Looper

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Komplexer Thriller mit Drama- und SciFi-Elementen

Kurz vor Redaktionsschluss und praktisch noch glühend heiß aus dem Presswerk erreichte uns ein erstes Vorabmuster des Überraschungshits „Looper“. Dieser düstere Science-Fiction-Thriller tauchte im letzten Herbst quasi wie aus dem Nichts auf den Leinwänden auf und verzückte Kritiker und Kinopublikum weltweit. Nun sorgt der Streifen mit einer spektakulären Blu-ray erneut für Furore.

Es kommt nicht oft vor, dass man wie gebannt in einer Kinovorstellung sitzt, dass einem zwei Stunden Laufzeit wie zwei Minuten vorkommen und man nach dem Abspann tatsächlich ein anderer ist, als vor dem Film. Bei Rian Johnsons „Looper“ – einem ohne jede Übertreibung als genial einzustufenden Mix aus rauer Science-Fiction, intelligentem Zeitreise-Thriller und emotionalem Drama – war es bei uns endlich mal wieder so weit.

Rückwärts durch die Zeit

Die Grundidee des Skripts ist so einfach wie genial: In Zukunft entledigen sich die Unterweltbosse dieser Welt ihrer Gegner nicht mehr durch schnöde Morde – nein, sie schicken sie einfach 30 Jahre zurück in die Vergangenheit. Dort werden sie – an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit – von eiskalten Auftragskillern, den sogenannten „Loopern“, bereits erwartet und umgehend liquidiert.
 
Die Bezahlung ist fürstlich, und der Lebenswandel der Erfüllungsgehilfen aus der Vergangenheit dementsprechend wild und aufregend. Nur einen Haken hat die Sache: Irgendwann kommt der Tag, da man das eigene zukünftige Ich über den Haufen schießen muss und damit sein eigenes Ende besiegelt. Ein perfektes System: Keine Leichen, keine Täter, keine Zeugen: Der Kreislauf (englisch: „Loop“) schließt sich.

Gestatten: Joe Simmons, Looper

Dreh- und Angelpunkt des Films ist einer jener ominösen „Looper“, bravourös gespielt von Shooting-Star Joseph Gordon-Levitt („Inception“, „The Dark Knight Rises“, „Lincoln“). Die ersten zehn Minuten des Films fragt man sich, wann der in der Branche auch als „JGL“ bekannte Kalifornier denn nun endlich seinen ersten Auftritt hat … bis es einem wie Schuppen von den Augen fällt:
 
Dieser grimmig dreinblickende, unglaublich cool und lässig durch die düsteren Szenen spazierende Joe Simmons ist niemand anderes als Joseph Gordon-Levitt himself! Glauben Sie uns, er ist es tatsächlich, obwohl man ihn unter den dicken Schichten von Make-up und speziellen Gesichtsprothesen wirklich kaum noch erkennen kann.

Verblüffende Verwandlung

Der Grund für die aufwendige Prozedur, die der gefragte Mime jeden Tag drei Stunden lang über sich ergehen lassen musste, ist verblüffend und einleuchtend zugleich: Regisseur Rian Johnson feierte im Jahr 2005 auf dem Sundance Filmfestival gemeinsam mit Gordon-Levitt seinen umjubelten Durchbruch (mit dem ebenfalls nur zu empfehlenden Film-Noir-Experiment „Brick“). Inspiriert von der guten Zusammenarbeit und dem großen Talent seines Hauptdarstellers, schrieb er das Treatment für einen Kurzfilm, für dessen Hauptfigur er einzig und allein ihn im Sinn hatte.
 
Nachdem das Projekt jahrelang auf der Kippe stand, durch großes Engagement aller Beteiligten (JGL warb unermüdlich für den Stoff und fungierte am Ende auch als einer der Produzenten) letztendlich aber sogar zu einer 30 Millionen Dollar teuren Langfilm-Produktion ausgeweitet wurde, stellte sich die Frage, wer die 30 Jahre ältere Version von Joe spielen sollte. Für solch einen Haudegen im besten Alter kommt einem natürlich Mister „Stirb langsam“ Bruce Willis zuallererst in den Sinn. Der las das Drehbuch, war begeistert und sagte sofort zu. Einziges Problem: Die beiden Joes sahen sich nicht im mindesten ähnlich, weshalb man sich für die aufwendige, aber letzten Endes überaus gelungene „Verwandlungs-Variante“ mithilfe von begabten Maskenbildnern entschied.

Ab jetzt wird’s kompliziert…

An der Stelle, da sich die unterschiedlich alten Versionen von Joe begegnen, nimmt der Streifen erst so richtig Fahrt auf. (Keine Angst, hier wird nichts gespoilert, doch um die Faszination dieses Films zu verstehen, kann eine etwas ausführlichere Analyse der Handlung nicht schaden!) In der ersten Zeitschleife tauschen beide einen kurzen, schmerzhaften Blick des Erkennens aus – doch der Schuss fällt, der alte Joe stirbt und die Geschichte nimmt ihren Lauf, wie sie soll. Joe hat „seinen Loop geschlossen“, wie es im Jargon der Looper heißt, er bekommt eine großzügige Abfindung und kann die nächsten 30 Jahre ein mehr oder weniger sorgenfreies Leben führen (natürlich immer im Wissen, dass sein Todestag felsenfest geschrieben steht).
 
In einer brillanten, dialogfreien Montage von nicht einmal fünf Minuten springt Regisseur Rian Johnson nun durch die Jahre, zeichnet in flirrenden, hypnotischen Einstellungen und mithilfe von Bildern voller Effekte und Zeitlupen einen unsteten Lebensweg, der Joe nach Asien und immer tiefer in seine anfangs bereits angedeutete Drogensucht führt. Seinen bequemen Vorruhestand gibt er bald auf und steigt wieder voll ein in dubiose Mafiageschäfte und brutale Auftragsmorde. Als er kurz vor dem totalen Absturz steht, findet er Erlösung und Vergebung in den Armen einer Frau (Qing Xu).
 
So klischeehaft und unwahrscheinlich das auch klingen mag: Der Film schafft es, einem diese Läuterung durch die Kraft einer wahrhaftigen und unsterblichen Liebe innerhalb von Sekunden plausibel zu machen. Was enorm wichtig für das Funktionieren des gesamten Plots ist, und mitentscheidend für Joes Motivation, sein eigentlich vorprogrammiertes Schicksal nun doch ändern zu wollen.

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