieter und das umfassendste Angebot – bietet. Hier liegt die CeBIT ganz klar vorn.
 
DF: Mit wieviel Besuchern rechnen Sie 2006?
 
Raue: Viele Unternehmen haben Mitarbeiter entlassen. Aus einzelnen Firmen kommen deshalb logischerweise auch weniger Besucher zu Messen. Das sagt aber nichts über die Qualität der Besucher. Bei der CeBIT 2005 konnten wir eine steigende Qualität feststellen. Es wurden bessere Geschäfte gemacht. Zur CeBIT 2006 können wir noch keine Schätzung abgeben.
 
DF: Welche Innovationen erwarten den Besucher der CeBIT 2006?
 
Raue: Wir haben zahlreiche spannende Themen wie HDTV, DVB-H und DMB, Display-Technology, Navigation auf dem Handy, neue Angebote im VoIP-Markt, RFID und Telematik. Und wir haben unser neues Event für die digitale Unterhaltungselektronik, das parallel zur CeBIT veranstaltet und sowohl Händler als auch Endkunden begeistern wird: „Digital Living“ in Halle 27. Dieses Event zeigt, welchen Einfluss modernste Technik auf unser Leben hat und präsentiert neueste Lösungen für den persönlichen Bedarf zum Anfassen und Ausprobieren. Und das Beste daran: „Digital Living“ ist täglich bis 22 Uhr geöffnet und kostet lediglich zehn Euro Eintritt. Für CeBIT-Besucher ist der Eintritt frei. [mg]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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