Blick ins Forum: Weihnachts-Populismus und fehlende Weitsicht

20.12.2011, 16:09 Uhr, rh

Die Fusion von Kabel BW und Unitymedia sowie die anstehende Reform der Rundfunkgebühr sind beschlossene Sache - und damit auch zwei neue Themen im Forum von DIGITALFERNSEHEN.de. Anlass zur Diskussion gab zudem die Meinung von Kurt Beck über die Digitalkanäle von ARD und ZDF.

Kabel-BW-Übernahme: "Ein rabenschwarzer Tag für Deutschland"


 
Grund zum Feiern gab es in der vergangenen Woche bei Liberty Global, denn das Bundeskartellamt hat der Kabel-BW-Übernahme unter verschiedenen Auflagen zugestimmt. Forummitglied "tonino85" kommt bei der Nachricht sofort in "Partüüüüüüü"-Stimmung. "Mon0" ist allerdings alles andere als in Feierlaune und prophezeit: "Jetzt geht's abwärts" und aus Sicht von "Fitzgerald" "ist das ein rabenschwarzer Tag für Deutschland". Das Kartellamt hat seiner Meinung nach "völlig versagt". "In Deutschland ist alles Lobbyarbeit. Der Stärkste gewinnt, auch wenn es noch so unsinnig erscheint. Man muss es den Entscheidern nur entsprechend (v)erkaufen", sieht "Mr.Seltsam" die Situation.
 
"Geissbock78" kann als Unitymedia-Kunde "nur hoffen", "schlimmer kann es schließlich nicht werden was den TV-Bereich betrifft". Kritik an der Entscheidung des Bundeskartellamtes übt auch "PayTView": "Das war nur ein Denken bis vor die eigene Nase, aber nichts mit Weitblick, wenn die SD-Sender abgeschaltet werden. Spätestens dann, drängen sich die Verschlüsselung und Extrakosten wieder auf", argumentiert er.
 
"W00pw00p" fürchtet, dass Unitymedia nur "leere Zugeständnisse" gemacht hat. "Wie es in Wirklichkeit aussehen wird, erfahren wir nächstes Jahr aber jeder hier weiß, wie schlecht es nun um die Programmvielfalt und Freiheit in Baden-Württemberg steht". Grund zum Lachen hat "MrUnknown", denn er hält die Zugeständnisse für einen "Witz". Als faktisch sieht er hingegen an, dass es in Baden-Württemberg nicht viele Kabelanbieter gibt "und das weiß auch Liberty Global", betont er. Für den HD-Ausbau in dem Bundesland bedeute die Fusion aber "das Ende".
 
"Southkorea" erwartet hingegen, dass die durch das Bundeskartellamt geforderte Aufhebung der Grundverschlüsselung der digitalen Free-TV-Programme auch bei Kabel Deutschland und Telecolumbus/Primacom Schule macht und prostet dem Forum bereits zu: "Auf ein freies Digitales Free-TV-Schauen bei den Kabelnetzbetreibern im Jahr 2012". Dem kann "LSD" mit den Worten "nun wackelt die Grundverschlüsselung deutschlandweit" nur zustimmen. Im Hinblick auf die Verschlüsselung der HD-Ableger der Privaten erwartet er eine "große Gegenbewegung gegen SES Astra mit seiner HD-Plus-Plattform", immerhin seien Kabel BW und Unitymedia "keine großen Freunde der Restriktionen".
 
Sehen Sie die Entscheidung des Bundeskartellamtes kritisch oder haben Sie keine Bedenken? Im Forum können Sie sich an der laufenden Diskussion beteiligen.

Kurt Beck, die Digitalsender und der "Weihnachts-Populismus"


 
Wenig begeistert von den digitalen Kanäle von ARD und ZDF zeigte sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und forderte die Einstellung mehrerer Digitalsender. Bei Facebook-Nutzer "Andreas Kluge" stößt hingegen die Meinung des Politikers auf Kritik: "Die Privatsender schaffen es ja nicht mal, so ein tolles Programm aufzustellen". Er schaut besonders gern bei ZDFneo und Eins Festival rein, welche bei "Christoph Effenberger" bereits "ein paar Private verdrängt" habe. "Markus Fischer" hat für den Vorschlag von Beck nur eine Antwort: "Niemals, niemals". Ganz wie in der Politik holt er zum Gegenvorschlag aus und fordert "mehr öffentliche Sender als die Volksverdummung der Privaten".
 
"Dieser mir gänzlich unsympathische Mensch hat wohl schon an der Silvesterbowle genuckelt", fragt sich User "KTS" im Forum von DIGITALFERNSEHEN.de und spricht dem Politiker eine Verwarnung aus: "Die Sender sollen mal schön bleiben wo sie sind!". "LSD" grübelt ebenfalls, allerdings über die Antwort auf die Frage, wann Beck "sein Amt als selbsternannter 'oberster ÖR-Wächter" aufgeben wird. "Jahuu200" unterbreitet dem Sozialdemokraten einen Vorschlag: "Herr Beck, packen Sie erstmal andere Sachen an die wichtiger sind!". "Suniboy" hält die medienwirksame Aktivität von Beck ohnehin nur für "Weihnachts-Populismus".
 
Rückendeckung erhält Beck von "fernsehfan", denn die Board-Ikone gibt ihm zumindest was die ARD angeht recht. "Für was braucht die ARD drei Digitalkanäle, wenn man bereits eine Armee von dritten Programmen hat?", fragt er. Dem Programm der Digitalkanäle kann er nichts abgewinnen: "Außer die Xte Wiederholung der Wiederholung läuft dort sowieso nichts". Das ZDF nimmt er teilweise in Schutz, da der Sender "keine eigene Senderfamilie hat und man ziemlich alleine da stand". Aber gleich drei Kanäle müssen es dann auch wieder nicht sein. "ZDF Neo und ZDF Kultur könnte man z.B. zu einen Sender fusionieren", schlägt "fernsehfan" vor.
 
Zustimmung erfährt Beck auch durch "PayTView", denn seiner Meinung nach sollten ARD und ZDF "einige ihrer Digitalkanäle als Joint-Venture betreiben und dafür den ein oder anderen streichen und so Kosten sparen". Er braucht zum Beispiel nichts "Doppeltgemoppeltes wie Eins Festival und ZDFneo". Dem kann "skyforger" nur beipflichten und würde die Hauptsender so umstrukturieren, "dass sie das gesamte Publikum von jung bis alt ansprechen".
 
"Lady on a Rooftop" hält die digitale Vielfalt "in einer Zeit, in der private Anbieter ihr Programm absichtlich verschlüsseln und entgeltpflichtig anbieten" hingegen für wichtig. Vor allem für Menschen, "die sich die Abogebühren für die Privaten nicht leisten können oder wollen". "Langfristig (8 - 10 Jahre) werden alle Öffentlich-Rechtlichen verschlüsseln", entgegnet "martinho9000". Er kann sich auch vorstellen, dass bei Bezahlung der kommenden Haushaltspauschale die Sender auf einer Smartcard freigeschaltet werden. WDR, MDR und SWR/SR hätten seiner Meinung nach das Nachsehen und würden eingestellt, genauso wie viele Radiosender, denn "da können auch 50 Prozent ersatzlos gestrichen werden".
 
Würden Sie auch den Rotstift schwingen oder begrüßen Sie die digitalen Sender von ARD und ZDF? Im aktuellen Diskussionsthema können Sie mit anderen Forumitgliedern argumentieren.

Rundfunkpauschale statt GEZ - folgt 2013 die Reform auf die Reform?


 
Es steht fest - 2013 wird die bisherige geräteabhängige Gebührenstruktur durch eine pauschale Haushaltsgebühr ersetzt. "Redfield" selbst hat als "bekennender Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" damit kein Problem, hält die Änderung für Menschen, "die aus persönlichen Gründen überhaupt kein TV-Gerät besitzen und trotzdem ein erfülltes Leben haben" allerdings für "schreiendes Unrecht", wofür er die "volle Zustimmung von "Volterra" erhält.
 
Das erfüllte Leben könnte aber auch durch Radios, Smartphones oder sonstige Geräte ermöglicht werden, betont "Frankenheimer". Er bezweifelt, dass es "in unserem Land auch nur 1 Prozent der Bevölkerung gibt, die keine dieser Geräte nutzen" findet aber dennoch einen scheinbar unlösbaren Kritikpunkt. "Es ist natürlich ungerecht das jemand, der 10 Stunden TV am Tag guckt genausoviel zahlen muss wie jemand, der nur einen Radiowecker hat, aber wo willste sonst die Grenze ziehen?", würde er gern wissen. "Liebe_jung" kennt dennoch "keinen Einzigen, für den es ab 2013 nicht einfacher wird".
 
"Suniboy" fragt sich hingegen, was künftig als Haushalt gelten wird. Das fragt sich auch "beiti" und nimmt überdies an, dass "die Politik (…) so fixiert darauf [war], das Gesetz gegen den Widerstand der bösen FDP durchzukriegen, dass alle inhaltlichen Bedenken vom Tisch gefegt wurden" Er hört schon "den Ruf nach der nächsten Reform", welche dann "vernünftig" sein sollte. Er schlägt folgende Varianten vor: "personenbezogene Gebühr, Abrechnung übers Finanzamt nach dem Prinzip der Kirchensteuer oder halt gleich Steuerfinanzierung".
 
"Es sollte nach Nutzung gezahlt werden", fordert "Casper1983". Die Öffentlich-Rechtlichen müssten ihre Programme verschlüsseln und gegen Bezahlung der Gebühr eine Smartcard herausgeben, preist er an. "Wer nicht bezahlt, bleibt draußen!". Dafür erfährt er ein entschiedenes "Nein" von "fullhdfan", der "absolut" gegen eine Grundverschlüsselung der Öffentlich-Rechtlichen ist. "Dann lieber die neue Form der Fernsehgebühr als eine weitere Beschneidung der Grundrechte auf freie Information und Teilhabe am öffentlichen Geschehen!"
 
Wie sehen Sie die neue Rundfunkgebühr - würden Sie eine Verschlüsselung der öffentlich-rechtlichen Angebote vorziehen? Teilen Sie Ihre Meinung doch im Forum mit.
 
 
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Die in der Rubrik "Blick ins Forum" wiedergegebenen Meinungen stammen von den Lesern des Internetportals DIGITALFERNSEHEN.de und spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.

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