Klangbewußt

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Details zum Lausprecherbau von Günther Nubert

Als Direktversender erntet der Lautsprecherhersteller Nubert in der Branche nicht ausschließlich Beifall, die Qualität der Lautsprecher lässt die Kritiker aber verstummen. Wir sprachen mit Günther Nubert über das Einmaleins des Boxenbaus.

Herr Nubert, welche Maßnahmen ergreifen Sie gegen Gehäuseresonanzen?
Stehende Wellen werden gedämpft und durch Querschotte in Frequenzbereiche verlagert, deren Resonanzen sich noch effektiver unterdrücken lassen. Mithilfe asymmetrisch angeordneter Versteifungen und Schwingungsdämpfung der Gehäusewände wird erreicht, dass bei jeder Frequenz nur vernachlässigbar kleine Flächen mitschwingen können.
 
Welche Rolle spielen Phase- Plugs?
Wir halten die häufig eingesetzten Phase-Plugs bei Tiefmitteltönern für überwiegend optische Gimmicks und verwenden sie deshalb in dieser Form nicht. Wenn alle anderen Quellen für Nichtlinearitäten von Membraneinspannungen und Magnetfeld weitestgehend optimiert sind, kann ein kleiner, genauer gesagt kurzer Phase-Plug den Effekt eines im Magnetsystem eingebauten Kurzschlussringes unterstützen.
 

Welchen konstruktiven Aufwand verfolgen Sie beim Frequenzweichendesign?
Das Frequenzweichendesign hat bei uns einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Optimierung der Lautsprecherchassis. Es gibt ganz ordentlich klingende Lautsprecher mit recht einfachen Weichen, die zum Beispiel aus lediglich drei bis fünf Bauteilen bestehen. Durch gezieltes „Ausräumen“ erkennbarer Unsauberkeiten, also durch sinnvolles Erweitern der Weiche, sind immer Verbesserungen im Klang und in den Messergebnissen zu erreichen.
 

Welche Rolle spielt die Auswahl des Materials für Lautsprechermembranen?
Bei Tieftonlautsprechern, die nur im Frequenzbereich ohne Partialschwingungen arbeiten, spielt das Membranmaterial nur für den Wirkungsgrad eine Rolle. Bei Tiefmitteltönern kann man Partialschwingungen durch Sandwich- Membranen gut unter Kontrolle halten. Inzwischen gibt es sogar Metallmembranen, die so gut bedämpft sind, dass sie fast an die besten Papier- oder Sandwich- Membranen herankommen.
 
Wie groß ist der Einfluss des Hochtöners auf die gesamte Impulswiedergabe?
Wenn man von „impulsiver Wiedergabe“ redet, meint man oft die Knackigkeit von Schlaginstrumenten, die tatsächlich stark vom Hochtöner abhängt. Die Präzision der Ein- und Ausschwingvorgänge wird – in der Nähe der Übergangsfrequenz – sehr deutlich vom Frequenzweichenkonzept beeinflusst. Im Gegensatz zum weit verbreiteten „Volksglauben“ hat das Membrangewicht überhaupt nichts mit der Impulsschnelligkeit zu tun, sondern ausschließlich mit dem Wirkungsgrad.

Wie legen Sie in einem Mehr- Wege-System den Abstand der Chassis zueinander fest?
Hochtöner brauchen einen genügend großen Abstand von Schallwandkanten und Tief- oder Mitteltönern, um ungestört und sauber zu arbeiten. Andererseits muss der Abstand zum Mitteltöner klein genug sein, um einen vertikalen Winkelbereich von mindestens 15 Grad zu erlauben. Mehrere Tieftöner, die in einer Zeile angeordnet sind, füllen den Raum im Frequenzbereich von etwa 100 bis 500 Hertz gleichmäßiger als ein einzelnes Tieftonchassis.
 

Beeinflussen harte Kanten am Gehäuse die Klangwiedergabe?
Wenn ein Hochtonlautsprecher mittig in eine Box mit harten Kanten eingebaut ist, gibt es Frequenzgangwelligkeiten durch Interferenzen mit dem an den Kanten gebrochenen Schall und eine Reduzierung der Ortbarkeit einzelner Instrumente. In der nuBox-Serie werden diese Welligkeiten für einen horizontalen Abstrahlwinkelbereich von 15 Grad kompensiert. In der nuVero-Serie gibt es eine konvex gewölbte Schallwand und Kantenverrundungen, die das Problem weitgehend lösen.
 

Welche Aufstellung empfehlen Sie Ihren Kunden?
Nach wie vor gilt für optimale Stereowiedergabe, dass der Hörer mit den beiden Lautsprechern ein gleichseitiges Dreieck bilden sollte. Je kleiner dieses Dreieck im Verhältnis zur Wohnraumgröße ist, desto direkter und präziser wird die Aufnahme dargestellt. Oft wird – meist aus innenarchitektonischen Gründen – aber ein Dreieck gewählt, das gerade noch in den Wohnraum hineinpasst. Ein guter Kompromiss ist ein Dreieck, bei dem die Lautsprecher mindestens 60 Zentimeter und der Hörer mindestens einen Meter Abstand von den Wänden des Raumes einhalten.

Vielen Dank für das Gespräch.
(Jens Voigt)

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