Rundfunkbeitrag: Öffentlich-Rechtliche müssen beweisen, dass sie ihr Geld wert sind

Ein Kommentar von Richard W. Schaber

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Derzeit wird die Frage um eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags immer mehr zum politischen Nadelöhr. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, bitter notwendige Entwicklungen bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Bedingung für den Geldsegen zu machen – und es gäbe auch Methoden dafür.

Rund acht Milliarden Euro verbuchten ARD, ZDF und Deutschlandradio alleine im Jahr 2018 an Rundfunkgebühren – laut Schätzungen des IWF gibt es etwa 50 souveräne Staaten auf der Welt, deren Brutto-Inlandsprodukt unter dieser Summe liegt. Das ist also ein imposanter Haufen Geld – egal wie man es drehen und wenden mag.

Sollte der Rundfunkbeitrag wie geplant ab Januar 2021 um 86 Cent pro Haushalt auf 18,36 steigen, kämen gemessen an den Angaben von 2018 noch einmal 400 Millionen Euro dazu. Doch dagegen regt sich Widerstand – nicht nur seitens der AfD, die sich der Thematik tendenziell eher aus populistischen Motiven heraus verschreibt, sondern aus vielen Ecken der Gesellschaft, die nicht zum Kernpublikum der enorm ressourcenverschlingenden alten Rundfunk-Institutionen gehören. Kann man es Menschen verdenken, dass sie lieber für Netflix zahlen wollen als für Markus Lanz und belanglose Provinzkrimis? Schließlich steigt die Zahl der Streamingdienst-Abonnenten auch in Deutschland rasant an, womit bewiesen wäre: Die Deutschen sind durchaus bereit, Geld für Medieninhalte auszugeben – allerdings nur, wenn sie sich von selbigen auch angesprochen fühlen.

Warum viele nicht zahlen wollen

Dass die öffentlich-rechtlichen Programme die Breite des unfreiwillig zahlenden Publikums nicht überzeugen müssen, führt da nur weiter in die Entfremdung. Und eines hat sich längst gezeigt: Die finanzielle Unabhängigkeit der öffentlichen Sendeanstalten hat eigentlich nicht die gewünschten Ergebnisse erbracht. Was eigentlich ein idealer Spielraum für hervorragende journalistische Arbeit und gute Programmgestaltung hätte sein können, ist stattdessen zu einem trüben Biotop der Mittelmäßigkeit geworden, in dem astronomische Geldbeträge versickern, ohne das eine Rechtfertigung in Form ernsthafter Umgestaltung und Neuausrichtung, geschweige denn eine Vielzahl wirklich nennenswerter Eigenproduktionen, erfolgen würde.

Ist es also klug, dem Konglomerat der ARD-Anstalten weiter Blankoschecks zuzuschanzen? Eigentlich spricht erstmal vieles dagegen.

Das Sparsamkeitsprinzip

Wie verschlankt man also einen gordischen Knoten, in dem sich Verantwortliche und Journalisten mit Beamtenmentalität verschanzen, die den Anforderungen des medialen Wandels und eines heterogenen Publikums an vielen Stellen offensichtlich nicht gewachsen sind?

Ein Prinzip aus der Wissenschaftstheorie ist Ockhams Rasiermesser – auch bekannt als Sparsamkeitsprinzip: Das Rasiermesser setzt stets dort an, wo das Essenzielle vom Optionalen oder gar Redundanten freigestellt werden kann. Übertragen auf die Milliardenschleuder der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, würde das bedeuten: Wichtiger Nachrichtenjournalismus auf nationaler wie regionaler Ebene könnte durchaus von allen Kochshows, Talkshows, Spielshows und dem Krimi-Einheitsbrei differenziert – und durch Gebühren weiter voll finanziert werden. Somit müssten all jene, die an der Programmgestaltung von ARD und ZDF nichts finden, deutlich weniger Gebühren entrichten und doch nicht auf die Verfügbarkeit täglicher Nachrichtensendungen verzichten.

Zur Probe aufs Exempel

Jene, die dem Vollprogramm und Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen einen gewissen Wert beimessen und sich dafür interessieren, könnten so durchaus weiter dafür bezahlen – schließlich tun sie das jetzt auch schon, nur unfreiwillig. So stünden die Rundfunkanstalten dann endlich mal unter gesundem Leistungsdruck: Wer sich neben der gesicherten Finanzierung seiner journalistischen Kernaufgaben weitere Programmteile leisten möchte, muss damit das Publikum überzeugen und Gelder einnehmen – oder erweist sich schlichtweg als redundant. Wirtschaftlichkeit lernt sich eben nur unter realwirtschaftlichen Bedingungen – und man darf dabei nicht am falschen Ende sparen, bei der Qualität und Diversität des Angebots. Sonst ist man schnell wieder da angekommen, wo die Öffentlich-Rechtlichen jetzt stehen: Bei einem Angebot, dass viele nicht freiwillig bezahlen würden.

Um einen wesentlichen Wandel im Hinblick auf qualitative Programmgestaltung und kosteneffiziente Arbeit bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu sehen, müssten die finanziellen Stützräder wohl langsam abmontiert, die Freifahrtscheine eingezogen werden – denn nur so können die Anstalten beweisen, dass sie ihr Geld auch wert sind und damit sauber wirtschaften können. Ferner würde so auch die Gunst des Publikum den Geldhahn in Richtung der Anstalten justieren – ein geradezu demokratisches Modell.

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236 Kommentare im Forum

  1. Oh, ein Kommentar zu dem Thema. Zur Information: Das ist eine Meinung und kein Tatsachenbericht, nur um erwartbaren Reaktionen zu folgen.
  2. Und der Autor Richard W. Schaber ist ja geradezu ein Musterbeispiel für die zu erwartende "Qualität", berichtete er doch vor noch nicht all zu langer Zeit über den seltenen und bis vor kurzem unbekannten Beruf des "Sky-Wirtes", mit Betroffenheitsbildern ähnlich der "B**D-Zeitung", hoffend auf staatliche Unterstützung und nicht Infrage-Stellen seines obskuren und evtl. falschen Geschäftsmodells. Sky-Wirt: „In drei Monaten sind wir erledigt“ - DIGITAL FERNSEHEN
  3. DF bzw. die Auerbach Verlag und Infodienste GmbH haben allgemein, meiner Meinung nach, ein gestörtes Verhältnis zu den Öffis. Nicht umsonst wird hier gerne über die Öffis gehetzt.
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