Thomas Kretschmann : Ich wollte Jürgen Schumann respektvoll verkörpern

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Berlin – Erst Anfang der Woche war Thomas Kretschmann als „Der Seewolf“ auf Pro Sieben zu sehen.

Am morgigen Sonntag (20.15 Uhr) verkörpert der 46-Jährige in dem ARD-Drama „Mogadischu“ den Flugkapitän der 1977 entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“, Jürgen Schumann, der von einem der Terroristen erschossen wurde.
 
Neben seinen Engagements in deutschen TV- und Kinoproduktionen spielte der in Los Angeles lebende Darsteller in diversen internationalen Filmen wie „King Kong“, „Wanted“ und dem preisgekrönten Holocaust-Drama „Der Pianist“. In Kürze ist er auf der Kinoleinwand in „Transsiberian“ und „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ zu sehen.
 
Frage: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? War Ihnen der Pilot Jürgen Schumann vorher ein Begriff?
 
Kretschmann: Nein, ich war damals 15, und in der DDR sind mir diese Ereignisse entgangen. Ich habe mich dann schlau gemacht. Ich finde aber, als Schauspieler fährt man immer am besten, wenn man sich das Drehbuch als Grundlage nimmt. Mit der damaligen Zeit habe ich mich nicht wahnsinnig auseinandergesetzt. Ich wollte einfach die Figur spielen und herausfinden, was so einen Menschen bewegt und wie er mit seinen Ängsten umgeht. Schumann war lange Zeit ein stiller Held, und ich wollte ihn respektvoll verkörpern.
 
Frage: Bei einem Film, der eine wahre Geschichte erzählt, fragt man sich bei den Dialogen immer, wie nah sie an der Realität sind…
 
Kretschmann: Schon sehr nah. Wir hatten beim Dreh auch den Co-Piloten von damals dabei und haben ihn immer wieder gefragt. Er erinnerte sich noch genau an bestimmte Dialogfetzen.

Frage: Für Schumann ging es um schwerwiegende Entscheidungen. Sie selbst sind aus der DDR geflüchtet. Fühlten Sie sich in der Rolle an eigene Entscheidungen erinnert?
 
Kretschmann: Erinnert nicht. Aber es ist für mich leichter abzurufen als Schauspieler. Jeder Darsteller schöpft natürlich aus dem, was er erlebt hat, und da habe ich eine ziemlich breite Palette. Ich kann mich da leicht hineinversetzen, weil ich ähnliche Zustände kenne, das heißt, dass man nicht weiß, ob man mit dem Leben davonkommt. Ich versetze mich aber beim Spielen nicht mental zurück, sondern ich weiß einfach, wie sich das angefühlt hat und kann das dann in so eine Situation übersetzen. Parallelen gibt es also nicht.
 
Frage: Große Teile des Films spielen in dem engen Flugzeug, es wirkt wie ein Kammerspiel. Wie hart waren die Dreharbeiten?
 
Kretschmann: Wir haben uns nicht viel bewegt. Wir saßen zu zweit in diesem kleinen Cockpit, hinter uns saß der „Terrorist“ und irgendwo dazwischen klemmte noch der Kameramann. Es war sehr heiß und schon sehr anstrengend – als wenn man den ganzen Tag in der Dampfsauna sitzt und dabei versucht, sich zu konzentrieren.
 
Frage: Wenn man einen solchen Film spielt, wie sehr taucht man als Schauspieler in diese Zeit ein?
 
Kretschmann: Ich gehe ans Set und spiele die Szene, und dann gehe ich wieder heim. Ich weiß, was wir erzählen wollen und lasse mich auf die Situation ein. Aber ich nehme nicht alles mit nach Hause.
 
Frage: Sie leben in Los Angeles. Geht Ihnen Hollywood manchmal auf die
Nerven?
 
Kretschmann: Ich bin in Amerika vielleicht zwei Mal pro Jahr auf dem roten Teppich. Das ist dann meistens ein Film, in dem ich selbst mitgespielt habe. Privat habe ich damit nichts zu tun. Ich bin aber auch nicht Britney Spears oder Lindsay Lohan, also komme ich damit auch nicht in Berührung.
 
Frage: Könnten Sie sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu ziehen?
 
Kretschmann: Ach, ich kann mir viel vorstellen. Ich bin dort, so lange es gut läuft, und wenn es nicht mehr funktioniert oder irgendwas anderes passiert, dann bin ich woanders. Aber ich habe auch drei Kinder, die dort geboren und in der Schule sind. Derzeit gefällt mir das sehr gut, und im Moment ist mein Zuhause dort. [mg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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