Digitalradio zieht Fazit: 2019 gutes Jahr für DAB Plus

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DAB Plus hat in diesem Jahr wesentliche Meilensteine erreicht. Die Digitalradiopflicht für Neuwagen und stationäre Radiogeräte mit Display ab Ende 2020 leistet einen wichtigen Beitrag für den Verbraucherschutz von Hörerinnen und Hörern.

Auch die Zahlen des Digitalisierungsberichts der Medienanstalten belegen die Erfolge bei der Digitalisierung des Hörfunks: DAB Plus wächst in diversen Segmenten um bis zu 34 Prozent, berichtet das Digitalradio Büro Deutschland. Zusammen mit der kontinuierlich größer werdenden Programmvielfalt mit über 260 regional unterschiedlichen und 65 exklusiven DAB Plus Programmen sowie weiteren geplanten Angebotserweiterungen senden diese Entwicklungen ein eindeutiges Signal: DAB Plus ist der verlässliche terrestrisch-digitale Verbreitungsweg.

Bund und Länder beschließen Digitalradiopflicht in Empfangsgeräten

Im November hat der Bundesrat das sechste Gesetz zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes gebilligt: Ab dem 21. Dezember 2020 müssen Radios in Neuwagen den Empfang und die Wiedergabe von digital-terrestrischem Radio, also DAB Plus, ermöglichen. Auch für stationäre Radiogeräte mit Display gilt künftig die Digitalradiopflicht. Der Bundestag hatte den Gesetzesentwurf zuvor im Oktober angenommen. Mit der Entscheidung von Bund und Ländern setzt die deutsche Legislative EU-Regelungen zur Interoperabilität beim Radio-Empfang in nationales Recht um. In Frankreich und Italien sind vergleichbare Bestimmungen bereits in Kraft.

Medienanstalten: Dynamischste Steigerung seit Erhebungsbeginn

Laut dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten stieg die Anzahl der deutschen Haushalte mit DAB Plus von durchschnittlich 17 Prozent in 2018 auf 22,7 Prozent in 2019. Das entspricht einer relativen Zunahme von 34 Prozent. Auch für andere untersuchte Marktsegmente (Zugang, Geräteabsatz) attestiert die gemeinsame Studie der Medienanstalten unter Beteiligung von ARD, Deutschlandradio und Media Broadcast dem digitalen Antennenradio mehrheitlich zweistellige Zuwachsraten.

In weit über 9 Mio. Haushalten steht mindestens ein DAB Plus Gerät. Das sind über 2 Mio. mehr als 2018. Die Anzahl der Personen mit einem Zugang zu DAB Plus erhöht sich von 12,7 Mio. in 2018 auf fast 17 Mio. in 2019. Das sind 4,1 Mio. mehr als im Vorjahr und entspricht fast einem Viertel der Bevölkerung ab 14 Jahren. Damit liegt DAB Plus an der Spitze des Zuwachses vor anderen Empfangswegen.

Neue Bestmarken im Verkauf

Während die Abverkäufe von UKW Radiogeräten seit Jahren sinken, erreichen die Verkäufe für DAB Plus Empfänger neue Bestmarken: Die Gesamtzahl der DAB Plus Geräte liegt inzwischen bei 14,6 Mio. Das sind 2,8 Mio. mehr als 2018, was einer relativen Steigerung von 24 Prozent entspricht.

Besonders erfreulich ist die Marktdurchdringung bei DAB Plus Autoradios. Fast die Hälfte aller Neuwagen rollen inzwischen mit DAB Plus Radio vom Band, Tendenz weiter steigend. Die Zahl der Autoradios mit DAB Plus Empfang wuchs um rund 2,2 Mio. von 4,41 Mio. in 2018 auf 6,6 Mio. in 2019. Diese außergewöhnlichen Steigerungen sind die dynamischsten seit Beginn der Erhebungen von vor sechs Jahren. Weltweit wurden bereits 82 Millionen DAB Plus Radios für Autos und den Heimgebrauch verkauft. Das ist ein Zuwachs von 11 Millionen im Vergleich zu 2018.

Regionale Vielfalt wächst, nationales Netz weiter im Ausbau

Die Vielfalt über DAB Plus wächst bundesweit. In Süd- und Ostdeutschland ist sie zuletzt besonders stark gestiegen. In Bayern senden inzwischen fast alle Regional- und Lokalradios auch über DAB Plus; in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg gibt es 70 Programmangebote. In gut der Hälfte der Republik sind inzwischen durchschnittlich zwischen 30 und 50 regionale Programme verfügbar, in Ballungsräumen deutlich mehr. Dort, wo Landesmedienanstalten die DAB Plus Übertragung aktiv fördern, gibt es eine besonders breite Programmvielfalt privater Sender, darunter viele innovative Angebote, die nur über DAB Plus ausgestrahlt werden. In Hessen zum Beispiel sendet mit JOKE.FM das erste deutsche Comedy-Radio sein Programm landesweit über DAB Plus. Beim MDR feierte das digitale Kinder- und Jugendradio TWEENS seinen ersten Geburtstag. Mit Radio Arabica ist in Berlin das erste arabischsprachige DAB Plus Programm auf Sendung.

Im bundesweiten Multiplex mit seinen in ganz Deutschland verfügbaren Programmen haben in diesem Jahr 13 weitere Sendeanlagen den Betrieb aufgenommen. Die Zahl der Standorte steigt hier auf 137. Die Gesamtverfügbarkeit von DAB Plus in Deutschland entspricht 98 Prozent der Fläche, addiert man alle Sendeanlagen der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter.

Deutschlandradio stellt in weiteren Regionen auf digitale Verbreitung um

Der nationale Hörfunk hat im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie weitere Schritte unternommen. Nach Mittenwald und Helgoland im letzten Jahr, wurde im Sommer in den bisherigen UKW-Verbreitungsgebieten Amberg, Füssen und Kempten auf digitale Hörfunkverbreitung mit DAB Plus umgestellt. In diesen drei Regionen sind Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova jetzt digital über Antenne zusammen mit dem kompletten Programmangebot im bundesweiten DAB Plus Multiplex verfügbar.

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36 Kommentare im Forum

  1. Verbraucherschutz wäre es, wenn der Verbraucher selber frei entscheiden könnte, ob er ein Digitalradio haben will.
  2. Manchmal kann so ein Zwang schon einen träge gewordenen Markt aufwecken – ich denke da immer an die Glühlampen, deren Ende direkt dazu führte, dass sich ganz andere Lösungen etablieren konnten. Nur ob beim Digitalradio fehlendes Geräte-Angebot die Bremse war, habe ich meine Zweifel. Eher sowohl Angebot wie auch Kundeninteresse an weiteren Sendern…
  3. Das kann er doch. Oder wird eine Radiokaufpflicht eingeführt? Natürlich nicht. Niemand muss ein Radio kaufen. Nur wenn man ein Radio kauft, muss es eben auch DAB Empfang haben. Ist auch richtig so, denn terr. Frequenzen sind ein hoheitliches Gut des Staates, daher darf er auch vorschreiben, wie diese genutzt werden. Und es ist ein staatliches Ziel, aus der analogen UKW Verbreitung auszusteigen. Daher ist es nachvollziehbar, technische Standards für Endgeräte vorzuschreiben. Damit wird der Verbraucher geschützt, da er dann kein Gerät mehr kaufen kann, das absehbar nutzlos wird.
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