Playstation 5 Details Teil 3: Was die PS5 besser macht

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Sony PS5 Presentation Jim Ryan

In einem eigentlich ausschließlich für Entwickler gedachten und daher relativ monotonen Tech-Briefing wurde die Technik der PS5 am Mittwoch enthüllt. In Teil I und II der Details zur neuen Sony-Konsole wurden bereits Strategie und Leistungsdaten beleuchtet. Dieses Mal geht es darum, was die PS5 eventuell besser macht als Microsofts Konkurrenz-Produkt.

Bislang bremsen die eingebauten Festplatten in Videospielkonsolen die gesamte Systemgeschwindigkeit gnadenlos aus und selbst eine Xbox One X ist davon betroffen: Wenn Ladezeiten zu lang ausfallen und Texturen im Spiel zu spät geladen werden, ist das meist ein Zeichen, dass die benötigten Daten zu langsam von der Festplatte in den Arbeitsspeicher der Konsole geschaufelt werden.

Die bisherige Lösung: SSD-Speicher. Playstation-Entwickler Mark Cerny weist in diesem Fall aber zurecht darauf hin, dass Sie zwar ein SSD-Speicher an die Konsolen z.B. über USB anschließen können, vom theoretischen 10-fachen-Geschwindigkeitsvorteil der gängigen kostengünstigen SSD-Speicher aber häufig nur Faktor 2 übrig bleibt, weil sämtliche Transfertechnik im Inneren der Konsolen nicht für solche Geschwindigkeiten ausgelegt ist (selbst wenn Sie die interne PS4-Festplatte wechseln, besteht das Problem weiterhin).

Microsoft hat das Problem bei der Xbox Series X gelöst, indem vergleichbar zu PCs auf aktuelle NVMe-SSD-Speicher gesetzt wird und die gesamte Datenweiterleitung der Konsole auf diesen Übertragungsgeschwindigkeiten aufbaut. Durch zusätzliche Controller wird sichergestellt, dass die Hauprozessoren nicht unnötig belastet werden, wenn Daten von A nach B bewegt werden. Mit Xbox Series X lassen sich Daten von der SSD knapp 20 bis 40-fach schneller in den Arbeitsspeicher übertragen als bei einer Xbox One mit normaler Festplatte – aus Megabyte an Daten werden dadurch zukünftig Gigabyte an Daten binnen weniger Sekunden. Da Xbox Series X Spiele darauf optimiert werden, müssen diese zwingend auf dem neuen leistungsstarken Speicher installiert werden. Microsoft liefert hier 1.000 GB internen Speicher und zusätzliche kompakte Speichermodule (ebenfalls 1.000 GB).

Der Clou: Die optionalen Speichermodule können auf der Rückseite schnell und einfach gewechselt werden. Die Preise für diese kleinen Module werden allerdings höher als bei gängigen SSD-Speichern ausfallen. Für normale Xbox-One-Games reichen weiterhin übliche USB-Festplatten.

So schnell die Xbox Series X auch ist, die PS5 ist auf diesem Gebiet nochmals dramatisch besser aufgestellt: Sony verspricht eine 100-fache Leistungssteigerung gegenüber einer PS4 mit Standard-Festplatte und die Datentransferrate der PS5 ist mehr als doppelt so hoch wie bei Microsofts Xbox Series X. Ladezeiten sollen damit nicht nur auf wenige Sekunden gedrosselt werden, sondern im Idealfall auf eine Sekunde. Möglich macht dies ein gewaltiger technischer Aufwand bei der internen SSD und der Ansteuerung, denn Sony will nicht nur die Datenübertragungsgeschwindigkeit massiv steigern, sondern auch eine unnötige CPU- und GPU-Belastung beim Datentransfer vermeiden und zugleich jegliche Fehlerquellen unterbinden.

Dies kann sich wiederum äußerst positiv auf die Spielleistung und die Bildanzahl pro Sekunde niederschlagen, denn wie aktuelle PC-Zukunftstitel wie „Star Citizen“ beweisen, können CPU und GPU erst mit den besten NVME-SSD-Speichern ihr gesamtes Leistungspotenzial ausschöpfen. Die PS5 ist in dieser Hinsicht bisherigen PC-Speicherlösungen überlegen und passende PC-Speichermodule, die in Sachen Geschwindigkeit und Protokollverarbeitung mit dem internen PS5-Speicher schritthalten können, sind aktuell noch nicht verfügbar. Somit macht es keinen Sinn, sich vorab SSD-Speicher zu organisieren, denn Sony will zunächst über eine Art Zertifizierung sicherstellen, dass die PC-Speicher dem internen PS5-Speicher gewachsen sind.

Mark Cerny ließ bereits durchblicken, dass es bis 2021 dauern könnte, bis man vergleichbare PC-NVMe-SSDs im Markt finden wird. Einbauen lässt sich solch ein zweiter ultraschneller SSD-Speicher in einem Erweiterungsslot in der PS5. Ein einfacher Austausch wie bei Xbox Series X ist damit nicht möglich und im Großen und Ganzen wird man bei der PS5 vorrangig zwei ultraschnelle Laufwerke nutzen, anstatt mehrere, USB-Stick-ähnliche SSD-Module wie bei Xbox Series X griffbereit zu haben. Da der interne PS5-Speicher mit 825 GB nicht gerade üppig ausfällt und das Betriebssystem etliche Gigabyte davon verschlingt, wird es spannend zu sehen sein, wie Sony eine zu häufige Installation- und Deinstallation von Spieldaten vermeiden will.

Apropos Betriebssystem: Durch die extrem schnelle SSD-Datenübertragung könnte Sony die Datenlast des Betriebssystem auslagern, sobald Sie ein Spiel gestartet haben, um Spielen mehr Platz innerhalb des GDDR6-Arbeitsspeichers freizuräumen. Drücken Sie die Home-Taste, könnten im Bruchteil einer Sekunde die Betriebssystem-Daten wieder vom SSD-Zwischenspeicher in den Hauptspeicher geschaufelt werden. Somit könnte die PS5 in der Praxis eine überlegene Speichernutzung gegenüber der Xbox Series X gewährleisten, doch ob sich Sonys Zahlen in der Praxis tatsächlich so bewahrheiten werden, bleibt abzuwarten.

Eine gute Nachricht für geplagte PS4-Besitzer: Bislang werden Update-Daten mit schneller Internetleitung zwar fix heruntergeladen, doch die Installation dieser Daten kann eine gefühlte Ewigkeit dauern, weil meist die gesamten Spieldaten neu geschrieben werden. Mit der PS5 ist dies nicht mehr der Fall, sodass Spieleupdates abseits der Einschränkungen der eigenen Internetleitung keine unnötigen Verzögerungen mehr provozieren.

Hier geht es zum vierten und letzten Teil unserer Analyse.

Bildquelle:

  • PS5 Road to: Sony

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