Bond-Kinostart bestätigt – doch wer kann überhaupt ins Kino?

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James Bond - Keine Zeit zum Sterben
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Nachdem der Leinwandstart von „Keine Zeit zu Sterben“ bereits mehrfach verschoben wurde, ist der Anlauftermin für den Blockbuster nun bestätigt worden. Ob zum Tag X im Frühjahr deutsche Kinos den Agentenfilm zeigen können, ist allerdings gerade fraglich.

Bond-Filme sind nahezu überall auf der Welt garantierte Kassenschlager, wo es Kinos gibt – umso schwerer traf es die ohnehin am Stock gehende Branche, dass Universal den eigentlich für Herbst neu anberaumten Kinostart von „Keine Zeit zu Sterben“ ins Jahr 2021 verschob. Das mag durchaus an dem vergleichbar bescheidenen Einspielergebnis des SciFi-Thrillers „Tenet“ von Starregisseur Christopher Nolan gelegen haben – einer der wenigen großen Filme, die es tatsächlich 2020 in die deutschen Kinos schaffte. Verramschen wollte man den Hochglanz-Film mit Daniel Crag als 007 und Oscar-Preisträger Rami Malik („Bohemian Rhapsody“) als Bösewicht sicher nicht.

Auch den auf der Lauer liegenden Streamingdiensten, die für Exklusivrechte sicher beträchtliche Summen hingelegt hätten, wurde eine Absage erteilt: Ein Bond gehöre halt auf die Kinoleinwand. So liegt die neueste Auskopplung des legendären Agenten-Franchises weiter auf Eis – bis zum neuen Starttermin am 31. März 2021, der in dieser Woche von Universal erneut bestätigt wurde.

Dürfen deutsche Kinos „Keine Zeit zu Sterben“ zeigen?

Nur darf im März in Deutschland überhaupt irgendwer ins Kino? Während Deutschland in der ersten Corona-Welle außergewöhnlich glimpflich davonkam, stimmt die derzeitige Lage kurzfristig eher wenig optimistisch: Der zweite Lockdown, den die Politik noch im Sommer für nahezu unmöglich erklärt hatte, droht im Januar verlängert zu werden. Darüber hinaus läuft die bundesweite Impfkampagne nur schleppend an, da bereits wenige Tage nach dem Start bereits die eingeschränkte Verfügbarkeit des Impfstoffs ins Gewicht fällt.

All das macht wenig Hoffnung darauf, dass in nur 12 Wochen zum weltweiten Kinostart von „Keine Zeit zu Sterben“ die deutschen Lichtspielhäuser ihre Säle wieder für Besucher öffnen dürfen. Zumindest nicht uneingeschränkt – die Hygienekonzepte für deutsche Kinos nach dem ersten Lockdown ließen nur sehr geringe Ticket-Kontingente zu und so entwickelte sich die zeitweise Wiedereröffnung der Filmtheater letztlich zur unwirtschaftlichen Groteske. Mit einer Saalauslastung von bestenfalls 25 Prozent spielt ein Kino mit Sicherheit nicht einmal die notwendigen Kosten ein.

Somit stellt sich die Frage, ob die deutschen Kinos den neuen Bond überhaupt anlaufen lassen, sollten sie es nur unter erschwerten Bedingungen tun dürfen. Oder ob die schiere Unwirtschaftlichkeit des Unterfangens die Betreiber dazu bewegen könnte, den Kelch endgültig an sich vorbeigehen zu lassen. Während der Kinostart von „Keine Zeit zu Sterben“ in anderen großen Massenmärkten wie China derzeit ungefährdet wirkt, glaubt gerade in Deutschland eben kaum jemand daran, bald wieder in einem vollen Kinosaal zu sitzen.

Krempelt Joe Biden das Kinojahr 2021 um?

Es ist zwar müßig, sich in Spekulationen zu ergehen, jedoch ist ein Szenario durchaus möglich, das den kompletten Kino-Veröffentlichungsplan für das kommende Jahr durcheinander werfen könnte: Der gewählte neue US-Präsident Joe Biden wird sein Amt im Januar 2021 antreten und hat bereits verkündet, der Corona-Pandemie anders entgegentreten zu wollen als das scheidende Staatsoberhaupt Donald Trump. Dessen weitestgehende Untätigkeit hatte wohl mit dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten weltweit das Land mit den höchsten Fallzahlen und coronabedingten Todesopfern sind.

Bislang gibt es aber in den USA auch keine vergleichbaren Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wie sie in Europa und vielen anderen Ecken der Welt mittlerweile längst Alltag sind. Sollte nun die Biden-Regierung im Frühjahr die Zügel herumreissen und einen ähnlichen Kurs wählen wie viele europäische Staaten, würde das für die größten Kino-Produktionen eventuell eine glatte Nullrunde auf dem Heimatmarkt bedeuten – ein schlichtweg untragbares finanzielles Risiko, gerade bei hochbudgetierten Filmen wie „Keine Zeit zu Sterben“, die auf ein gutes Einspielergebnis und volle Kinosäle angewiesen sind. Das Abschreckungsbeispiel und gescheiterte Veröffentlichungs-Experiment „Tenet“ ist schließlich allen noch in bester Erinnerung.

Wie genau sich die Lage im Frühjahr nun gestalten wird und ob vielleicht angesichts einer etwaigen erneuten Verschiebung des Kinostarts in wichtigen Regionen doch zahlungswillige Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime Video den Zuschlag bekommen – zumindest für eine zweigleisige Veröffentlichung – steht derzeit noch in den Sternen.

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